Aktien in Osteuropa: Imposante Gewinne

Aktien und Anleihen in Osteuropa Meldung

Die osteuropäische Wirtschaft wächst viel stärker als die unsrige. Das ist gut für die Aktien.

Im Jahr 2002, als die westlichen Aktienmärkte viel Geld verloren, brachten die osteuropäischen Börsen teilweise zweistellige Gewinne. Mittlerweile hat sich das Wachstum verlangsamt. Zu Ende ist es noch nicht.

Osteuropäische Aktien gibt es noch gar nicht lange. Erst vor zehn Jahren wurden die Börsen „wachgeküsst“, wie Helge Rechberger von der österreichischen Raiffeisen Zentralbank sich ausdrückt. Zuvor waren sämtliche Betriebe in staatlicher Hand. Damit aus der sozialistischen Wirtschaft eine kapitalistische wurde, mussten die Unternehmen privatisiert werden. Das ist inzwischen passiert.

Die Fantasie, die in den Märkten steckt, hat daher mit dem Beitritt nicht mehr viel zu tun. Im Gegenteil: „Das ist zum größten Teil eingepreist“, sagt Roger Monson von der österreichischen Bank Austria-Creditanstalt. Helge Rechberger ergänzt: „Es sind die Wachstumsmöglichkeiten, die die Hoffnung auf Kursgewinne wecken.“

Wachstum zum Beispiel deshalb, weil die Infrastruktur in den Staaten noch Lücken hat. Die Menschen brauchen mehr Straßen, mehr Energie und mehr Telefonleitungen.

Davon profitieren Telekomkonzerne wie die Cesky Telekom, die polnische TPSA und die ungarische Matav. Mit der Matav freuen sich übrigens die Aktionäre der Deutschen Telekom, denn ihre Firma ist mit 59,5 Prozent an der Matav beteiligt.

Die Telekom ist keine Ausnahme: An den Privatisierungen haben sich überwiegend professionelle Anleger aus dem Ausland beteiligt. Die Schweizer Firma Novartis hat den slowenischen Pharmabetrieb Lek übernommen. Die Belgier haben in Bulgarien eine Hotelkette gekauft. Die Pkw-Sparte von Skoda gehört VW. Sie alleine erbringt 12 Prozent der tschechischen Wirtschaftsleistung.

„Zum Jahresende werden in Osteuropa Direktinvestitionen von insgesamt 20 Milliarden Euro erwartet“, sagt Andreas Gummich von der Fondsgesellschaft DWS. Dazu gehören nicht nur Aufkäufe, sondern auch Kooperationen und eigene Gründungen. Und jede Krone, jeder Forint, jedes Pfund trägt zum Wachstum bei. Wer davon profitieren will, sollte allerdings nicht auf eigene Faust loslegen, sondern das Geschäft den Profis der Fonds überlassen.

Ausländische Firmen profitieren

Die Fonds investieren vor allem in den drei großen Märkten Polen, Tschechien und Ungarn. Aber auch die kleineren Länder werden berücksichtigt. „Einige Einzelwerte können durchaus mithalten“, sagt Helge Rechberger. Etwa die estnische Hansabank mit einem Börsenwert von 1,4 Milliarden Euro.

Der Bankensektor wächst. „Nach der Wende waren die Privathaushalte absolut underbanked“, sagt Michael Konstantinov von der Fondsgesellschaft dit. Das hat sich geändert, den Nutzen daraus haben vor allem ausländische Institute gezogen. „Die Banken sind überwiegend in ausländischer Hand“, weiß Konstantinov. Die österreichische Bank Austria Creditanstalt, die zur Hypovereinsbank gehört, unterhält nach eigenen Angaben das größte Filialnetz in Mittel- und Osteuropa.

Auch in anderen Branchen spielen Ausländer eine starke Rolle. Schlecht muss das nicht sein. Das Engagement der marktwirtschaftlich geschulten Westfirmen fördert die Entwicklung in den Ländern selbst. „Samsung lässt seine Monitore in Ungarn bauen“, berichtet Alexander Karpov von Union Investment, „und zwar nicht nur das Plastikgehäuse, sondern auch die elektronischen Bestandteile.“ Die größere Produktionstiefe wertet Karpov als Zeichen für die fortgeschrittene Entwicklung des Landes. Daraus könnte sich weiteres Wachstum entfalten. Auch Bosch, General Electric, Audi und Suzuki produzieren in Osteuropa.

Der Austausch findet nicht nur zwischen dem Westen und dem Osten statt, sondern auch im Osten selbst. Die ungarische Sparkasse OTP hat sich in Bulgarien eingekauft, Russland investiert in Rumänien, Griechen und Türken bieten für die bulgarische Telekom.

Was sich nach regem Handel und einem lebhaften Börsengeschehen anhört, ist auf dem internationalen Parkett doch gerade mal ein Fliegengewicht. Die osteuropäischen Börsen sind 85,3 Milliarden Dollar (74,2 Milliarden Euro) wert. Der deutsche Aktienindex Dax bringt viermal so viel auf die Waage.

Die Mehrheit der Fonds engagiert sich deshalb außerdem in Russland. Das ist groß, die Marktkapitalisierung beträgt 142 Milliarden Dollar (123 Milliarden Euro), und es wächst seit vier Jahren mit Raten von durchschnittlich 5 Prozent. Eine Spekulationsblase sieht Andreas Gummich momentan weder in Russland noch in den Beitrittsländern. Die Unternehmen seien derzeit noch günstig bewertet, sagt er.

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