Am 1. Mai 2004 treten zehn Länder aus Osteuropa und dem Mittelmeerraum der Europäischen Union bei. Anleger erwarten einen Wachstumsschub. Finanztest gibt Entscheidungshilfe für ein Investment in Aktien und Anleihen.

Zehn auf einen Schlag. Das hat es in der Geschichte der Europäischen Union (EU) noch nie gegeben.

Wenn am 1. Mai 2004 die Neuen kommen, wächst Europa um 740 000 Quadratkilometer. 75 Millionen Menschen wollen die gleichen Rechte und Pflichten übernehmen wie die 380 Millionen EU-Bürger aus dem westlichen Teil des Kontinents.

Acquis Com­­munautaire heißt das Regelwerk, dem sich die Polen, Ungarn und Tschechen genauso unterwerfen werden wie die baltischen Staaten, die Slowakei, Slowenien und die Inselstaaten Zypern und Malta.

Sind die Aktenberge erklommen, haben die zehn Kandidaten ein den bisherigen Mitgliedern vergleichbares Rechtssystem. Wie lange der wirtschaftliche Aufholprozess dauert, hängt davon ab, wie schnell und wie sehr sich die Mittel- und Osteuropäer an den west­lichen Lebensstandard anpassen. Auf dem Weg dorthin wird es Aufträge für die Bauindustrie geben. Die Menschen wollen neue Häuser und bessere Straßen haben. Sie verbrauchen mehr Energie. Und sie wünschen sich Vielfalt im Warenregal. Noch leben die Neuen bescheidener als die alten EU-Bürger.

„Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen in den Beitrittsländern beträgt ein Viertel bis die Hälfte des EU-Durchschnitts“, sagt Andreas Gummich, Produktmanager der Fondsgesellschaft DWS. Ein enormes Wachstumspotenzial, das sich in den nächsten Jahren entfalten kann. „Portugal hat sein Pro-Kopf-Einkommen zwischen 1979 und 1985 verdoppelt“, sagt Gummich.

Mit der Union wächst das Depot

Anleger, die auf die Beitrittsländer setzen, glauben zu wissen, was das heißt: In Osteuropa werden die Kurse steigen. Die Aktien profitieren vom Wirtschaftswachstum, Anleihen davon, dass sich die jetzt höheren Zinsen an die niedrigeren der EU angleichen werden. In den drei Jahren, bevor in Griechenland die Drachme vom Euro abgelöst wurde, stiegen die Aktienkurse an der Athener Börse um 583 Prozent.

Doch Osteuropas Börsen sind schwankungsanfällig, die Werte vergleichsweise unbekannt. Die Aktien gibt es nur in Landeswährung. Das ist riskant. Anleger sollten deshalb lieber auf Fonds setzen, statt sich auf eigene Faust in den Osten zu begeben.

Anleihen gibt es außer in Landeswährung auch in Euro, was weniger Risiken birgt. Viele der Papiere werden allerdings nicht an der Börse gehandelt. Auch für Anleihen gilt deshalb: Fonds sind die bessere Wahl.

Die Profis kennen sich aus. Die Fondsmanager der Osteuropafonds stammen oft aus der Region. Mehrmals im Jahr sind sie in den Beitrittsländern unterwegs und spüren den neuesten Entwicklungen nach. Diesen Informationsvorsprung holt kein privater Anleger auf.

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