Aktien Test

Mit Auswahlstrategien versuchen Anleger am Aktienmarkt erfolgreicher zu sein als die Masse. Wir haben drei Jahre lang Musterdepots geführt und festgestellt: Auf die Strategie allein sollten sie sich nicht verlassen.

An den großen Aktienmärkten ging es trotz aller Turbulenzen langfristig fast immer bergauf. Das gilt aber längst nicht für jedes einzelne Unternehmen. Die Gefahr, eine Verliereraktie zu erwischen, ist gerade für unerfahrene Anleger groß. Dennoch setzen viele lieber auf ihren eigenen Riecher als auf einen breit streuenden Aktienfonds.

Sehr beliebt sind auch Anlagestrategien, um systematisch die vermeintlich besten Aktien herauszupicken. Finanztest hat die wichtigsten am Beispiel des deutschen Aktienmarktes über mehrere Jahre geprüft. Pur hat sich keine bewährt, doch etwas verfeinert können sie hilfreich sein.

Hohe Dividenden

Aktien Test

Als Strategie einleuchtend und leicht verständlich ist die gezielte Auswahl von Aktien mit hoher Dividendenrendite. Der Anleger verlässt sich dabei nicht allein auf steigende Kurse, sondern kalkuliert auch mit der jährlichen Ausschüttung – als Alternative zu Zinseinnahmen und als Puffer für mögliche Kursverluste.

Unsere praktischen Erfahrungen mit dieser Strategie waren zwiespältig. In einem früheren einhalbjährigen Test ab Dezember 2003 funktionierte sie gut, im jetzigen Test nicht mehr. Allzu oft landeten die „falschen“ Aktien im Depot.

Die Dividendenrendite ergibt sich, wenn man die zuletzt gezahlte Dividende durch den aktuellen Kurs teilt. Zählt nur diese Zahl, landet mit schöner Regelmäßigkeit die Aktie der Deutschen Telekom in dem Dividendendepot. An ihrer Rendite ist nichts auszusetzen, an der Kursentwicklung dagegen schon.

Unsere schematische Vorgehensweise verpflichtete uns dazu, jeden Monat die drei Aktien mit der höchsten Dividendenrendite ins Depot zu nehmen. Sonstige Unternehmensdaten spielten bei der Auswahl keine Rolle.

Anleger, die mit der Dividendenstrategie liebäugeln, können schlauer vorgehen, indem sie nicht allein die Dividendenrendite heranziehen, sondern zusätzlich auf die Markt- und Wachstumschancen der Unternehmen achten.

Als interessante Dividendentitel haben sich in der Vergangenheit Versorger wie Eon und RWE erwiesen, da sie sehr verlässliche Einnahmen haben und ihre Rendite in den meisten Jahren über dem Durchschnitt lag. Unser Dividendendepot haben sie aber fast immer knapp verpasst, da es andere Firmen gab, die eine noch etwas höhere Rendite gewährten.

Ein Dividendendepot sollte aus möglichst soliden Aktien bestehen und nicht durch häufige Wechsel strapaziert werden. Selbst wenn sich nach einer Kursrallye die Rendite einer Aktie deutlich verringert hat, kann sie im Depot bleiben, wenn die Zukunftsperspektiven des Unternehmens intakt sind.

Unserem Dividendendepot gingen dagegen aufgrund der strengen Strategieregeln oft größere Gewinne durch die Lappen. Zum Beispiel mussten wir die Kali + Salz-Aktie (K + S) nach einem Kursanstieg im Jahr 2004 frühzeitig aus dem Depot nehmen. Anleger, die sich nicht sklavisch an diese Regel hielten, konnten mit der Aktie aber ein kleines Vermögen verdienen, da ihr Kurs in den Folgejahren um mehr als das Sechsfache stieg.

Die Alternative: Bequem und mit weniger Risiko lässt sich die Dividendenidee mit einer Investition in den Börsenindex DivDax umsetzen. Er vereint die Dax-Unternehmen mit der höchsten Dividendenrendite und bietet mit 15 verschiedenen Aktien eine recht breite Streuung. Mit dem Indexfonds von ishares (Isin: DE 000 263 527 3) haben Anleger unmittelbar an der Entwicklung des DivDax teil.

The trend is your friend

Aktien Test

Die Kurven zeigen die Wertentwicklung unserer drei wichtigsten Strategiedepots im Vergleich zum Dax. Der jüngste Monat ist noch nicht in der ­Berechnung enthalten. Nur die Trendfolgestrategie lief besser als der Index.

Die Kurven zeigen die Wertentwicklung unserer drei wichtigsten Strategiedepots im Vergleich zum Dax. Der jüngste Monat ist noch nicht in der ­Berechnung enthalten. Nur die Trendfolgestrategie lief besser als der Index.

In unserem Dauertest am erfolgreichsten war die Trendfolgestrategie: Für unser Depot haben wir jeden Monat die drei Dax-Aktien mit der besten Wertentwicklung im Vorjahr ausgewählt. Zeitweise war der Wertzuwachs der Trendfolgeaktien mehr als doppelt so hoch wie der Kursgewinn des Dax (siehe Grafik).

Doch Anleger sollten auf Rückschläge gefasst sein. Seit die Börsen unter anhaltend fallenden Kursen litten, verlor auch die Trendfolgestrategie ihren Schwung.

Eine Überlegung wert ist sie aber allemal. Eine kürzlich veröffentlichte Studie der London Business School umfasst sogar einen Untersuchungszeitraum von 108 Jahren. Die Autoren bescheinigen der Strategie großes Erfolgspotenzial. Anleger, die unter den großen britischen Werten regelmäßig die Aktien kauften, die im Vorjahr am stärksten gestiegen waren, hatten pro Jahr eine um rund 5,8 Prozent höhere Rendite erzielt als der Marktdurchschnitt.

Allerdings zeigt selbst diese Studie, dass die Strategie in seltenen Fällen scheitert. Leider weiß niemand vorher, ob gerade eine dieser Marktphasen angebrochen ist.

Die Alternative: Anleger können ihr Risiko mindern und statt nach Einzelaktien nach Investmentfonds suchen, die im vergangenen Jahr besonders gut gelaufen sind. Dabei hilft unser monatlicher Fondsvergleich (siehe Fonds im Dauertest), in dem wir neben der Fünfjahresbewertung auch Bewertungen für kürzere Zeiträume angeben.

Trendfolge-Anleger wählen am besten Fonds, die kurz- und langfristig sehr gut abgeschnitten haben.

Liegt ihre Bewertungszahl für das zurückliegende Jahr sehr weit über der Gesamtbewertungszahl, so ist der kurzfristige Trend des Fonds positiv. Das gilt zum Beispiel für den Spitzenreiter unter den Aktienfonds Welt, den von der DWS vertriebenen Astra-Fonds: Die Einjahresbewertung ist mit 97,1 Punkten noch viel höher als die ohnehin schon hervorragende Gesamtnote von 80,8 Punkten.

Zweifelhafte Schnäppchen

Für Schnäppchenjäger ist der Aktienmarkt kein gutes Pflaster. Wer die Suche nach billigen Aktien zur Strategie erhebt, sollte sich gut mit Geschäftsberichten, Firmenstrategien und Bilanzen auskennen. Die schematische Auswahl vermeintlicher Schnäppchen funktioniert nämlich nicht.

Wir haben für unser Umkehrdepot jeden Monat die drei Dax-Aktien herausgepickt, die auf Jahressicht am schlechtesten gelaufen waren und folglich besonders preiswert wirkten. Doch eine Absturzaktie wie Infineon wird nicht dadurch attraktiver, dass sie nur noch die Hälfte kostet. Gute Kurschancen haben nur Unternehmen, deren Geschäftsaussichten Anleger voll überzeugen.

Die Alternative: Schnäppchen gibts an den Aktienmärkten meist nur, wenn die Stimmung am Boden ist. Anleger, die nach einem Crash einsteigen, bekommen erstklassige gemanagte Aktienfonds wie die Spitzenreiter aus unserem Fondstest oder Indexfonds im Sonderangebot. Damit haben sie bessere Renditeaussichten als mit Absturzaktien, die selbst in Boomphasen vor sich hindümpeln.

Zukunft der Strategien

Mit dieser Ausgabe beenden wir den laufenden Strategietest. Die detaillierten Ergebnisse präsentieren wir in Aktienstrategien im Dauertest. Trotz aller Bedenken werden wir die drei vorgestellten Strategien weiterhin regelmäßig überprüfen. In Zukunft ziehen wir für die Aktienauswahl aber auch internationale Aktienindizes heran.

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