Aktien Meldung

Aktien versprechen langfristig steuerfreie Kursgewinne. Beim schnellen Spekulieren und bei Dividenden kennt das Finanzamt jedoch kein Pardon.

Ist alles gut gelaufen, streichen Aktionäre beim Verkauf von Aktien kräftige Kursgewinne ein. Liegt der Kauf mindestens ein Jahr zurück, sind sie steuerfrei. Andernfalls kassiert das Finanzamt mit.

Anfangs- und Endpunkt der Spekulationsfrist ist der Tag, an dem der Kauf beziehungsweise Verkauf der Papiere über die Bühne geht. Veronika F., die am 15. November 1998 Aktien gekauft und vor dem 16. November 1999 wieder verkauft hat, muss deshalb zum Beispiel ihre Kursgewinne in der Steuererklärung abrechnen. Weil sie vor Ablauf eines Jahres anfallen, heißen diese Gewinne populär Spekulationsgewinne.

Allerdings ist nicht jeder kleine Spekulationsgewinn steuerpflichtig. Bleibt er unter 1.000 Mark im Jahr, ist er für das Finanzamt kein Thema. Aber Vorsicht: Die Beamten rechnen alle während des Jahres erzielten Spekulationsgewinne zusammen ­ also zum Beispiel auch die aus Immobilienverkäufen. Wird die Grenze von 999,99 Mark nur um einen einzigen Pfennig überschritten, ist der gesamte Gewinn steuerpflichtig.

Auch wenn Veronika F. Aktien vererbt oder geschenkt bekommt, hat sie keinen Freibrief. Hier beginnt die Spekulationsfrist jedoch bereits an dem Tag, an dem der bisherige Eigentümer die Papiere gekauft hat. Am Tag der Erbschaft oder Schenkung ist sie deshalb meist bereits verstrichen.

So rechnet das Finanzamt

Aktien Meldung

Ist die Spekulationsfrist noch nicht abgelaufen und das steuerfreie Limit von 999,99 Mark überschritten, ergeben sich Spekulationsgewinne in der Steuererklärung wie folgt:

Verkaufspreis

./. Ausgaben wie Verkaufspesen der Bank, Depotgebühren, Safemiete

./. Kaufpreis

./. Ausgaben wie Kaufspesen der Bank

= Spekulationsgewinn

Unterm Strich können natürlich auch Verluste herauskommen. Die kann Veronika F. vom Finanzamt mit Spekulationsgewinnen verrechnen lassen. Bis vor kurzem ließ sich der Fiskus allerdings nur bei im selben Jahr erzielten Gewinnen und Verlusten darauf ein. Blieb unterm Strich ein Minus, fiel der Rest im Steuerbescheid unter den Tisch. Das ist jetzt anders. Die Beamten verrechnen nicht ausgeglichene Verluste neuerdings auch mit Spekulationsgewinnen aus dem vergangenen Jahr oder aus künftigen Jahren.

Spekulationsgewinne in der Steuererklärung

Spekulationsgewinne oder -verluste aus deutschen und ausländischen Aktien müssen Aktionäre wie Veronika F. auf der Rückseite der Anlage KSO zur Steuererklärung als privates Veräußerungsgeschäft abrechnen. Den Verkaufspreis der Papiere tragen sie in Zeile 49 und den Kaufpreis abzüglich Spesen und Werbungskosten in Zeile 50 ein. Die Differenz ist dann der Spekulationsgewinn oder Spekulationsverlust, der in Zeile 51 gehört.

Bei ausländischen Aktien muss Veronika F. außerdem "Spekulationsgewinn aus Aktienverkäufen" oder "Spekulationsverlust aus Aktienverkäufen" als Einkunftsquelle auf der Anlage AUS in Zeile 14 eintragen, in Zeile 16 die konkrete Höhe angeben und in Zeile 3 den jeweiligen Staat nennen, aus dem die Aktien stammen.

Ohne besondere Anweisung verrechnet das Finanzamt Verluste aus in- und ausländischen Aktienverkäufen automatisch mit Spekulationsgewinnen aus dem vergangenen Jahr oder, falls das nicht möglich ist, mit Spekulationsgewinnen aus künftigen Jahren.

Veronika F. kann jedoch auch bestimmen, dass sie gar nicht oder nur zum Teil mit Gewinnen des vergangenen Jahres ausgeglichen werden und den Rücktrag auf der Anlage VA (Verlustabzug) zur Einkommensteuererklärung in Zeile 9 begrenzen. Diese Anlage gibt es bei der Jahresabrechnung 1999 zum ersten Mal.

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