Aktien Deutsch­land Special

Deutsch­land steht wirt­schaftlich wieder blendend da. Wir sagen, wie Fonds­anleger jetzt noch davon profitieren können.

Den Welt­meister­titel im Fußball haben die Deutschen im vergangenen Jahr verpasst. Doch der glanzvolle Auftritt der deutschen Kicker bleibt unver­gessen. Im Wett­streit der Volks­wirt­schaften ist Deutsch­land ohnehin der heimliche Sieger. Kein anderes etabliertes Industrie­land hat die Krise so gut über­wunden. Das zeigt auch die Entwick­lung deutscher Aktien, die nahezu alle Fachleute positiv über­rascht hat.

Finanztest sagt, wie sich Anleger einfach und günstig am deutschen Aktien­index Dax und seinen Varianten beteiligen können. Außerdem zeigen wir, welche Aktien noch Nach­holbedarf haben.

Mit Voll­gas aus der Krise

In weniger als zwei Jahren hat der Dax seinen Wert nahezu verdoppelt. In der Finanz­krise war er im Februar 2009 zeit­weise unter 3 600 Punkte gestürzt, zum Jahres­ende 2010 waren es fast 7 000. Bei manchen Anlegern weckt das Erinnerungen an die Börsenblase im Jahr 2000, doch der Vergleich hinkt. Von wenigen Ausnahmen abge­sehen, ist die Kurs­rallye durch wirt­schaftliche Stärke und rekord­verdächtige Gewinn­zuwächse unterfüttert. Die Kurse an den Aktienmärkten spiegeln nur wider, was die deutsche Wirt­schaft im vergangenen Jahr auszeichnete.

Beispiel Auto­branche: Mit der Finanz­krise fuhr die deutsche Auto­mobil­industrie in eine Depression. Die 2009 eilig einge­führte Abwrack­prämie brachte schnell einen Nach­frageschub, schien das Problem aber nur ins nächste Jahr zu verlagern. Wie man heute weiß, war das nicht so. Die Nach­frage wuchs weiter. Angetrieben durch starke Exporte lief es für die Auto­bauer so gut wie selten zuvor.

Aktien von BMW, Daimler und Volks­wagen gehören zu den größten Gewinnern im Dax. BMW und VW-Vorzugs­aktien waren Ende Dezember sogar teurer als je zuvor in ihrer Börsen­geschichte.

Jetzt noch einsteigen

Für Anleger stellt sich nach der fabelhaften Kurs­entwick­lung natürlich die Frage, ob es zum Einsteigen nicht schon zu spät ist. Selbst Opti­misten gehen ja nicht davon aus, dass sich die Börsenrallye im gleichen Tempo fortsetzen wird. Anderer­seits ist das Zins­niveau bei sicheren Investments so dürftig, dass immer mehr Anleger auf die Aktienmärkte schielen. Schon das könnte die Kurse weiter treiben. Wer finanziell abge­sichert ist, sollte nicht völlig auf die Gewinn­chancen deutscher Aktien verzichten.

Einzel­aktien eignen sich allerdings nur für gut informierte Anleger, die sich regel­mäßig mit dem Thema beschäftigen. Alle anderen sind mit Aktienfonds besser bedient. Sowohl Aktien als auch Fonds sollte aber nur kaufen, wer von einer Firma, Branche oder einem Markt rundum über­zeugt ist.

Stark gestiegene Aktien­kurse sind nur dann ein Alarm­zeichen, wenn die Firmengewinne nicht mitwachsen. Danach sieht es nicht aus, wenn zum Beispiel Siemens – der größte deutsche Konzern an der Börse – für 2010 einen Gewinn­rekord in Aussicht stellt.

Am besten auf den Index setzen

Aktien Deutsch­land Special

Aktienfonds, die sich auf Deutsch­land beschränken, sind eine gute Ergän­zung fürs Depot, taugen aber nicht als Erst­anlage. Anleger, die noch keine Aktien­investments haben, sollten zunächst breit gestreute Fonds auf den globalen oder den europäischen Markt kaufen. Um die passenden Fonds für sich zu finden, können sie unseren Produktfinder Investmentfonds und unsere Fonds­empfehlungen im Finanztest-Heft 2/11 nutzen.

Am einfachsten in den deutschen Aktienmarkt kommen Anleger mit Indexfonds. Sie bilden die Entwick­lung von Börsenindizes möglichst genau ab und sind bei Kauf­kosten wie laufenden Gebühren sehr günstig. Allenfalls ein kleiner Teil der Index­entwick­lung geht Anlegern durch die nicht völlig zu vermeidenden Kosten verloren.

Wer einen Indexfonds auf den Dax kauft, kann die Wert­entwick­lung seiner Anlage außerdem regel­mäßig etwa im täglichen ARD-Börsenbe­richt vor der 20-Uhr-Tages­schau verfolgen. Der deutsche Leit­index enthält die 30 wichtigsten einheimischen Börsengesell­schaften.

Weniger bekannt, dafür aber breiter aufgestellt ist der von der US-Bank Morgan Stanley errechnete Index MSCI Germany mit insgesamt 50 Werten. Welche Fonds auf diese Indizes angeboten werden, zeigen unsere monatlich aktualisierten Tabellen im Produktfinder Investmentfonds unter „Aktienfonds Deutsch­land“.

An hohen Ausschüttungen verdienen

Nicht alle deutschen Aktien haben bisher vom Aufschwung profitiert. Einige, wie der Strom­konzern RWE und der Arznei­mittel­hersteller Merck, sind seit Februar 2009 sogar billiger geworden. Versorger­aktien, aber auch viele Firmen aus den Bereichen Pharma, Gesundheit oder Tele­kommunikation waren in der Börseneuphorie kaum gefragt.

Viele dieser Aktien haben eine sehr attraktive Dividendenrendite. Sie ergibt sich, indem man die jüngste Ausschüttung durch den aktuellen Börsenkurs teilt. Die Aktie der Deutschen Telekom hat eine Rendite von rund 8 Prozent, die Versorger Eon und RWE liegen nicht weit darunter (siehe Entwicklung Strategiedepots).

Zum Vergleich: Bundes­anleihen mit zehn Jahren Lauf­zeit bringen zurzeit nur rund 3 Prozent Rendite. So weit klafften Ausschüttungen von Firmen und sichere Zins­erträge selten auseinander. Natürlich lassen sich Staats­anleihen nicht durch Aktien ersetzen, aber eine Bereicherung von Fonds­depots sind die Dividenden­werte allemal.

Es gibt zwei deutsche Dividendenindizes, die Anleger als Fonds kaufen können. Der DivDax enthält die 15 dividenden­stärksten Aktien aus dem Dax 30. Mit dem ishares DivDax (DE), Isin DE 000 263 527 3, können Anleger an seiner Entwick­lung teilhaben.

Mit dem ETFlab DaxPlus Maximum Plus(Isin DE 000 ETF L23 5) setzen sie dagegen auf die Ausschüttungen der 20 besten Dividendenzahler aus Dax 30, MDax und TecDax. Der Index wird halb­jähr­lich neu zusammengesetzt und pickt dabei die Aktien heraus, die in den Folgemonaten die höchsten Ausschüttungen versprechen.

Welches Konzept lang­fristig erfolg­reicher ist, muss sich noch zeigen. Den DivDax gibt es erst seit 2005, den DaxPlus Maximum Dividend seit 2009.

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