Aktien Special

Facebook auf Geräten von Apple.

An der Börse ist der Newcomer Facebook kein Maßstab. Viele US-Technologie­konzerne sind längst an der Börse etabliert, einige sogar als solide Bluechips. Finanztest erklärt, welche Aktien-Alternativen für besonnene Anleger infrage kommen.

Erinnerungen an die Zeit des Neuen Marktes

Das aktuelle Börsendrama um Facebook erinnerte ein wenig an die Zeiten des Neuen Marktes in Deutsch­land. Damals gingen Internetfirmen in Serie an die Börse, ihre Aktien­kurse schossen wie Kometen nach oben – und die meisten Firmen verschwanden später in der Versenkung. Zumindest dieses Schick­sal droht Facebook mit seinen 900 Millionen Nutzern nicht. Allerdings ist die Aktie trotz der herben Kurs­verluste immer noch teuer. Finanztest sagt, welche Alternativen für besonnene Anleger infrage kommen.

Auf den Börsen­wert achten

Wahr­scheinlich haben sich viele Facebook-Fans von dem Hype blenden lassen, den die Medien schon Monate vorher um den Börsengang entfacht hatten. Die Zahlen sind ja beein­druckend. Obwohl das soziale Netz­werk seine Dienste kostenlos anbietet, verdiente es allein mit Werbung im Jahr 2011 genau 1 Milliarde US-Dollar. Dem steht aber auch ein sehr hoher Börsen­wert gegen­über. Trotz der Kurs­verluste müsste ein Investor für Facebook mehr als 70 Milliarden US-Dollar hinblättern. Damit ist das vor acht Jahren gegründete Unternehmen, das gut 3 500 Mitarbeiter beschäftigt, teurer als BASF, der größte Chemiekonzern der Welt. Der hat aber 110 000 Mitarbeiter und schüttete kürzlich nur fürs vergangene Jahr 2,3 Milliarden Euro als Dividende aus. Wer in Aktien investieren will, sollte solche Relationen im Auge behalten. Wichtig ist zum Beispiel die Beziehung zwischen Börsen­wert und Firmengewinn, das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV).

Das KGV ermitteln

Anleger können das KGV ermitteln, indem sie den aktuellen Börsenkurs durch den auf die Einzel­aktie bezogenen Firmengewinn teilen. Die notwendigen Daten finden sie zum Beispiel auf den Internet­seiten von Direkt­banken wie comdirect, oft auch auf den Websites der betreffenden Firmen unter „Investor Relations“. Je nied­riger das KGV einer Aktie, desto attraktiver ist sie. Facebook kommt selbst bei wohl­wollenden Schät­zungen im Jahr 2012 kaum unter ein KGV von 50 bis 60, BASF auf ungefähr 10. Auch inner­halb der Internetbranche sind andere Unternehmen viel güns­tiger bewertet als Facebook. Der Such­maschinen-Konzern Google und die Versteigerungs­platt­form Ebay liegen beim Kurs-Gewinn-Verhältnis zwischen 15 und 20 und nähern sich dem Niveau klassischer Branchen an. Da noch nicht fest­steht, wie viel die Firmen im laufenden Jahr verdienen werden, beruhen alle KGV-Zahlen auf Schät­zungen.

Wachs­tum nicht für jeden Preis

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DAX und Nasdaq im Vergleich.

Das beliebteste Argument, um hohe Bewertungen bei Aktien zu recht­fertigen, heißt Wachs­tum. Anleger nehmen einen Aufpreis in Kauf, wenn ein Unternehmen dafür im Rekord­tempo expandiert. Das gilt jedoch nur, wenn die jähr­lichen Wachs­tums­raten bei Umsatz und vor allem Gewinn ein vernünftiges Verhältnis zum aktuellen Börsen­wert haben. Auch da stehen bei Facebook dicke Fragezeichen. Wo soll der Turbo für die Gewinne herkommen? Das Unternehmen ist auf Werbeein­nahmen angewiesen, doch immer mehr Facebook-Nutzer gehen mit dem Handy auf die Platt­form. Auf Mobiltelefonen lässt sich Werbung aber schwer platzieren und ist bei Nutzern außerdem verpönt. Facebook muss sich also aller­hand einfallen lassen, wenn seine Gewinne Jahr für Jahr um hohe zwei­stel­lige Raten zulegen sollen. Nur in diesem Fall ist ein Wachs­tums­bonus bei Investoren drin.

Der US-amerikanische Nasdaq 100 ist der welt­weit wichtigste Technologie­index. Er enthält Konzerne wie Apple und Microsoft, Google und Amazon, Cisco und Intel, aber auch Biotech-firmen wie Amgen oder Gilead. Mit diesen Indexfonds (ETF) beteiligen sich Anleger 1 zu 1 an seiner Entwick­lung.

Mit Original­aktien aus dem Index

iShares NASDAQ 100 (DE)

DE 000 A0F 5UF 5

PowerS­hares EQQQ

IE 003 207 701 2

CS ETF (IE) on NASDAQ-100

IE 00B 53S ZB1 9

Synthetisch (mit Swaps)

Lyxor ETF Nasdaq-100

FR 000 706 317 7

ComS­tage Nasdaq-100

LU 037 844 977 0

Amundi ETF NASDAQ-100-A

FR 001 089 221 6

      Apple bricht alle Rekorde

      Nüchtern denkende Anleger lassen sich auf solche Spekulationen nicht ein, sondern suchen nach Alternativen unter etablierten Unternehmen. Auch die können über­ragende Renditen bieten. Bestes Beispiel ist Apple. Die Aktie brachte deutschen Anlegern in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt fast 40 Prozent pro Jahr und stieg zum teuersten Börsen­konzern der Welt auf. Anders als bei Facebook riecht das nicht nach Über­treibung. Der Gewinn von Apple wuchs noch schneller als der Börsen­wert. Aktuell erfüllt die Aktie sogar die strengen Kriterien sogenannter Value-Investoren. Value ist eng­lisch für Wert. Diese Investoren wählen nur Unternehmen aus, deren innerer Wert sich im Börsenkurs noch nicht voll­ständig widerspiegelt. Auf den ersten Blick fällt es schwer, dieser Annahme bei einem gigantischen Börsen­wert von 540 Milliarden US-Dollar (437 Milliarden Euro) zu folgen. Doch Apple verdient Geld wie Heu. Allein in den ersten drei Monaten 2012 flossen 11,6 Milliarden US-Dollar als Nettogewinn in die Firmenkasse. Aufs Jahr hoch­gerechnet, könnte sich ein güns­tiges Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 12 ergeben.

      Vorbehalte gegen die Apple-Aktie

      Allerdings gibt es einen Vorbehalt. Nur wenn die Geschäfte von Apple auch künftig so gut laufen wie in den vergangenen Jahren, ist die Aktie ein interes­santes Investment. Sollte die Nach­frage nach den i-Produkten drastisch zurück­gehen, wäre eine neue Rechnung notwendig. Wie tief eine ehemalige Trendmarke fallen kann, zeigt das Beispiel Nokia, dessen Aktionäre auf bittere Jahre zurück­blicken. Doch noch steht Apple blendend da und ist in unzäh­ligen Investmentfonds enthalten. In globalen Indexfonds landet der Konzern auto­matisch. Sein Anteil im Index MSCI World betrug Anfang Juni 2,4 Prozent, im Global Titans 50 sogar 8,5 Prozent.

      Tipp: Auch viele aktiv gemanagte Aktienfonds Welt enthalten Unternehmen wie Apple oder Google, weil die Fonds­manager sie nach wie vor für aussichts­reich halten. Fonds, die Finanztest empfiehlt, finden Sie im Produktfinder Investmentfonds.

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