Akku Test

Dauer­läufer. Ein Akku kann in seiner Lebens­zeit mehr als einhundert­fünf­zig Einwegbatterien ersetzen.

Dauer­läufer. Ein Akku kann in seiner Lebens­zeit mehr als einhundert­fünf­zig Einwegbatterien ersetzen.

Geringe Selbst­entladung ist das Markenzeichen einer neuen Akku-Generation. Die Zellen behalten auch ungenutzt ihre Energie und eignen sich so für fast jedes Gerät. Im Test beweisen sie ihre Stärken.

Er stromt und stromt und stromt. Einem guten Akku geht auch nach häufigem Laden nicht der Saft aus. In der Kamera eines Fotofans hält er jahre­lang und spart dabei locker 150 Batterien ein.

Lange hatten Akkus keinen guten Ruf. Sie alterten, wenn sie einige Zeit untätig herum­lagen und gingen kaputt, wenn sie im Ladegerät mit Strom über­füttert wurden. Eine neue Generation von Zellen soll diese Probleme lösen. Anders als herkömm­liche Akkus sind die neuen vorgeladen und nach dem Auspacken sofort start­klar. Anbieter bewerben sie mit Begriffen wie „ready to use“, „direct energy“ oder „precharged“. Die größte Stärke der kleinen Kraft­speicher ist jedoch eine andere Eigenschaft: die geringe Selbst­entladung – „low self disch­arge“, die seltener auf der Packung beworben wird. Die neuartigen Zellen behalten ihre Energie, selbst wenn sie länger im Gerät lagern. Das macht sie fast universell einsetz­bar, zum Beispiel in Taschen­lampen, die auch bei nur gelegentlicher Nutzung lange zuver­lässig leuchten sollen. Dafür taugen herkömm­liche Nickel­metall­hydrid-Akkumulatoren, kurz: NiMH-Akkus, kaum. Es lohnt also für Verbraucher, sich auf die Suche nach Akkus mit der neuen Technik zu begeben. Ein genauer Blick ist aber erforderlich, denn ein einheitlicher Name hat sich bislang nicht durch­gesetzt.

Günstig und teuer gleich­auf

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Rund um die Uhr. Die Akkus werden im Labor voll­automatisch entladen und betankt. 200 Mal schnell, 100 Mal normal.

Im Labor mussten 18 Akkus der neuen Generation zeigen, was in ihnen steckt. Die Tester prüften, wie zuver­lässig die AA- oder Mignon­zellen und die kleineren AAA- oder Mikro­zellen ihre Haupt­aufgabe erfüllen: über viele Lade­zyklen hinweg Energie zu speichern. Beim Nichts­tun dürfen sie nicht ihre Power verlieren, beim Schnell­laden mit hoher Strom­stärke nicht zu viel Kapazität einbüßen. Von den 18 Akkus im Test schneiden 8 gut ab, 5 sogar sehr gut.

Den Sieg bei den Mignon­zellen teilen sich GP Recyko+ sowie Heitech Hei Energy, einer der güns­tigsten Akkus im Test. Auch in der Mikro-Größe mischt Heitech vorn mit. Der Vierer­pack ist für 7 Euro erhältlich. Fast doppelt so viel kostet Vartas Rechar­geable Accu. Er siegt mit knappem Vorsprung. Einige Akkus erweisen sich als wenig robust. Sie verlieren beim Schnell­laden oder durch Selbst­entladung deutlich an Kapazität.

Lagern ohne Energieverlust

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Taschen­lampe. Die neuen Akkus eignen sich auch für Geräte, die nicht ständig im Einsatz sind.

90 Tage in der Wärmekammer – mit dieser Prüfung haben die Tester heraus­gefunden, ob sich die neue Technik tatsäch­lich deutlich lang­samer entlädt als die herkömm­liche. Die Zeit in der Wärmekammer entspricht im Zeitraffer etwa einem Jahr in der Schublade. Herkömm­liche Zellen verlieren kontinuierlich Energie, vor allem wenn es warm ist. Schon nach wenigen Wochen können sie so gut wie leer sein – unpraktisch für Geräte, die wenig benutzt werden oder kaum Strom brauchen.

Bei den Aufladbaren neuer Art trennt eine dickere Barriere die positive und die negative Elektrode voneinander. Das soll den chemischen Zerfall aufhalten, durch den sich eine Zelle selbst entlädt.

Bei vielen funk­tioniert das prima. Die AA-Testsieger-Zellen von GP und Heitech besitzen nach 90 Tagen in der Wärme noch 75 Prozent ihrer Energie. In der gleichen Zeit schwanden die Kräfte bei den AA-Modellen von Varta, Ansmann und Edeka bis auf etwa 20 Prozent.

Noch schlechter sieht es bei Akkus der älteren Generation aus. Von zwei mitgetesteten sackte einer auf 10 Prozent Rest­energie ab, der andere war voll­ends ausgepowert.

Tipp: Wärme ist bei Stan­dard­akkus tabu. Lagern Sie sie möglichst kühl.

Lang­sames Laden schont die Akkus

Auch das zweitwichtigste Versprechen halten die neuen Akkus: Sie sind alle „ready to use“ – also vorgeladen und sofort start­klar. Nach dem Kauf und nach dreimaligem Auftanken haben die Tester mindestens die auf der Packung deklarierte Kapazität gemessen. Entscheidender ist jedoch, ob die Zellen auch nach längerem Gebrauch und vielen Lade­zyklen noch ihre ursprüng­liche Energiemenge erreichen.

Schnell­laden spart Zeit. In etwa zwei Stunden werden die Zellen im Labor mit hohem Lade­strom voll­gepumpt. Bei der Belastungs­probe starben im letzten Test Akkus: Nicht alle leben lange, test 1/2005, mehr als ein Drittel der Akkus – diesmal kein einziger. Fast die Hälfte hatte nach 200-maligem Schnell­laden noch mehr als 85 Prozent ihrer Kapazität, fünf waren sogar so fit wie am Anfang.

Einzelne bauten stärker ab: Beide Akkus von Sanyo, die Mignonzelle von Energizer sowie die Mikrozelle von Panasonic verloren mehr als 80 Prozent ihres Speicher­vermögens. Käufer sollten sie lieber nicht oft schnell laden. Generell stellten die Tester fest: Nach etwa 150 Schnell­ladezyklen büßen viele Akkus deutlich an Kapazität ein.

Empfindliche Kraft­protze

Je höher die Kapazität eines Akkus, desto länger versorgt er ein Gerät mit Strom und desto seltener muss er geladen werden. Dieser Vorteil ist mit einem Nachteil verbunden: Energieprotze sind oft anfäl­lig, etwa beim Schnell­laden. Die Erfahrung der Tester zeigt, dass vor allem herkömm­liche Mignon­zellen mit einer Lademenge von 3 000 Milli­ampere­stunden weniger robust sind als solche mit 2 000 wie jetzt im Test.

Tipp: Akkus sind zum Aufladen da. Das heißt, wichtiger als eine hohe Kapazität ist die Lebens­dauer. Sie ist an sehr guten und guten Noten im Prüf­punkt „Kapazitäts­verlust“ zu erkennen. Greifen Sie lieber zu einem robusten Akku mitt­lerer Kapazität als zu einer energiestrotzenden Mimose.

Lang­sam, aber sicher

Einige Ladegeräte stellen den Nutzer vor die Wahl, ob sie schnell oder „normal“ laden möchten. Drängt die Zeit nicht, sollten auch Akkus neuen Typs lieber mit Geduld und nied­rigem Lade­strom getankt werden. Das schont sie. Mit den vier exemplarischen Chargern dauert das jeweils etwa vier Stunden Ladegeräte.

Bis auf die Mikrozelle von Edeka besitzen alle Akkus im Test nach hundert Lade­zyklen noch knapp die volle Power.

Akkus – auch der Umwelt zuliebe

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Die Ökobilanz.

Mit einem güns­tigen Vierer­pack Akkus, zum Beispiel mit den Mikro­zellen von GP, kann der Nutzer inner­halb von fünf Jahren um die 550 Einwegbatterien einsparen; mit dem schlechtesten immerhin noch gut 400 Tabelle: 18 Nickelmetallhydrid-Akkus 07/2014, Berechnungs­grund­lagen. Das verhilft locker zu einhundert Euro mehr in der Tasche, schont Ressourcen bei der Herstellung und verringert Müll samt problematischen Stoffen.

Für 150 Alkalibatterien muss rund sieben Mal mehr Energie aufgewendet werden als für eine NiMH-Zelle, die 150 Mal geladen wird (siehe Grafik). Wissenschaftler des Heidel­berger Instituts für Energie- und Umwelt­forschung haben die Ökobilanz von Akkus im Vergleich zu Einwegbatterien untersucht. Die Experten ermittelten unter anderem den Gesamt­energiebedarf, der zur Herstellung, dem Laden sowie der Entsorgung einer Zelle gebraucht wird. Die neuen Speicher mit geringer Selbst­entladung schneiden noch etwas besser ab als herkömm­liche NiMH-Zellen. „Akkus sind ja meist nicht im Dauer­einsatz, deshalb kommt es bei ihnen vor allem auf den Kapazitäts­verlust bei der Lagerung an – und da sticht die neue Technik alle anderen aus“, sagt Christoph Lauwigi, Wissenschaftler am Institut für Energie- und Umwelt­forschung. Je länger der Akku lebt, desto stärker entlastet er die Umwelt.

Die neuen Energielieferanten verbinden das lange Leben von Akkus mit der geringen Selbst­entladung von Batterien. So eignen sie sich für fast alle Geräte. Zeit für den Umstieg, findet Lauwigi: „Einwegbatterien müssten heut­zutage eigentlich gar nicht mehr im Handel sein.“

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