Akku-Schrauber von Tchibo Schnelltest

Einen Akku-Bohrschrauber braucht eigentlich kein Mensch. Für Löcher gibts richtige Bohrmaschinen und für Schrauben -zieher. Doch bei Aufbau einer Schrankwand mit Dutzenden von Schrauben und ähnlichen Herausforderungen werden selbst hart gesottene Hand-Werker schwach. Wenn Tchibo das passende Gerät für nicht mal 25 Euro anbietet, ist die Versuchung groß. Voraussetzung: Es funktioniert ordentlich. Der Schnelltest klärt, ob der Tchibo-Schrauber wirklich eine Hilfe ist.

Daten ohne Aussagekraft

Ein 18 Volt-Gerät mit 1,2 Amperestunden-Akku für 25 Euro klingt nach Schnäppchen. Über die Leistung und das Durchhaltevermögen eines Akku-Bohrschraubers sagen Volt und Amperestunden jedoch noch gar nichts. Entscheidend sind Qualität und Zusammenspiel aller Bauteile. Manches Gerät verheizt einen guten Teil des Stroms regelrecht, statt ihn in Bewegung umzusetzen, und Reibung im Getriebe verbraucht weitere Energie, die dann fürs Schrauben fehlt.

Gift im Akku

Ärgerlich: Der Tchibo-Schrauber kommt mit veraltetem Nickel-Kadmium-Akku daher. Solche Akkus sind nicht nur ziemlich schwer und leistungsschwach, sondern enthalten vor allem eine große Menge höchst giftiges Schwermetall. Dass viele andere Billiggeräte ebenfalls mit Nickel-Kadmium-Akkus daherkommen, macht die Sache kein bisschen besser. Unbedingt zu beachten: Der Akku gehört in besondere Sammelstellen. Wer ihn in den Hausmüll steckt, macht sich strafbar. So stehts auch in der Gebrauchsanweisung zum Tchibo-Gerät. Konkrete Adressen für die Rückgabe fehlen jedoch.

Gift im Griff

Im Gummi hinten am Griff des Tchibo-Bohrschraubers fand das test-Labor außerdem Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Sie gelten als krebserzeugend und können die Fortpflanzungsfähigkeit schädigen. Die Konzentration lag bei 20 Milligramm je Kilogramm. Das ist unnötig viel. Bei 14 von 18 Akku-Schraubern im aktuellen Vergleichstest fanden sich gar keine nennenswerten Spuren der gefährlichen Chemikalien.

Bedarf nach Pause

Beim Tchibo-Bohrschrauber reicht der Akku für gerade mal 35 Bohrlöcher (6 mm in 40 mm Buche) oder 24 Schrauben (5 x 50 mm in Kiefer). Nach 15 Minuten Aufladen reicht die Energie für 12 Bohrlöcher und 6 Schrauben. Das reicht nur für kleinere Arbeitseinsätze. Wenn es härter zur Sache gehen soll, braucht der Schrauber öfter mal eine Pause. Einen zweiten Akku liefert Tchibo nicht mit, und bis das Ladegerät den Energievorrat wieder vollständig aufgefüllt hat, vergeht eine Stunde. Keine gute Idee ist es, das Gerät nach jeder Schraube wieder ans Ladegerät zu hängen. Das ist Stress für den Akku. Die Lebenserwartung sinkt deutlich. Am längsten lassen sich Nickel-Kadmium-Akkus nutzen, wenn sie immer voll aufgeladen und dann komplett entleert werden.

Schwache Leistung

Enttäuschend ist die Leistung des Tchibo-Schraubers. Er scheitert schon beim Versuch, 6 Millimeter dicke und 8 Zentimeter lange Schrauben in vergleichsweise weiches Kiefernholz zu drehen. Die Kraft reicht einfach nicht. Erst recht scheitert das Sonderangebot vom Kaffeeröster an Schrauben in Stahl. Höchstens vier Millimeter dreht er die selbstschneidende 6 Millimeter Schraube ins mit 5,2 Millimeter vorgebohrte Stahlstück. Das können andere Akku-Bohrschrauber viel besser. Viele der Geräte im aktuellen Vergleichstest haben selbst für dicke Schrauben genug Kraft. Allerdings kosten sie weit mehr als 25 Euro. Geräte mit dem Urteil „gut“ fürs Bohren und Schrauben sind erst für rund 100 Euro zu haben.

Bruch der Motorhalterung

Immerhin hielten alle drei Tchibo-Bohrschrauber mindestens drei Viertel des harten Dauertestprogramms im Schnelltest durch. Das dürfte bei Otto Normal-Heimwerker für viele Jahre reichen. Ein Gerät schaffte sogar alle 5 526 Bohrlöcher und 5 526 Schrauben, die das test-Programm als Soll vorsieht. Allerdings legte es dabei zahlreiche unplanmäßige Pausen ein, weil es häufig überhitzte und abschaltete. Die beiden anderen Geräte waren nach jeweils rund 4 400 Schrauben und Bohrlöchern am Ende. Bei beiden brach die Motorhalterung.

test-Kommentar: Kaum zu gebrauchen
Technische Daten und Ausstattung: Im Überblick
Im Vergleich: 15 Akku-Bohrschrauber und 3 Akku-Schrauber

Dieser Artikel ist hilfreich. 131 Nutzer finden das hilfreich.