Ärzte­versorgung im Vergleich: Das sollten Ärzte über ihre Rente wissen

Je nach Wohn­ort gehören Ärzte einem von 18 regionalen Versorgungs­werken an. Wer oft umzieht, kann schnell den Über­blick verlieren.

18 Versorgungs­werke sind für die Renten der Ärzte zuständig. Je nach Werk liegt der reguläre Renten­start bei 65 bis 67 Jahren. Einen gleitenden Über­gang in den Ruhe­stand erlauben nur wenige.

Sie gelten als Luxusklasse der Rente: die berufs­stän­dischen Versorgungs­werke. Zuständig sind sie für die Alters­versorgung von Freiberuf­lern und Arbeitnehmern mit klassischen Kammerberufen. Dazu zählen Ärzte, Apotheker, Rechts­anwälte und Architekten. Über ihre Kammer sind sie Pflicht­mitglied im zugehörigen Versorgungs­werk. Am meisten Mitglieder haben die Versorgungs­werke der Ärzte – knapp 400 000.

Renten­optionen für Ärzte

Wir haben untersucht, wie die Ärzte­versorgungs­werke den Über­gang in den Ruhe­stand für ihre Mitglieder gestalten und konnten teils große Unterschiede fest­stellen. So können etwa Ärzte des Landes­versorgungs­werks Hessen schon mit 65 Jahren die reguläre Alters­rente beziehen. In der Bezirks­ärztekammer Trier gilt: Rente mit 67 für alle ab 1958 Geborenen (Tabelle: 18 Versorgungswerke im Vergleich). Auch bieten 11 der 18 Werke keine Teilrenten an, die es besonders angestellten Ärzten erleichtert, die Arbeits­zeit zum Ende des Berufs­lebens herunter­zufahren.

Wenig Lust auf Trans­parenz

Job- und Orts­wechsel sind auch für Ärzte heute üblich. Kommt es dazu, ist es interes­sant, die erwart­bare Rente im Vergleich zu der anderer Versorgungs­werke und zur gesetzlichen Rente einordnen zu können. Wir wollten von den Versorgungs­werken wissen, welche Renten­leistung den Beiträgen des Jahres 2017 gegen­über­steht. Die Resonanz war verhalten. Kein Werk lieferte uns dazu Informationen.

Einen Einblick konnten wir aber anhand einzelner Schreiben der Werke an ihre Mitglieder gewinnen. So vergleicht etwa die Berliner Ärzte­versorgung im Info-Brief Nr. 24 vom November 2017 ihre Rente mit der aus der gesetzlicher Renten­versicherung. Ein fiktives Beispiel zeigt: Bei gleicher Beitrags­zahlung zwischen 1982 und Mitte 2017 läge die Bruttorente der Ärzte­versorgung bei 2 459 Euro im Monat und die der Renten­versicherung bei 1 533 Euro (Berechnungs­details siehe vw-baev.de unter dem Reiter „Wegweiser“).

Außen vor lassen die Berliner, dass die gesetzliche Renten­versicherung ihrem Rentner einen Zuschuss zur Kranken­versicherung in Höhe von 7,3 Prozent zahlt. Den bekäme der Arzt für seine Bezüge nicht. Den Zuschuss mitgerechnet fällt die Ärzte-Rente aber immer noch fast 50 Prozent höher aus.

Nase vorn bei Rentenhöhe

Auch eine Renten­mitteilung, die uns ein Mitglied der Ärzte­versorgung Baden-Württem­berg zur Verfügung stellte, zeigt klar, dass die Ärzte die Nase weit vorn haben. Eine Zuzahlung von 1 000 Euro im Jahr 2017 entsprach nach derzeitigen Werten dort monatlichen Versorgungs­bezügen von 6,44 Euro. Bei der Gesetzlichen entsprachen 1 000 Euro im Jahr 2017 nach heutigen Werten einer Rente von 4,47 Euro. Rechnet man auch hier den Kranken­versicherungs­zuschuss mit, ergeben sich für die Ärzte um rund 34 Prozent höhere Versorgungs­bezüge.

Eins zu eins vergleich­bar sind die Systeme allerdings nicht. Die Versorgungs­werke bieten neben der Alters­rente einen umfang­reicheren Hinterbliebenen- und Invaliditäts­schutz als die Gesetzliche. Die Rentenkasse hat dafür ein breiteres Leistungs­spektrum, neben Zuschüssen zur Kranken­versicherung zum Beispiel umfassendere Reha­leistungen und die Anerkennung von Erziehungs­zeiten für die Rente, von der auch Ärzte profitieren können (FAQ Altersvorsorge für Ärzte).

Finanzierungs­modell unterschiedlich

Auch das Finanzierungs­modell ist ein anderes. Die Gesetzliche ist als reines Umlage­verfahren konzipiert. Die Beiträge der Versicherten werden bis auf eine kleine Reserve direkt an die Rentner ausgezahlt. Die Versorgungs­werke nutzen das sogenannte offene Deckungs­plan­verfahren – eine Mischung aus Umlage und Kapital­deckung. Ein Teil der Mitglieds­beiträge wird an den Kapitalmärkten angelegt. Auch die daraus erwirt­schafteten Gewinne finanzieren die Renten mit.

Wie viel Umlage und wie viel Kapital­deckung in der Renten­finanzierung steckt, entscheidet jedes Versorgungs­werk selbst. Bisher scheint die Mischung zu stimmen.

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