Interview: „Ein Drittel der Fälle vermeidbar“

Ärztefehler Meldung

Prof. Dr. med. Matthias Schrappe, Generalbevollmächtigter des Aufsichtsrates der Universitätskliniken Frankfurt.

Sie mögen den Begriff „Kunstfehler“ nicht – warum?

Ich vermeide ihn sogar vollständig. Der Arzt genießt bei seiner Berufsausübung keine künstlerische Freiheit. Der Behandlung liegen Regeln zugrunde, die durch den medizinischen Standard gegeben sind.

Wie häufig sind Fehler in Kliniken?

Über Fehler an sich wissen wir wenig; Fehler sind Fehlentscheidungen, ohne dass zwangsläufig etwas passiert. Wichtig sind die unerwünschten Ereignisse, also negative Ergebnisse für Patienten, die auf die Behandlung im Krankenhaus zurückgehen – hier vor allem diejenigen, die auf Fehler zurückzuführen sind, also vermeidbar wären. Die Analyse internationaler Studien zeigt, dass etwa 5 bis 10 Prozent aller Patienten im Krankenhaus solche unerwünschten Ereignisse erleiden.

Viele Fehler wären zu vermeiden?

Niemand, der im Gesundheitswesen arbeitet, macht leichtfertig Fehler und verursacht so ein unerwünschtes Ereignis. Auf der anderen Seite gibt es viele Ereignisse, die bei Beachtung einfacher Verhaltensregeln vermeidbar gewesen wären, zum Beispiel durch Desinfektion der Hände. Aber vielen Ärzten und Pflegenden ist das nicht genügend präsent, daran arbeitet nun das Aktionsbündnis Patientensicherheit. Es geht auch darum, die Einstellung zu verändern. Wir gehen davon aus, dass ein Drittel der unerwünschten Ereignisse vermeidbar gewesen wäre.

Kann man sich als Patient schützen?

Ja, durch Mitdenken, Fragenstellen, Sich-Melden, wenn etwas ungewöhnlich erscheint.

Wer ist im Ernstfall Ansprechpartner für betroffene Patienten?

Der erste Ansprechpartner ist der verantwortliche Arzt – das Gespräch zu suchen, ist das Wichtigste. Erst wenn das nicht hilft oder wenn es um konkrete Schadenersatzforderungen geht, sollte eine Schiedsstelle oder eine juristische Beratung gesucht werden.

Wie sind die Aussichten vor Gericht?

Das kann man nicht global sagen. Die Gerichte gehen aber inzwischen immer mehr davon aus, dass Patienten als eigenständige Partner im Behandlungsprozess angesehen werden sollen. Deswegen billigen sie ihnen auch zunehmend wichtige Patientenrechte zu.

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