Tragen Sie eine Brille? Planen Sie den Bau eines Hauses? Wie viele Minuten täglich verwenden Sie für Ihre Haarpflege? Mehr als hundert derartiger Fragen sollen Empfänger von persönlich adressierten Fragebögen der Lifestyle AG aus Ditzingen beantworten. Die Bögen sehen aus, als kämen sie von einem anerkannten Marktforschungsinstitut: Da ist von "umfassender Verbraucherbefragung" die Rede. Dem Adressaten wird suggeriert, dass er als Interviewpartner für seine Region ausgewählt und seine Teilnahme "von entscheidender Bedeutung" für das Projekt sei.

Doch mit wissenschaftlicher Marktforschung hat die Lifestyle-Aktion nichts zu tun. Während anerkannte Marktforscher anonyme Daten erheben, um allgemeine Konsum- und Einstellungstendenzen in der Bevölkerung aufzuspüren, sucht das Ditzinger Unternehmen vor allem personenbezogene Informationen über das Konsumverhalten der Befragten. Solche Daten lassen sich nämlich gegen gutes Geld an werbetreibende Firmen verkaufen, die dann gezielt mögliche Kunden mit Prospekten eindecken.

Wenn riesige Datensätze mit zig Tausenden Namen gehandelt werden, ist nach Auskunft des Deutschen Direktmarketing Vertriebs schon eine einfache Anschrift etwa 30 Pfennig wert. Gehören Telefon- und Faxnummern dazu, kann das den Preis auf 2 Mark treiben. Für detaillierte Daten mit Angaben über Hobbys, Haustiere und Einkaufsgewohnheiten gibt es wesentlich mehr ­ da ist ein hochprofitables Geschäft für Lifestyle und ähnlich wirtschaftende Firmen wie etwa Claritas aus Neu-Isenburg drin. Letztlich geht das auf Kosten der Befragten: Die späteren Werbesendungen verstopfen Briefkasten, Mailbox und Faxgerät.

Dieser Artikel ist hilfreich. 20 Nutzer finden das hilfreich.