Abzüge bei der Rente Special

Wenn es um Abzüge von der Rente geht, denken die meisten nur ans Finanzamt. Was sie nicht ahnen: Die Steuer ist oft kaum der Rede wert. Viel schlimmer langt die Krankenkasse zu.

Von 1 850 Euro monatlich 174 Euro allein für die Krankenkasse? Viele Rentner staunen, wenn sie sehen, welches Loch ihnen die Krankenversicherung ins Konto reißt. Sie zahlen Beiträge für die gesetzliche Rente, für Betriebsrenten, Direktversicherungen, die Riester-Rente, teils auch Lebenspolicen – dagegen ist das Finanzamt schon fast bescheiden.

Betroffen sind alle, die in einer gesetzlichen Krankenkasse sind – die weitaus meisten also. Etwas dagegen machen können sie kaum, deshalb ist es umso wichtiger, dass Sparer, die ihre Rentenlücke kalkulieren, schon jetzt wissen, was sie im Ruhestand erwartet: Die Krankenkasse kommt sie oft deutlich teurer als die Steuer.

Dagegen richten sich die Beiträge bei privat Krankenversicherten nicht nach dem Einkommen, sondern nach dem Krankheitsrisiko – damit gelten ganz andere Grundsätze, doch auch hier steigen die Prämien im Alter, teils sogar dramatisch.

Für Kassenmitglieder hingegen ist die Krankenversicherung der Rentner (KVdR) zuständig. Das ist keine eigene Krankenkasse, vielmehr wird die KVdR von der bisherigen Kasse weitergeführt. Der Rentner kann also in seiner AOK, BKK, in der Barmer oder Techniker bleiben. Bis zum Jahr 2009 waren die Vorschriften von Kasse zu Kasse noch verschieden, seitdem gelten aber einheitliche Grundlagen.

Wer in die KVdR kommt

Wer pflichtversichert ist, kommt automa­tisch in die KVdR. „Pflichtversichert“ bedeutet hier aber etwas anderes als im Berufsleben, wo es auf das Einkommen ankommt: Im Beruf ist jeder pflichtversichert, der weniger verdient als die Beitragsbemessungsgrenze von 45 800 Euro pro Jahr, also 3 750 Euro pro Monat. Arbeitnehmer, die mehr haben und in der Kasse bleiben wollen, müssen sich freiwillig versichern. Für die KVdR hingegen bedeutet „Pflicht“, dass ein Rentner mindestens neun Zehntel der zweiten Hälfte seines Berufslebens in einer Krankenkasse war, egal ob pflicht- oder freiwillig versichert, egal ob familienmitversichert, ob in der DDR oder einem EU-Land gesetzlich versichert oder in einem Staat, mit dem ein Sozialversicherungsabkommen besteht.

Aus Freiwilligkeit wird Pflicht

Als Beginn des Berufslebens gilt der erste Pflichtbeitrag zur Rentenversicherung. Damit sind die allermeisten Rentner pflichtversichert, auch wenn sie zuvor im Berufsleben freiwillig krankenversichert waren.

Eine freiwillige Versicherung gibt es auch in der KVdR: „Wer die Mindestversicherungszeit nicht erfüllt, kann sich als Rentner freiwillig versichern“, berichtet Juristin Kerstin Kracke vom Sozialverband VdK. Allerdings geht das nur, wenn er in den letzten fünf Jahren 24 Monate in einer Kasse war oder direkt vor Rentenbeginn mindestens ein Jahr pflichtversichert war.

Pflichtversicherte: Betriebsrente zählt

Abzüge bei der Rente Special

Die meisten Ruheständler finden sich in der Krankenversicherung der Rentner (KVdR) wieder. Da müssen sie Beiträge nicht nur auf ihre Rente zahlen, sondern auch auf zusätzliche Einnahmen wie Betriebsrenten. Bei privat Krankenversi­cherten ist das anders, sie sind nicht in der KVdR.

Ob pflicht- oder freiwillig versichert macht einen großen Unterschied: Pflichtversicherte zahlen Beiträge auf ihre Bruttorente und – wenn sie nebenbei jobben – auf das Arbeitsentgelt, außerdem noch auf „Versorgungsbezüge“: Gemeint ist damit alles, was irgendeinen beruflichen Bezug hat, vor allem die betriebliche Altersvorsorge, also Versorgungswerke, Unterstützungskassen, Pensionskassen oder -fonds, ebenso Lebensversicherungen als Direktzusage und Beamtenpensionen. „Dagegen zählen private Lebens-, Renten- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen nicht dazu“, erklärt Michael Schmitz von der Techniker Krankenkasse. Auch auf Mieteinkünfte, Zinsen, Dividenden sind keine Beiträge fällig.

Offen ist, ob Auszahlungen aus Sparverträgen, in die zeitweise der Arbeitgeber eingezahlt hat, beitragspflichtig sind. Hier ist ein Verfahren vorm Bundesverfassungsgericht anhängig (Az. 1 BvR 739/08).

Beispiel: Für einen Redakteur hat der Verlag jahrelang in die berufsständische „Presseversorgung“ eingezahlt. Nun macht er sich selbstständig und führt den Vertrag aus privaten Mitteln weiter. Wenn der Journalist in Rente geht, ist nach heutigem Stand die komplette Auszahlung beitragspflichtig – auch die privaten Einzahlungen. Das schmälert die Rendite erheblich.

Wer das vermeiden will, sollte den Vertrag ruhen lassen und die Eigenmittel in eine andere Geldanlage stecken.

Alles über 45 000 Euro ist frei

Als Limit bleibt die Beitragsbemessungsgrenze von 45 000 Euro. Alles darüber ist frei. Außerdem gibt es eine Bagatellgrenze: Auf Gelder bis 127,75 Euro sind keine Beiträge fällig. Das gilt aber nur für Versorgungsbezüge und selbstständige Tätigkeit.

Beispiel:Wer monatlich 120 Euro Betriebsrente erhält, zahlt keine Kassenbeiträge. Kommen aber von einem früheren Arbeitgeber 20 Euro Betriebsrente hinzu, ist die Bagatellgrenze überschritten. Auf die 140 Eu­rosind dann 20,86 Euro Beitrag fällig. Dadurch hätte der Rentner jetzt mit der Zweitrente 86 Cent weniger als ohne.

Beide Werte werden jährlich angepasst. 2009 betrug die Beitragsbemessungsgrenze 44 100 Euro, die Bagatellgrenze 126 Euro.

Wie viel Rentner zahlen müssen

Für Pflichtversicherte gilt der allgemeine Beitragssatz von 14,9 Prozent. Das scheint vielen Rentnern ungerecht, denn da sie nicht mehr arbeiten, brauchen sie kein Krankengeld. Für solche Fälle gilt sonst der ermäßigte Beitragssatz von 14,3 Prozent. Doch das Bundessozialgericht hat diese Regelung abgesegnet (Az. B 12 KR 29/04 R).

Dagegen zahlen angehende Rentner in der Freistellungsphase der Altersteilzeit auf den Aufstockungsbetrag nur den er­mäßigten Beitragssatz (Bundessozialgericht, Az. B 12 KR 22/02 R).

Immerhin übernimmt die Rentenversi­cherung einen Beitragsanteil von 7 Prozentpunkten, für den Rentner bleiben 7,9 Prozent. Bitter wird es aber bei den Versorgungsbezügen. Da gibt es keinen Zuschuss, vielmehr zahlen Rentner die vollen 14,9 Prozent Beitragssatz allein.

Bitterer für freiwillig Versicherte

Noch bitterer ist es für freiwillig Versicherte. Sie zahlen das Gleiche wie Pflichtversicherte – aber noch ein bisschen mehr. Zusätzlich zieht die Krankenversicherung bei ihnen auch alle privaten Einkünfte heran. Laut Gesetz zählt die „gesamte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit“, also auch Zinsen, Dividenden, Mieteinnahmen, private Lebens- und Rentenversicherungen, kurz: alles, was sie zum Lebensunterhalt verbrauchen können. Dass es sich um privates Geld handelt, das auf eigene Initiative gespart wurde, und dass keinerlei Bezug zum Beruf besteht, spielt keine Rolle, ebenso wenig die steuerliche Betrachtung: Der Sparerfreibe­trag greift hier nicht, Zinsen sind voll beitragspflichtig – minus 51 Euro Werbungskostenpauschale oder nachgewiesene höhere Kosten. Und die Bagatellgrenze gilt für freiwillig Versicherte nicht.

Kleiner Trost ist, dass für diese zusätzlichen Beiträge der ermäßigte Satz gilt, also 14,3 Prozent. Aber die werden voll erhoben, ohne Anteil und Beteiligung der Rentenversicherung. Auf gesetzliche Rente und Versorgungsbezüge zahlen freiwillig Versicherte – wie Pflichtversicherte – den allgemeinen Beitragssatz von 14,9 Prozent.

Heimlichtuerei bringt nichts

Da bei freiwillig Versicherten im Prinzip alles Mögliche „verbeitragt“ werden kann, vermeidet das Gesetz es tunlichst, Einkünfte konkret aufzuführen. Im Ergebnis fühlen sich viele Betroffene abkassiert: Als Rentner zahlen sie mehr als im Berufsleben. Und Heimlichtuerei bringt nichts: Lebensversicherer zum Beispiel sind verpflichtet, die Auszahlungen der Krankenkasse zu melden.

Es hilft auch nichts, die Kasse zu wechseln. Bis 2009 ließ sich damit noch etwas retten, denn bis dahin durfte jede Krankenkasse selbst regeln, wie sie Beiträge erhebt. Letztendlich waren Einkünfte, von denen die eine Kasse Beiträge nahm, bei einer anderen beitragsfrei. Damit ist seit 2009 Schluss. Der Spitzenverband der Krankenkassen hat einheitliche Regeln festgelegt.

Kapitalverzehr nicht beitragspflichtig

Immerhin sind Entnahmen aus privatem Vermögen auch für freiwillig Versicherte nicht beitragspflichtig. Dies gilt als Kapitalverzehr, den das Sozialgesetzbuch frei lässt. Kurioses Ergebnis: Wer erbt und davon sofort ein dickes Auto kauft, zahlt keine Beiträge. Wer hingegen das Erbe anlegt, um es an die nächste Generation weiterzugeben, muss auf die Zinsen Beiträge abführen. Außerdem gilt die Beitragsfreiheit nicht, wenn sich ein Rentner aus dem Vermögen regelmäßig Geld auszahlen lässt wie bei einer Rente.

Auch Abfindungen beitragspflichtig

„Wer den Beitragsbescheid für falsch hält, sollte sich von Fachleuten beraten lassen“, empfiehlt der Frankfurter Fachanwalt für Sozialrecht Martin Schafhausen. Widerspruch ist mit einem Monat Frist möglich.

Beitragspflichtig sind auch Abfindungen nach einer Kündigung. Da haben viele Krankenkassen bisher getrennt in Entgeltanteil und Sozialanteil, Letzterer als Entschädigung für den Arbeitsplatzverlust. Beitragspflichtig war nur der Entgeltanteil. Doch seit 2009 zählt der volle Betrag.

Pflegeversicherung kommt hinzu

Hinzu kommen Beiträge zur Pflegeversi­cherung. Sowohl pflicht- als auch freiwillig Versicherte zahlen 1,95 Prozent, kinderlose Rentner, die ab 1940 geboren sind, sogar 2,20 Prozent. Diesen Beitrag müssen alle voll aus eigener Tasche aufbringen. Nur Beamte mit Beihilfe zahlen die Hälfte, also 0,975 Prozent, kinderlose Pensionäre 0,25 Prozent Zuschlag. Bei der Frage, was beitragspflichtig ist, gelten die gleichen Regeln wie in der Krankenversicherung.

Insgesamt zahlen viele freiwillig versi­cherte Rentner bei gleichen Einnahmen mehr Kassenbeiträge als pflichtversicherte wie die Tabelle zeigt: der eine rund 252 Euro, der andere 174 Euro.

Auszahlung der Lebensversicherung

Eine Besonderheit sind Lebensversicherungen. Da entscheidet, ob sie auf einen Schlag ausgezahlt werden oder als Rente:

  • Wurde bei Vertragsabschluss eine Monats­rente vereinbart, müssen auch monatlich Kassenbeiträge gezahlt werden.
  • Wurde eine Einmalzahlung vereinbart, bleibt sie beitragsfrei, da dieses Geld nicht für den laufenden Lebensunterhalt ist. Nur die Zinsen sind beitragspflichtig.
  • Wurde eine Rente vereinbart, dann aber in eine Einmalzahlung umgewandelt, wird sie auf zehn Jahre Rente umgerechnet. Die Auszahlung wird durch 120 geteilt und auf diesen Betrag werden zehn Jahre Beiträge erhoben. Beispiel: 60 000 Euro Auszahlung aus der Lebensversicherung geteilt durch 120 ergeben 500 Euro fiktive Monatsrente. Bei einem freiwillig Versicherten mit 14,3 Prozent Beitrag und 1,95 Prozent Pflegeversi­cherung macht das monatlich 81,25 Euro. In zehn Jahren also 9 750 Euro.

Diese Umrechnung gilt auch für Versorgungsbezüge von Pflichtversicherten. Seit 2004 unterliegen Direktversicherungen auch der Beitragspflicht, wenn zu Anfang eine Kapitalzahlung vereinbart war.

Beispiel: Ein pflichtversicherter Rentner er­hält 60 000 Euro aus einer betrieblichen Direktversicherung, also eine fiktive Mo­nats­rente von 500 Euro. Als Pflichtversicherter zahlt er 14,9 Prozent Beitragssatz plus 1,95 Prozent Pflegeversicherung. Damit sind monatlich 84,25 Euro fällig.

Welche Einnahmen Rentner haben, prüfen die Krankenkassen einmal im Jahr, teils auch alle zwei Jahre.

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