Abzockerangebote Meldung

Vorsicht bei traumhaften Angeboten. Meist dienen sie Anbietern nur als Köder, um an Ihr Geld zu kommen.

Ob per Brief, Fax, E-Mail oder auf Internetseiten, überall ­locken Anbieter mit lukrativen Gewinnen. Doch viele Offerten sind unseriös und enden für Verbraucher mit Verlusten.

Etwas gewinnen, günstig einkaufen oder eine lukrative Geldanlage abschließen, wer möchte das nicht. Doch gerade, wenn Gewinne garantiert werden, Waren billiger als in jedem Laden sind oder die Rendite traumhaft hoch ist, sollten die Alarmglocken schrillen. Denn fast immer lauert hier Nepp. ­Finanztest nennt ein paar besonders dreiste Maschen und Angebote.

Nigeria-Connection zockt ab

„Schluss mit Hokuspokus“ titelte die „Berliner Zeitung“, als die Polizei in Berlin im Oktober 2003 ein Mitglied der Nigeria-Connection verhaftete. Der 28-jährige Nigerianer fühlte sich bei seinen Millionenbetrügereien offenbar so sicher, dass er sich selbst bei der Polizei meldete, um sich nach dem Verbleib von 50 000 Euro zu erkundigen. Die waren ihm zuvor bei seiner Einreise aus der Schweiz vom Zoll abgenommen worden. Der Sozialhilfeempfänger hatte die Herkunft des Geldes nicht plausibel erklären können.

Wenig plausibel sind auch die Schreiben, die weltweit agierende Betrügerbanden wie die Nigeria- oder Kamerun-Connection per Brief, per Fax und E-Mail an deutsche Bürger senden. Dennoch fallen immer wieder Bürger auf die Briefe angeblicher ehemaliger Großgrundbesitzer, Minister und Präsidentensöhne herein. Sie glauben den Betrügern, dass sie beim Transfer von zweistelligen Millionensummen in US-Dollar aus Nigeria nach Deutschland behilflich sein und so einen schnellen Euro machen können.

Angeblich handele es sich um Geld aus Erbschaften und Staatsaufträgen, für das die Angeschriebenen ein Transferkonto in Deutschland einrichten sollen. Denn Nigerianer dürften im Ausland keine Konten eröffnen. Für ihre Hilfe versprechen sie den Adressaten eine fürstliche Belohnung in Höhe von meist 30 Prozent der Transfersumme.

Doch vor dem Empfang dieses Geldsegens werden noch einige lästige Gebühren wie Transfer- und Verwaltungskosten fällig. Überweisen die Opfer, ist das Geld weg und die Betrüger sind über alle Berge, warnen deutsche Landeskriminalämter auf Internetseiten.

Programmierter Verlust

Fette Verdienste machen auch die Or­ganisatoren so genannter Pyramidensysteme. Ein als „Alternative Kollektive Wertschöpfung“ (AKW) auch mit einer Homepage im Internet auftretendes System macht derzeit in Berlin die Runde. Die AKW lockt mit billigen Einkaufsmöglichkeiten. Wer mitmacht, zahlt 250 Euro ein und erhält damit die Möglichkeit, sich binnen drei Monaten einen Wunsch im Wert von 650 Euro zu erfüllen. Egal wo der Kunde einkauft, die AKW zahlt.

Wem das gefällt, der wird sich gerne an einem weiteren AKW-Angebot beteiligen. Werbern neuer Mitglieder sollen Provisionen von bis zu 17 000 Euro winken. Die können die Initiatoren aber nur zahlen, wenn die Zahl der Mitglieder rasant ansteigt und so immer mehr Geld in das System gepumpt wird.

Gerade hier liegt die Krux dieser als Pyramiden- oder Schneeballsystem ­bekannten Verfahren. Je länger der Schneeball rollt, desto schwieriger wird es, weitere Mitglieder zu werben. Die sind aber nötig, um von deren Eintrittsgeldern die Provisionen an die Werber, deren „Vorgesetzte“ sowie an deren „Chefs“ zahlen zu können.

Werden keine zahlungswilligen Neulinge mehr gefunden, bricht das System zusammen. Die breite Masse verliert dann ihr Geld, während die Initiatoren satt abkassiert haben.

Auch die „Alternative Kollektive Wertschöpfung“ , die derzeit nach eigenen Angaben 2 700 Mitglieder zählt, wird schon bald nicht mehr in der Lage sein, die versprochenen Waren im Wert von 650 Euro, geschweige denn die Provisionen zu zahlen, warnt die Verbraucherzentrale in Berlin.

Glücksspiel mit Gewinngarantie

Das Werben mit Gewinngarantien grassiert derzeit vor allem im Internet. Ob Preisausschreiben oder Lottosysteme, angeblich tippen die Spieler hier immer die richtigen Zahlen. Glaubt man den Initiatoren, gibt es nur Gewinner.

Über das Internetauktionshaus ebay werden beispielsweise regelmäßig Lottosysteme mit „100%iger Gewinngarantie“ versteigert. Ein Anbieter behauptet sogar fälschlicherweise, sein System sei von der Stiftung Warentest getestet worden. Für 8 Euro haben wir es ersteigert und näher angesehen. Nach Überweisung des Geldes erhielten wir per E-Mail zwei Din-A4-Blätter, auf denen 176 Zahlenreihen mit jeweils sechs Zahlen standen. Versprochen wird uns, dass mit diesen Zahlen immer mindestens ein Dreier im Lotto rausspringen würde. Ein Vergleich mit der Lottoziehung vom 13. Dezember zeigt, die Aussage stimmt, wir hätten drei richtige Zahlen. Einziger Haken: Um tatsächlich Geld zu gewinnen, müssten wir pro Ziehung mindestens 14 Lottoscheine für 132 Euro plus Bearbeitungsgebühr ausfüllen.

Abkassieren mit Adressen

Mehrere Hundert Euro pro Opfer machen auch immer wieder Anbieter von Telefon-, Telefax-, Internet- und anderen Verzeichnissen. Im Frühjahr letzten Jahres war es der Kirchheimer Telefonbuchverlag Akalan, der ganz Deutschland mit Formularen überschwemmte, die wie Rechnungen aussahen.

Firmen wie Akalan wollen die Empfänger glauben lassen, sie seien zur Zahlung verpflichtet. Viele Empfänger erkennen den Unterschied nicht, denken, sie hätten etwas bestellt und zahlen. Viele meinen auch, es handele sich um ihren Eintrag ins Handelsregister oder in ein anderes offizielles Verzeichnis. Dass die Einträge wenig repräsentativ und deshalb wertlos sind, merken sie nur, wenn sie das Kleingedruckte studieren.

Abkassiert wird auch mit „Korrekturabzügen“. Wer glaubt, die Richtigkeit der Daten mit seiner Unterschrift zu bestätigen, schließt unbemerkt einen Vertrag für einen Eintrag in ein wertloses Nachschlagewerk ab.

Wer auf einen Adressbuchschwindler hereingefallen ist, sollte den Vertrag wegen arglistiger Täuschung anfechten. Außerdem sollte er den Vertrag vorsorglich kündigen und die Firma unter Fristsetzung zur Erstattung auffordern. Tut sie das nicht, sollten Betroffene einen Anwalt einschalten, empfiehlt der Deutsche Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität in Bad Homburg.

Wertlose Bankgarantien

Ebenfalls in Briefen, per Fax oder E-Mail bieten windige Geschäftemacher Kunden hochverzinsliche Investments an. Sie versprechen Superrenditen für die Teilnahme an Geschäften, die normalerweise nur den Banken vorbehalten seien. Wenn diese untereinander handelten, würden einige Tausend Prozent Rendite pro Jahr herausspringen, schreibt zum Beispiel die LSC Ltd. in Frankfurt am Main. Da seien 30 Prozent oder mehr pro Monat für den Privatanleger für eine risikofreie Anlage nicht zu viel, meint General Manager Dr. Tiberius M. Dittel von der LSC Ltd.

Verständlicherweise seien Traumrenditen mit Bankgeschäften nur mit hohen Beträgen zu erzielen. Deshalb müssten viele Einzelbeträge der Anleger gepoolt, das heißt in einen Topf geworfen werden, um die Mindestsumme von einer Million Euro aufzubringen, ab der der Handel erst möglich sei.

Zweifel an solch märchenhaften Renditen zerstreuen Anbieter mit „Gutachten“, in denen meist nicht ermittelbare Professoren oder wie bei der LSC ein verstorbener Banker von solchen Geschäften schwärmen. Angeblich gibt es dafür sogar Garantien europäischer Großbanken. Nennen könne man die allerdings nicht, weil sich dieses spezielle Angebot sonst herumsprechen würde.

In Deutschland sind in den letzten Jahren einige solcher „Bankgarantiegeschäfte“ geplatzt. Manche Vermittler wanderten ins Gefängnis, die meisten aber als Millionäre ins Ausland.

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