Es gibt nicht viele Tage, an denen Herr Frank Post bekommt. Aber wenn doch, dann ist bei ihm Feiertag: Schon beim Frühstück reißt er vergnügt den Umschlag auf, freut sich über die vielen bunten Zettel, die herausfallen, bestaunt mit großen Augen die gedruckten Fotos von seriösen Herren und widmet sich dann intensiv den Rückumschlägen, deren Gummierung so herrlich an den Fingern klebt.

"Wir gratulieren", schreiben die Herren in dunklen Anzügen: "Sie haben gewonnen, 100.000 Mark, ein Luxusauto, eine Traumreise." Doch vor lauter Glück registriert Herr Frank das kaum. Schon liegt das Anschreiben auf seinem Marmeladenbrot, ein zerknüllter Zettel in der Milch, während der glückliche Gewinner die bunten Zettel genüsslich in kleine und kleinste Stücke zerreißt ­ Herr Frank ist gerade drei Jahre alt geworden.

Bisher lag er mit dem Zerreißen völlig richtig. Denn die Gewinne gab es sowieso nicht, auch keinen Rechtsanspruch darauf. Doch seit 1. Juli können Verbraucher den versprochenen Gewinn einklagen, selbst dann schon, wenn durch die Gestaltung des Schreibens der Eindruck erweckt wird, er habe gewonnen, im Kleingedruckten aber nur allgemein von der Chance auf einen Gewinn die Rede ist.

Tipp: Wagen Sie den Gang zum Gericht nur, wenn Sie eine Rechtsschutzversicherung haben, die auch einspringt. Denn wenn der Versender inzwischen Pleite gegangen ist, müssen Sie auch bei einem Erfolg die Kosten selber tragen.

Sicherer ist es, die ersten Musterurteile abzuwarten.

Außerdem gibt es diese gesetzliche Regelung nur in Deutschland und Österreich, nicht in den übrigen Staaten der Europäischen Union.

Viele Abzocker werden nun wohl ihren Sitz ins Ausland verlegen ­ Frank kann sich weiter über bunte Briefe freuen.

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