Abtretungs­inkasso von Altkrediten Rechts­anwalt im Unrecht

Abtretungs­inkasso von Altkrediten - Rechts­anwalt im Unrecht
Land­gericht München I: Hier hat Rechts­anwalt Ralf Heyl mal wieder verloren. Er wollte eine alte Post­bank-Forderung durch­setzen. © picture alliance/dpa / Sven Hoppe

Anwälte wie Ralf Heyl kaufen alte Bank­forderungen und setzen Verbraucher unter Druck. Oft zu Unrecht. Wir sagen, wie Sie sich wehren können, und bieten einen Musterbrief.

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Worum geht es?

Rechts­anwalt Ralf Heyl aus Hürth bei Köln hat im Jahr 2016 Alt-Forderungen von der Post­bank erworben. Seitdem versucht er, die Forderungen zu Geld zu machen, verschickt Briefe, droht mit gericht­lichen Schritten, erhebt zuweilen Klage. Fast 200 000 Post­bank-Kunden sind betroffen. Sie sollen angebliche Altschulden aus Krediten oder Konto­über­ziehungen begleichen. Die Forderungen sind ganz oft unbe­rechtigt oder verjährt. Etliche Gerichte haben Heyl-Klagen abge­wiesen oder die Zwangs­voll­stre­ckung einge­stellt. Die Post­bank erklärte auf Nach­frage von test.de, sie habe die Zusammen­arbeit mit Rechts­anwalt Heyl „bereits vor mehreren Jahren voll­umfäng­lich beendet“.

Ein typischer Fall

Eberhard Kunz* soll 23 212,02 Euro zuzüglich 13 368,76 Euro Zinsen zahlen. Er hatte sich im Dezember 2007 bei der Post­bank 23 000 Euro geliehen. Er zahlte zunächst seine Raten. Dann fehlte ihm das Geld und die Rück­zahlung stockte. Die Bank kündigte den Kredit und forderte Rück­zahlung der Rest­schuld. Doch vergebens. Die Post­bank packt den Fall Kunz auf eine lange Liste mit anderen offenen Krediten und über­zogenen Konten.

*Name von der Redak­tion geändert

Streit um mehr als eine Milliarde Euro

Abtretungs­inkasso von Altkrediten - Rechts­anwalt im Unrecht
So sehen Briefe von Rechts­anwalt Ralf Heyl aus. Seine ihm von der Post­bank oder anderen Unternehmen abge­tretenen Forderungen sind oft unbe­rechtigt oder verjährt. © Screenshot Stiftung Warentest

Im Jahr 2016 über­trägt die Post­bank insgesamt 194 055 Geld­forderungen – darunter der Fall Kunz – an Rechts­anwalt Ralf Heyl. Was die Post­bank dafür bekommt, sagt sie nicht. Möglicher­weise bekam Heyl die Forderung auch unentgeltlich, muss dafür aber jedes Mal einen Teil des Geldes an die Post­bank abgeben, wenn ein Alt-Schuldner doch noch zahlt. Um wie viel Geld es geht, sagen weder die Post­bank noch Rechts­anwalt Ralf Heyl. Rechts­anwalt Achim Tiffe aus der Verbraucherkanzlei Juest + Oprecht in Hamburg berichtet: Der Mittel­wert der ihm bekannten Forderungen liege bei 6 000 Euro einschließ­lich Zinsen. Danach geht es um insgesamt etwas mehr als eine Milliarde Euro.

Zahlungs­aufforderung: So verhalten Sie sich richtig

  • Wenn Sie ein Schreiben von Rechts­anwalt Ralf Heyl mit einer Zahlungs­aufforderung erhalten, sollten Sie sofort mit unserem Musterbrief antworten. Das reicht oft schon aus, um die Forderung endgültig abzu­wehren.
  • Auf weitere Schreiben von Heyl direkt sollten Sie nicht antworten und auch nicht versuchen, mit Heyls Kanzlei Kontakt aufzunehmen.
  • Lassen Sie sich nicht auf eine Ratenzahlung ein, auch wenn Heyl sich zunächst mit geringen Beträgen zufrieden gibt. Das kann als Anerkennung der Forderung gewertet werden.
  • Lassen Sie sich von einem Rechts­anwalt mit Erfahrung bei der Verteidigung gegen abge­tretene Forderungen beraten.
  • Schickt ein Gericht einen von Heyl beantragten Mahn- oder Voll­stre­ckungs­bescheid oder eine Klageschrift, sollten Sie sich sofort von einer Verbraucherzentrale oder einem Rechts­anwalt – möglichst mit Erfahrung bei der Abwehr von Heyl-Forderungen – beraten lassen. Wenn Sie sich nicht sofort darum kümmern können, legen Sie vorsorglich Wider­spruch (Mahn­bescheid) oder Einspruch (Voll­stre­ckungs­bescheid) ein. Dafür brauchen Sie keinen Anwalt. Dem Schreiben des Gerichts liegt ein entsprechendes Formular bei. Sollte die Beratung ergeben, dass die Heyl-Forderung ausnahms­weise berechtigt und durch­setz­bar ist, können Sie Ihren Wider­spruch oder Einspruch immer noch zurück­nehmen.
  • Zahlen Sie auch nicht aus Angst vor Schufa-Einträgen. Solche Einträge sind ebenfalls rechts­widrig, wenn die Forderung nicht berechtigt oder verjährt ist. Gibts trotzdem einen Eintrag bei der Schufa, fordern Sie Heyl mithilfe unseres Musterbriefs auf, seine Meldung gegen­über der Schufa zu korrigieren und so den Eintrag rück­gängig zu machen. Wenn Heyl ablehnend oder gar nicht reagiert, schalten Sie einen Rechts­anwalt ein, möglichst mit Inkasso-Erfahrung. Haben Sie kein Geld, um einen Rechts­anwalt zu bezahlen, haben Sie Anspruch auf Beratungs­hilfe und bei Bedarf auch Prozess­kosten­hilfe.
  • Selbst wenn gegen Sie bereits ein Voll­stre­ckungs­bescheid oder ein Urteil ergangen, lässt sich die Forderung zuweilen noch aus der Welt schaffen. Suchen Sie nach einem Rechts­anwalt mit Erfahrung bei der Verteidigung gegen abge­tretene Unter­nehmens­forderungen und lassen Sie ihn Ihre Unterlagen prüfen. Sonst bleibt die Privat­insolvenz (siehe auch unser Special Privatinsolvenz: So werden Sie in drei Jahren schuldenfrei).

Heyl vor Gericht

Kreditkündigung unwirk­sam. Im Fall von Eberhard Kunz erhob Rechts­anwalt Heyl Klage, als Kunz auf die Schreiben des Rechts­anwalts hin nicht zahlte. Doch das Land­gericht in München wies die Klage nach nur wenigen Monaten ab. Die Post­bank habe den Kredit seiner­zeit schon nicht wirk­sam gekündigt. Kunz war deshalb nicht in der Pflicht, den gesamten Betrag zu zahlen, argumentierte das Gericht. Und: Selbst mit wirk­samer Kündigung wäre die Klage wegen Verjährung abzu­weisen, ergänzte die Richterin noch.
Land­gericht München I, Urteil vom 24.06.2021
Aktenzeichen: 29 O 205/21
Schuldner­anwälte: Rechtsanwälte Juest + Oprecht, Hamburg

Frist abge­laufen. Heyl ist auch mit anderen Klagen gescheitert, oft wegen Verjährung, zuweilen zusätzlich auch wegen eines Verstoßes gegen den Grund­satz von Treu und Glauben. Weitere Einzel­heiten unter anderen auf der Homepage der Kanzlei Juest + Oprecht in Hamburg-Altona.

Klage zurück­gezogen. In anderen Fällen hat Heyl von sich aus die Klage zurück­genommen, nachdem ein erfahrener Verbraucher­anwalt die Verteidigung über­nommen hatte.

Rechts­widriger Schufa-Eintrag. Soweit Heyl bei unbe­rechtigten Forderungen einen Schufa-Eintrag veranlasst ist das rechts­widrig und muss Heyl die Honorare zahlen, wenn ein Schuldner einen Rechts­anwalt einschaltet.

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3 Kommentare Diskutieren Sie mit

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GuessWhat am 06.09.2021 um 08:18 Uhr
@Stiftung_Warentest

Alles klar, danke für die Erläuterungen.

Profilbild test.de-Redakteur_Herrmann am 06.09.2021 um 07:50 Uhr
Re: Unverständlich

Die Verjährung von Forderungen aus Verbraucherkrediten ist kompliziert. Während des Verzugs des Kreditnehmers ist die Verjährung gehemmt. Der Verzug setzt voraus, dass Kündigung und Mahnung wirksam. Das ist oft nicht der Fall, weil der Postbank bei der Kündigung Fehler unterlaufen sind oder sie oder auch Rechtsanwalt Heyl zu viel Geld angemahnt haben. Siehe: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__497.html (Absatz 3).

GuessWhat am 04.09.2021 um 15:44 Uhr
Unverständlich

Wenn die Forderungen offensichtlich verjährt sind, verstehe ich absolut nicht, warum der Rechtsanwalt in etlichen Fällen dennoch vor Gericht klagte. Einem Rechtsanwalt muss selbstverständlich klar sein, dass wenn eine Forderung verjährt ist, er diese vor Gericht nicht einklagen kann. Dazu trägt er die gesamten Kosten des Verfahrens. Ich kann mir keinen Reim darauf machen, warum er dann in diesen Fällen dennoch klagt. Verständlich wäre das bei unklaren Fällen, wo die Verjährung nicht offensichtlich ist. Aber ansonsten ist es für mich keinesfalls nachvollziehbar.
Die Hinweise und Tipps der Stiftung Warentest finde ich sehr gut. Allerdings möchte ich ergänzend darauf hinweisen, dass wenn die Forderung tatsächlich nicht verjährt und auch berechtigt ist, in diesem Fall der Angeschriebene die Kosten seines Anwalts und ggf. weitere Kosten selbst tragen muss (bzw. die RSV, falls vorhanden). Diese kämen dann zu dem ausstehenden Kreditbetrag noch zusätzlich hinzu.