Podiumsdiskussion: Konkrete Vorschläge in petto

Abschlusstagung Weiterbildungstests Meldung

Leitete die abschließende Podiumsdiskussion auf der Abschlusstagung Weiterbildungstests: Professor Dr. Klaus Meisel.

Leitete die abschließende Podiumsdiskussion auf der Abschlusstagung Weiterbildungstests: Professor Dr. Klaus Meisel.

Professor Dr. Klaus Meisel, Moderator der Podiumsdiskussion bei der Abschlusstagung Weiterbildungstests, hatte konkrete Vorstellungen vom Ablauf der Diskussion – und zögerte nicht, diese auch kundzutun. Ob die Stiftung Warentest denn die Erwartungen erfüllt habe und was sie fürderhin tun könne, wollte Meisel von seinen Diskussionspartnern wissen. . .

Damit nahm Meisel, Direktor der Münchener Volkshochschule, das Motto der Diskussion ganz wörtlich: „Bilanz und Ausblick für die Weiterbildungstests“ stand im Programm der Abschlusstagung Weiterbildungstests geschrieben. Carla-Maria Cremer (Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr Schleswig-Holstein), Dr. Ursula Herdt (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft), Dr. Theo Wolsing (Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen) und Dr. Knut Diekmann (Deutscher Industrie- und Handelskammertag) sollten unter Leitung Meisels diesem Motto verbal gerecht werden.

Bilanz: „Positive Resonanz“ und „exzeptionelles Ergebnis“

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Links von Meisel saßen Carla-Maria Cremer (Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr Schleswig-Holstein) und Dr. Knut Diekmann (DIHK).

Links von Meisel saßen Carla-Maria Cremer (Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr Schleswig-Holstein) und Dr. Knut Diekmann (DIHK).

So stand denn auch das Stichwort Bilanz im Mittelpunkt des ersten Teils der Diskussionsrunde, die Meisel mit der Eingangsfrage eröffnete, ob die Weiterbildungstests aus Sicht der Diskutanten in ihrer Erprobungsphase die Erwartungen erfüllt haben. Die Antworten der Angesprochenen waren von ihren unterschiedlichen beruflichen Perspektiven geprägt; ihr Fazit war gleichwohl einmütig: Demnach war die Erprobungsphase der Weiterbildungstests insgesamt durchaus erfolgreich. Insbesondere habe sich gezeigt, dass Bildungstests machbar und ein wichtiger Bestandteil der Qualitätsdebatte in der Weiterbildung seien. Vereinzelte Befürchtungen, mit den Bildungstests eine Art „Weiterbildungspolizei“ einzurichten, hätten sich dagegen nicht bewahrheitet, so der Tenor der Diskussion.

So attestierte Carla-Maria Cremer den Weiterbildungstests, aus der Sicht der Bundesländer eine wichtige Position auf dem Feld der Qualitätssicherung zu besetzen: Das System des Qualitätssicherung und -entwicklung in der beruflichen Weiterbildung bewege sich zwischen zwei Polen. Während die „Lernerorientierte Qualitätstestierung in der Weiterbildung“ (LQW) für Qualitätssicherung im Konsens stehe, erfüllten vergleichende Weiterbildungstests diese Aufgabe, indem sie für Konkurrenz auf dem Weiterbildungsmarkt sorgten, sagte die Landesvertreterin.

Auch Dr. Ursula Herdt sah in den Weiterbildungstests der Stiftung Warentest „ein Element der Qualitätssicherung“ auf dem Weiterbildungsmarkt, kritisierte aber, dass sich dort generell nichts zum Positiven geändert habe: Von Transparenz könne keine Rede sein, die materielle Situation vieler Dozenten sei schlecht, und die Reform des Sozialgesetzbuches III habe zu Qualitätsverlusten geführt, so die Gewerkschafterin. (Hinsichtlich des letztgenannten Punktes handelte sich Herdt übrigens Widerspruch von Seiten Andreas Henkes ein, der das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) auf der Abschlusstagung vertrat).

Zurückhaltend fiel das Fazit Theo Wolsings aus, der sich als Verbraucherschützer mithilfe der Weiterbildungstests eine erhöhte Nachfrage nach Beratung zu Weiterbildungsfragen gewünscht hätte, dieses aber nicht bestätigen konnte. Eine zu geringe Reichweite der Weiterbildungstests sah auch Dr. Knut Diekmann vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und forderte eine weitere Stärkung des Verbrauchers, damit der Weiterbildungsmarkt besser funktionieren könne. Grundsätzlich ergebe die Idee, Weiterbildungen im Vergleich zu bewerten, aber sehr viel Sinn. So gesehen seien die Weiterbildungstests eine Erfolgsgeschichte in Anführungszeichen, sagte der Wirtschaftsvertreter.

Die Erprobungsphase der Weiterbildungstests habe eine „positive Resonanz“ hervorgerufen, resümierte Professor Dr. Klaus Meisel den ersten Teil der Diskussion und verwies auf das „exzeptionelle Ergebnis“ der Weiterbildungstests: Dass ein Projekt zur Regelförderung werde, sei schließlich ungewöhnlich, so Meisel.

Ausblick: Marketing und Medienpräsenz verbessern

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Zu Meisels Rechten nahmen Dr. Ursula Herdt (GEW) und Dr. Theo Wolsing (Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen) Platz.

Zu Meisels Rechten nahmen Dr. Ursula Herdt (GEW) und Dr. Theo Wolsing (Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen) Platz.

Welche Erwartungen an die Weiterbildungstester mit der in Aussicht gestellten Regelförderung zu stellen seien, wollte Meisel dann in der zweiten Hälfte der Diskussion von seinen Gesprächspartnern erfahren. Dabei zeigte sich, dass die Diskutanten einige konkrete Vorschläge in petto hatten, was die Stiftung Warentest mit ihren Weiterbildungstests fürderhin anstreben sollte.

So wünschte sich zum Beispiel Dr. Theo Wolsing, dass die Weiterbildungstester in Zukunft ihre Publikationen zielgerichteter platzieren und ihr Marketing verbessern. „In dieser Hinsicht haben sich Weiterbildungstests bislang unter Wert verkauft“, sagte Wolsing. Insgesamt müsse das Ziel sein, den Weiterbildungsmarkt transparenter zu machen und den Verbrauchern die Bedeutung adäquater Beratung zu vermitteln, so Wolsing.

Carla-Maria Cremer forderte die Berücksichtigung regionaler Schwerpunkte in zukünftigen Veröffentlichungen. “Beim Lesen der Weiterbildungstests-Publikationen habe ich regelmäßig das Gefühl, die Republik ende bei den Hamburger Stadtgrenzen“, kritisierte die in Schleswig-Holstein tätige Bildungsexpertin.

Dr. Ursula Herdt wünschte sich weitere Untersuchungen zum Thema Beratung und forderte, auch die Belange benachteiligter Personengruppen, zum Beispiel der Langzeitarbeitslosen oder des Weiterbildungspersonals, zu berücksichtigen. Darüber hinaus bedauerte sie, dass das Neutralitätsgebot der Stiftung Warentest pointierte Äußerungen zu politischen Entwicklungen nicht zulasse. „Das ist ein Problem, da man auch Ursachen für Fehlentwicklungen benennen muss“, sagte Herdt.

Mit ihrer Forderung nach langfristigeren Forschungsvorhaben zum Thema Weiterbildung, um zum Beispiel mehr über Wirkungsfaktoren von Weiterbildung oder den beruflichen Verbleib von Weiterbildungsteilnehmern zu erfahren, war die Gewerkschafterin dann ganz auf einer Linie mit Dr. Knut Diekmann. Der Wirtschaftsvertreter wünschte sich darüber hinaus – im Sinne einer Stärkung der Verbrauchersouveränität – mehr allgemein gültige Verbrauchertipps, die von konkreten Themen für einen eingeschränkten Personenkreis abstrahieren. Die Berücksichtigung ganz bestimmter Zielgruppen, zum Beispiel Fach- und Führungskräften, sei ebenfalls notwendig, sagte Diekmann.

„Das Projekt war erfolgreich, weil es Wege gezeigt hat, wie Weiterbildungsangebote nach Qualitätskriterien zu beurteilen sind“, resümierte Professor Dr. Klaus Meisel abschließend die Diskussionsrunde. Nun sei mit Spannung zu erwarten, ob es den weiteren Erwartungen – zum Beispiel der notwendigen Erhöhung seines Bekanntheitsgrades – entspreche. Worauf Meisel Gastgeber Dr. Werner Brinkmann zum Schlusswort bat. Der stellte in Aussicht, die Anregungen der Bildungsexperten zumindest in Teilen folgen zu wollen. So sagte er zur Kritik an der Medienpräsenz und dem Marketing von Weiterbildungstests, dass man „dem nachgehen“ müsse und werde.

In Reaktion auf den während der Tagung des öfteren zu hörenden Wunsch, Weiterbildungstests möge in Zukunft mehr beackern als das vergleichsweise kleine Feld der beruflichen Weiterbildung, sah Brinkmann hingegen die Politik in der Pflicht: „Wenn es eine Ausweitung geben soll, dann muss diese nicht nur quantitativ, sondern auch organisatorisch erfolgen. Dazu braucht es den politischen Willen“, sagte Brinkmann.

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