Abschluss von Lebensversicherungen Special

Irreführende Namen, undurchsichtige Verträge – bei der Auswahl einer Lebens- oder Rentenversicherung drohen folgenreiche Fehler.

Bei der Postbank gibt es nicht nur Girokonten und Sparbücher, sondern auch Altersvorsorgeverträge wie Riester- oder Rürup-Renten. Wer einen abschließen will, sollte vorsichtig sein: In der Filiale werden teurere Produkte verkauft als im Internet. Zu erkennen ist das nicht, wie Finanztest berichtete (siehe Meldung „Rentenversicherungen“ aus Heft 01/2011). Die Angebote heißen gleich. Die Riester-Renten haben sogar identische Zertifizierungsnummern.

Das sei nicht zu beanstanden, so lange die Fördervoraussetzungen erfüllt seien, erklärt die Aufsichtsbehörde, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) gegenüber Finanztest. Die Versicherungsunternehmen dürfen ihre Tarife also nennen, wie sie möchten, auch alle gleich oder ganz ähnlich. Die in Wiesbaden ansässige Interrisk hat zum Beispiel eine kostengünstige Rentenversicherung gegen Einmalbeitrag „SLR3“ im Programm. Die gibt es allerdings nur, wenn ein Kunde bei der Interrisk anruft. Loggt er sich dagegen im Internet bei dem Anbieter ein, um den Vertrag dort vorzubereiten, landet er beim Tarif „ALR3“. Hier sind die Kosten höher.

Schon beim Namen des Unternehmens müsse man höllisch aufpassen, sagt Versicherungsberater Rüdiger Falken aus Hamburg. Falken: „Die Ergo Leben ist nicht die Ergo Direkt, der Leistungsunterschied ist gravierend.“

Makler Helge Kühl aus Neudorf rät, Unterlagen lieber zweimal zu kontrollieren, um nicht beim falschen Produkt zu landen. Einziger Hinweis auf eine Variante sei manchmal ein kleiner Buchstabe in den Bedingungen. Kühl selbst vertreibt keine Versicherungen zum Sparen mehr wie Kapitallebens- oder Rentenversicherungen: „Das will ich meinen Kunden nicht antun. Die Renditen sind zu mager.“ Hauptstandbein von Kühl sind heute Berufsunfähigkeitsversicherungen.

Mit „Klassik“ in Fonds gelockt

Makler Dirk Steinmetz aus Berlin verkauft noch Lebensversicherungen als Geldanlage: „Aber nur von einer Handvoll Unternehmen. Die anderen sind zu schlecht.“ Um Fondspolicen mache sein Büro einen Bogen. „Die kriegt bei uns nur, wer darauf besteht.“ Wütend wird Steinmetz, wenn der Name einer Police Kunden absichtlich in die Irre führt: „Zum Beispiel bei der Axa mit ihrem Twin-Star-Produkt, das mit dem Wort ,Klassik‘ hantiert, aber eine Fondspolice ist.“

„Klassisch“ heißen sonst Verträge, in denen die Versicherer das Geld überwiegend verzinst anlegen. Nur hier gibt es einen kleinen Garantiezins. Der Kunde kann kein Geld verlieren, sofern er nicht vorzeitig aussteigt, mit einer Fondspolice dagegen schon.

Besonders Ältere brauchen Sicherheit, wenn es um ihre Altersvorsorge geht, also keine Fondspolicen. Eine vage Chance auf höhere Erträge durch Fonds rechtfertigt diese Verträge aber auch nicht für jüngere Sparer. Bei diesen Policen sind die Fonds meistens mäßig, die Kosten aber fast immer sehr hoch. Das rechnet sich nicht.

Nur Rentenversicherung ohne Fonds

Lebens- und Rentenversicherungen werfen wenig ab, sind schwer durchschaubar und unflexibel. Trotzdem haben viele Leute eine. Nach Angaben der Branche laufen derzeit über 90 Millionen Verträge, knapp 14 Millionen sind Fondspolicen. Man sollte wissen, von welchem Produkt ein Vermittler redet, und bewusst aussuchen. In die engere Wahl kommt nur eine wirklich klassische Variante mit Garantiezins und lieber eine Renten- als eine Kapitallebensversicherung.

Nur in einer Rentenversicherung hat der Kunde am Ende ein Kapitalwahlrecht und kann zwischen einer Einmalzahlung und einer Rente wählen. Die Einmalzahlung muss er allerdings rechtzeitig anfordern und die Frist in seinem Vertrag beachten.

Eine Kapitallebensversicherung zahlt immer einen einmaligen Betrag, nie eine Rente. Dafür bietet sie noch eine Leistung im Todesfall, falls der Kunde vor Fälligkeit stirbt. Die gibt es in der Rentenversicherung nicht oder kaum. Eine ausreichende Absicherung der Angehörigen lässt sich jedoch ohnehin besser über eine preisgünstige Risikolebensversicherung erreichen (siehe Test „Risikolebensversicherung“ aus Finanztest 04/2010).

Vorteil einer klassischen Sparpolice ist ihre Bequemlichkeit. Für einen Single, der nichts vererben muss und sich um möglichst wenig kümmern will, oder für Selbstständige als Baustein ihrer Vorsorge kommt ein Abschluss infrage. Sie sollten aus dem Vertrag dann aber das Beste herausholen.

Eine Rentenversicherung können Interessenten auch noch zu Beginn ihres Ruhestandes mit einer Einmalzahlung als Sofortrente kaufen, das Geld dafür also anderweitig zusammentragen. Beide Varianten – die ansparende und die Sofortrente – bringen ihnen lebenslange Zahlungen und nur ein geringer Teil davon ist steuerpflichtig.

Für die Sofortrente anstelle der ansparenden spricht, dass ein Mensch mit Mitte 60 seine Lebenserwartung besser beurteilen kann als ein 30-Jähriger, der sich auf einen lang laufenden Sparvertrag einlässt. Und der Mittsechziger kennt auch seinen Bedarf an regelmäßigen Auszahlungen genauer.

Auswahl treffen

Niemand sollte das erstbeste Angebot für eine Rentenversicherung akzeptieren. Denn schließlich geht es meist um eine größere, langfristige Geldanlage. Die Wahl eines schlechten Anbieters, falschen Tarifs oder ungünstiger Konditionen ist folgenreicher als der Kauf eines schlechten Handys oder die Auswahl eines teuren Stromanbieters.

Kann man selbst Angebote vergleichen? Teilweise ja. Über die Höhe der garantierten Rente lässt sich zumindest herausfinden, ob ein Angebot kostengünstig ist. Durch gleichlautende Anfragen – gleicher Beitrag, gleiche Laufzeit, keine Zusatzversicherungen, gleiche Zahlungsweise – kann man die garantierte Anfangsrente verschiedener Anbieter auf Euro und Cent vergleichen. Die Anbieter rechnen alle mit dem gleichen Garantiezins und in etwa auch mit der gleichen Lebenserwartung. Deshalb führen einzig die unterschiedlichen Kosten zu verschiedenen Ergebnissen. Jeder Kunde hofft natürlich, dass er einmal mehr als die garantierte Rente bekommt. Wie viel das sein wird, hängt vor allem davon ab, wie erfolgreich sein Anbieter am Kapitalmarkt investiert. Finanztest prüft in seinen Tests den Erfolg der vergangenen Jahre am Kapitalmarkt, soweit er den Kunden zugute kommt (siehe „Unser Rat“).

Renditekiller ausschalten

Ist ein Angebot gefunden, kommt es noch darauf an, den Vertrag richtig zu gestalten. Wichtig ist es etwa, Ratenzahlungszuschläge durch eine jährliche statt monatliche Zahlung des Beitrags zu umgehen.

Auf keinen Fall sollte der Vertrag eine Zusatzleistung bei Tod durch Unfall enthalten. Angehörige brauchen nicht mehr Geld, wenn jemand durch Unfall stirbt als durch Krankheit. Die Versicherer lassen sich diese Extrazusage aber sehr gut bezahlen.

Eine kleine Todesfallleistung ist die Rentengarantiezeit, bis zu deren Ende die Rente weiter ausgezahlt wird, auch wenn der Versicherte gestorben ist. Und in der Garantiezeit können Kunden bei immer mehr Anbietern ihr Geld auch selbst wieder abheben. Doch je länger diese Frist ist, desto mehr von der Einzahlung geht dafür drauf.

Zu überlegen ist der Einschluss einer Beitragsbefreiung bei Berufsunfähigkeit. Sie ist oft nicht teuer und stellt sicher, dass dieser Teil der Geldanlage sich auch bei Berufsunfähigkeit weiter entwickelt.

Unterschied von 20 000 Euro

Dass sich die Mühe lohnt, zeigt ein Beispiel, das Versicherungsberater Falken aus Hamburg ausgerechnet hat: „Ein günstiger Anbieter garantiert einem 31-jährigen Kunden, der 35 Jahre lang in eine klassische Rentenversicherung jährlich 1 200 Euro einzahlt, am Ende knapp 62 000 Euro als Kapitalabfindung. Zahlt der Kunde das gleiche Geld in Monatsraten von 100 Euro bei einem teuren Anbieter in eine Kapitallebensversicherung mit Unfalltod-Zusatz ein, sind ihm am Ende nur knapp 42 000 Euro sicher. Das sind 20 000 Euro weniger!“

Dieser Artikel ist hilfreich. 1115 Nutzer finden das hilfreich.