Abruf­kredite Test

Ein Abruf­kredit ist wie ein Dispo auf einem Extra­konto. Das verschafft Über­blick, zudem sind die Zinsen meist geringer.

Abruf­kredit? Nie gehört! So geht es den meisten Leuten. Dabei ist es eine tolle Idee: Ein Abruf- oder Rahmenkredit ist so flexibel wie ein Dispo, aber meist güns­tiger. Leider – oder vielleicht gerade deshalb – sind Abruf­kredite wenig verbreitet. Nur 11 der 139 von uns untersuchten Banken bieten sie an.

Bei einem Abruf­kredit handelt es sich um ein Kredit­konto, das der Kunde bis zu einem bestimmten Betrag über­ziehen kann. Für die Tilgung fordern manche Banken Mindest­raten, sie lassen aber Sondertilgungen in beliebiger Höhe zu. Kunden können den Kredit jeder­zeit wieder neu bis zum vereinbarten Rahmen in Anspruch nehmen.

Die von uns untersuchten Abruf­kredite sind nicht an eine Bank- oder Kreditkarte gekoppelt. Für Freiberufler sind sie in vielen Fällen die einzige Möglich­keit, einen Kredit­rahmen zu bekommen.

Das Ganze ist auch noch günstig. Die Zinsen für die Abruf­kredite beginnen bei knapp 5 und liegen meist unter 10 Prozent. Sie sind im Durch­schnitt deutlich nied­riger als Dispozinsen.

Das beste Angebot macht derzeit die Volks­wagen Bank. Ihr Comfort­Credit Online kostet nur 4,88 Prozent pro Jahr. Der Zins­satz ist aber bis zum 15. Oktober befristet. Drei Banken liegen zwischen 6 und 7 Prozent: Das sind die Allgemeine Beamtenkasse, die PSD Bank Hannover und die ING-Diba.

Für Dispokredite verlangen die Banken bis zu 15 Prozent pro Jahr, die meisten kassieren immerhin noch zwischen 9 und 14 Prozent, nur wenige sind güns­tiger (siehe Produktfinder Dispozinsen).

Für den besseren Über­blick

Auch der Dispokredit ist ja keine schlechte Erfindung. Wenn das Geld nicht reicht, um alles zu bezahlen, über­zieht man. Kommt wieder Geld herein, zahlt man den Kredit auto­matisch zurück. Problematisch ist aber, dass der Dispo so unüber­sicht­lich ist. Im Wust der Buchungen verliert man schnell den Über­blick, wie viel Soll aufgelaufen ist.

Das Abruf­kredit­konto nimmt hingegen nur die Buchungen auf, die im Zusammen­hang mit dem Kredit stehen. Gleich­zeitig ist es flexibler als ein Raten­kredit.

Der Raten­kredit ist der sonst übliche Weg für Leute, die dauer­haft im Dispo stecken, ihre Finanzen zu ordnen. Monat für Monat fällt die gleiche Rate an. Sondertilgungen sind hier in der Regel nicht möglich. Und wenn es zwischen­zeitlich klemmt, kann man den Raten­kredit auch nicht neu in Anspruch nehmen.

Abruf­kredite gibt es für Beträge zwischen 300 und 50 000 Euro. Viele Banken setzen den Kredit­rahmen bei mindestens 2 500 Euro fest, die ING-Diba und die VW Bank (online) fangen bei 5 000 Euro an. Das heißt nicht, dass der Kunde den vollen Betrag in Anspruch nehmen muss. Er muss auch nur für den genutzten Betrag Zinsen zahlen.

Welchen Kredit­rahmen der Kunde letzt­lich bekommen kann, hängt in jedem Fall von seiner Kreditwürdig­keit ab.

Teuer bei der Deutschen Bank

Die Zins­sätze für die Kredite sind höchst unterschiedlich. Während die Allgemeine Beamtenkasse mit 6,55 Prozent eines der güns­tigsten Angebote macht, verlangt die Deutsche Bank mit 12,75 Prozent fast das Doppelte. Die Oyak Anker Bank setzt den Zins je nach Kreditwürdig­keit des Kunden zwischen 7,5 und 9,5 Prozent pro Jahr fest.

Die Banken können die Zinsen ähnlich wie Dispozinsen während der Lauf­zeit ändern. Einige koppeln ihre Zins­sätze an den Leitzins der Europäischen Zentral­bank, etwa die C & A-Bank oder die Santander Consumer Bank. Die PSD Bank Hannover zum Beispiel richtet sich nach dem 3-Monats-Euribor, einem kurz­fristigen Kapitalmarkt­zins. Sie hat ihren Kreditzins Ende März von 5,95 auf 6,3 Prozent und im Juni auf 6,55 Prozent erhöht.

Die in unserer Tabelle angegebenen Soll­zins­sätze für Abruf­kredite sind mit den Zinsen von Dispokrediten vergleich­bar.

Der effektive Zins liegt höher als der Soll­zins­satz. Das liegt daran, dass die Banken die Zinsen nicht nur einmal im Jahr, sondern vierteljähr­lich oder monatlich verrechnen.

In den Effektivzins müssen auch Bearbeitungs­gebühren einge­rechnet werden. In unserem Test verlangen nur zwei Banken eine solche Gebühr. Die Deutsche Bank kassiert 1 Prozent, die Oyak Anker Bank sogar 3 Prozent für jede Verfügung, wenn der Kredit nicht online abge­schlossen wird.

Wie hoch der effektive Zins ist, hängt davon ab, wie der Kunde seinen Kredit tilgt. Für unsere Berechnung sind wir von einem Kredit von 5 000 Euro ausgegangen, der in gleich­mäßigen Raten nach 48 Monaten zurück­gezahlt wird. Auf diese Weise können Kunden den Effektivzins für den Abruf­kredit am Zins für einen vergleich­baren Raten­kredit messen und fest­stellen, ob ein Raten­kredit für sie doch güns­tiger wäre.

Wir haben in den tatsäch­lichen Zins auch andere Gebühren einge­rechnet. Deshalb ist der „Dispokredit Premium“ der C & A Bank so teuer: Zwar liegt der Soll­zins mit 7,7 Prozent deutlich unter den 8,63 Prozent ihres „Dispokredits Stan­dard“. Durch die Jahres­gebühr von 30 Euro steigt der Zins für vier Jahre aber auf tatsäch­liche 9,09 Prozent.

Wer den Kredit nur ein Jahr braucht, fährt mit dem Premium-Kredit aber billiger.

Rück­zahlung nach eigenem Wunsch

Die Abruf­kredite sind nahezu beliebig tilg­bar. Bei der ING-Diba zum Beispiel müssen die Kunden allerdings zumindest zurück­zahlen, was an Zinsen anfällt, mindestens jedoch 50 Euro. Die meisten anderen Institute verlangen als Mindest­rate 2 Prozent des verfügten Betrags.

Wer will – oder muss –, kann den Kredit oder auch nur einen Teil­betrag jeder­zeit neu in Anspruch nehmen.

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