Abruf­kredit Test

Die Zinsen für einen Abruf­kredit sind oft viel güns­tiger als die für den Dispokredit. Der Kunde vereinbart mit der Bank einen Rahmen, den er nach Bedarf ausschöpft.

Wie schön wäre es, wenn man sich immer dann günstig Geld leihen könnte, wenn man gerade knapp bei Kasse ist. Vielleicht fehlen für das Traum­auto nur noch wenige tausend Euro oder es herrscht einfach kurz­fristig Ebbe auf dem Konto.

Solch einen Kredit gibt es nicht? Doch, aber nur wenige Banken bieten ihn an. Wir haben bei 151 Kredit­instituten nachgefragt. Nur 15 Banken haben einen Abruf- oder Rahmenkredit im Programm, darunter ein paar sehr gute Angebote.

Abruf­kredit Test

Wie funk­tioniert ein Abruf- oder Rahmenkredit?

Der Kredit funk­tioniert wie ein Dispokredit, aber ohne Giro­konto. Sie eröffnen ein Kredit­konto und rufen nach Bedarf beliebige Beträge ab. Ihre Grenze ist der Rahmen, den Sie mit der Bank vereinbart haben. Je nach Bank ist ein Kredit­rahmen bis zu 10 000 Euro oder 50 000 Euro möglich.

Für die Tilgung fordern die Banken oft Mindest­raten. Bei der Hamburger Sparkasse müssen Sie 2 Prozent vom aktuellen Kredit­betrag im Monat abzahlen, mindestens aber 10 Euro. Die Bank11direkt verlangt eine Tilgung von 1 Prozent des Kredit­rahmens.

Selbst fest­legen können Sie die Höhe der Rück­zahlung bei der Allgemeinen Beamten Kasse, der ING-Diba und der BBBank. Bei allen Banken im Test können Sie Sondertilgungen in beliebiger Höhe leisten oder den Kredit voll­ständig ablösen.

Sie können den Kredit jeder­zeit neu nutzen, solange Sie im Rahmen bleiben.

Die Flexibilität muss ich bestimmt mit hohen Zinsen bezahlen, oder?

Nein, Abruf- oder Rahmenkredite sind meist güns­tige Darlehen. Die Zinsen der güns­tigen Banken in unserem Test liegen unter 6 Prozent. Für den teuersten Kredit werden 12,50 Prozent (Valovis Bank) fällig.

Sie müssen aber aufpassen: Die Zinsen sind meist flexibel und können sich während der Lauf­zeit mit den Markt­zinsen verändern.

Die Bank11direkt legt für die ersten zwölf Monate einen Soll­zins von 4,75 Prozent fest. Danach steigt er auf 7,71 Prozent, was bei einer Lauf­zeit von 48 Monaten zu einer effektiven Verzinsung von 7,2 Prozent führt.

Welche Bank hat denn das beste Angebot im Test?

Geht man allein nach dem Effektivzins, wäre das die Förde Sparkasse mit 4,59 Prozent. Diesen Zins bekommen aber nur Kunden mit bester Bonität. Wie man die erreicht, ist unklar. Vorn dabei ist auch die PSD Bank Hannover mit 6,65 Prozent. Beide Angebote sind zudem nur für Kunden aus der Region.

Das beste bundes­weite Angebot für Angestellte macht die ING-Diba mit 6,70 Prozent. Nur knapp dahinter steht die Allgemeine Beamten Kasse mit 6,75 Prozent (öffent­licher Dienst). Kleiner Plus­punkt: Der Zins­satz ist für vier Jahre fest­geschrieben.

Brauche ich für den Abruf­kredit ein Giro­konto bei derselben Bank ?

Nein. Die in der Über­sicht auf Seite 16 genannten Banken vergeben den Abruf­kredit unabhängig davon, ob Sie dort ein Giro­konto eröffnen oder bereits eine andere Verbindung zur Bank haben. Eine Ausnahme macht die Sparkasse Holstein, wo Sie ein Referenz­konto eröffnen müssen. Das kostet je nach Konto­modell bis zu 7,50 Euro Konto­führungs­gebühr im Monat.

Alle Banken prüfen, ob Sie kreditwürdig sind. Damit verbunden ist eine Meldung an die Schufa, die Schutz­gemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung. Bei vier Banken hängt die Höhe der Zinsen von der Bonität des Kunden ab, also von der Wahr­scheinlich­keit, mit der er seinen Kredit ordnungs­gemäß zurück­zahlen wird.

Genau wie den Dispokredit zum Giro­konto kann ich den Abruf­kredit bei Bedarf in Anspruch nehmen. Wo ist denn der Unterschied?

Da der Dispokredit an Ihr Giro­konto gekoppelt ist, können Sie sich nicht das güns­tigste Angebot aussuchen. Die Angebote für einen Abruf­kredit können Sie vergleichen und sich das beste aussuchen.

Ein Dispokredit ist fast immer teurer als ein Abruf­kredit. Manche Banken verlangen mehr als 13 Prozent für den Dispo, im Schnitt sind es rund 11 Prozent. Nur wenige sind güns­tiger. Die Dispozinsen von fast 1 600 Banken finden Sie in unserem Produktfinder Dispozinsen.

Einen Raten­kredit bekomme ich zu ähnlich güns­tigen Zinsen wie einen Abruf­kredit, was spricht gegen ihn?

Bei einem Raten­kredit müssen Sie eine Kreditsumme bestimmen und monatlich eine fest­gelegte Rate zurück­zahlen. Wollen Sie mehr zurück­zahlen, verlangt die Bank eine Vorfälligkeits­entschädigung für die entgangenen Zinsen.

Der Abruf­kredit ist flexibler als der Raten­kredit. Sie müssen sich nicht auf einen Kredit­betrag fest­legen, sondern vereinbaren nur eine Ober­grenze. Danach rufen Sie immer so viel Geld ab, wie Sie tatsäch­lich brauchen, und zahlen auch nur dafür Zinsen.

Sie tilgen den Kredit im Rahmen Ihrer Möglich­keiten: entweder jeden Monat ein biss­chen oder alles auf einen Schlag oder auch mal einen Monat gar nichts, sofern Ihre Bank das zulässt.

Bekommen auch Selbst­ständige und Freiberufler einen Abruf­kredit?

Ja, aber nur bei vier Banken in unserem Test. Menschen ohne regel­mäßiges Einkommen haben es grund­sätzlich schwer, einen Bank­kredit zu bekommen. Da sind Abruf- oder Rahmenkredite sogar die einzige Möglich­keit, finanzielle Lücken zu über­brücken.

Ist eine Kreditkarte mit Teilzahlungs­funk­tion eine Alternative für den Abruf­kredit?

Nein, Sie bekommen mit der Kreditkarte aufgrund Ihrer guten Kreditwürdig­keit einen Kredit­rahmen einge­räumt und müssen monatlich nur einen Teil­betrag Ihrer Ausgaben zurück­zahlen. Allerdings sind die Zinsen für den ausstehenden Betrag sehr hoch. Sie liegen weit über 10 Prozent, in der Spitze bis 17 Prozent. Das ist viel teurer als ein Abruf­kredit.

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