Abofalle im Internet Meldung

Nutzer des Internet­dienstes „Top of Software“ erhalten derzeit Anwalt­spost aus Osnabrück. Sie sollen 96 Euro für ein weiteres Abo-Jahr zahlen. Dabei macht der mahnende Anwalt Druck mit fragwürdigen Argumenten. test.de erklärt, welche Rechte Opfer von Abofallen haben.

In die Kostenfalle getappt

Theresa Abels ist vor zwei Jahren Opfer einer Kostenfalle geworden. Ihr Fall ist typisch: Sie meldete sich mit ihren Adress­daten auf der Internetseite top-of-software.de an, um über einen Link ein Computer­programm herunter­zuladen. Der Hinweis, dass mit der Anmeldung ein zweijäh­riger Vertrag zustande kommt und pro Jahr 96 Euro zu zahlen sind, war für sie unscheinbar. Trotzdem zahlte sie nach Aufforderung 96 Euro für das erste Jahr.

Noch mehr Geld verlangt

Abofalle im Internet Meldung

Theresa Abels, 20, aus Köln lässt sich von Drohungen nicht einschüchtern

Aber jetzt verlangt der Rechts­anwalt Nikolai Fedor Zutz mit seinem „Aninos Anwalts-inkasso Osnabrück“ auch für das zweite Vertrags­jahr Geld von Theresa Abels – und setzt sie mit teil­weise fragwürdigen Argumenten unter Druck. In einem Brief behauptet er, mit der Zahlung für das erste Jahr habe sie den Anspruch für beide Jahre anerkannt. Die Recht­sprechung des Bundes­gerichts­hofs, wonach allein die vorbehaltlose Zahlung noch kein Anerkennt­nis darstellt (Az. VIII ZR 265/07), kennt er offen­bar nicht.

Vertrag widerrufen oder anfechten

Ob Personen, die sich angemeldet haben, zahlen müssen, ist äußerst fraglich. Nach Ansicht des Heidel­berger Anwalts Sebastian Dosch kommt durch die Anmeldung kein mit Kosten verbundener Vertrag zustande. „Zumindest kann man ihn widerrufen beziehungs­weise wegen arglistiger Täuschung anfechten“, sagt Dosch. Auf top-of-software.de sei zwar ein Kostenhin­weis zu sehen, er sei aber für die Situation zu unscheinbar. Denn über Top of Software verlinkte Programme sind beim Hersteller direkt meist kostenfrei erhältlich. Dass sie über Top of Software plötzlich Geld kosten, erwartet niemand.

Tipp: Auf www.vorsicht-im-netz.de finden Sie unter „Download“ ein Formular, das Ihnen hilft, der Forderung zu wider­sprechen. Vorsichts­halber sollten Sie den „Vertrag“ zudem „hilfs­weise“ kündigen. Beantragt der Betreiber der Seite einen gericht­lichen Mahn­bescheid, müssen Sie nach Erhalt des Bescheids inner­halb von zwei Wochen wider­sprechen. Der Fall von Theresa Abels ist kein Einzel­fall. Seit Jahren klagen viele Internetnutzer, dass sie wegen nicht nach­voll­zieh­barer Forderungen von Inkasso­firmen und Anwälten bedrängt werden. Das Bundes­justiz­ministerium plant jetzt deutlich schärfere Gesetze gegen Inkasso-Abzocker.

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