Abgeltungsteuer Meldung

Gesetz in Sicht: Finanzminister Peer Steinbrück will ab dem Jahr 2009 Kapitalerträge und Verkaufsgewinne einheitlich besteuern.

Ab 2009 will die Regierung 25 Prozent Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge und Verkaufsgewinne kassieren. Finanztest beantwortet Fragen zur geplanten Abgabe.

Wer muss die neue Abgeltungsteuer zahlen?

Die Steuer werden alle zahlen müssen, die ab Januar 2009 Kapitalerträge wie Zinsen und Dividenden oberhalb des neuen Sparerpauschbetrags von 801 Euro für Alleinstehende (1 602 Euro für Ehepaare) erzielen. Der Pauschbetrag setzt sich aus dem heutigen Sparerfreibetrag (750/1 500 Euro) und der Werbungskostenpauschale (51/102 Euro) zusammen.

Die Bundesregierung will für Erträge, die über die Grenze hinausgehen, die einheitliche Abgeltungsteuer von 25 Prozent kassieren. Hinzu kommen Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer.

Die neue Steuer wird aber auch auf Gewinne aus Wertpapierverkäufen fällig. Anleger werden beispielsweise in Zukunft von Kursgewinnen aus dem Verkauf von Aktien oder Investmentfonds 25 Prozent an das Finanzamt abgeben müssen.

Bedeutet die neue Abgabe auf Kapitalerträge, dass ich wieder einmal mehr zahlen muss?

Nicht unbedingt. Von manchen Änderungen können Sie sogar profitieren.

Angenommen, Sie sind nicht verheiratet und haben im Jahr Zinserträge von 2 000 Euro. Dann wird Ihre Bank ab 2009 für die 1 199 Euro oberhalb der Steuerfreigrenze (2 000 Euro – 801 Euro Sparerpauschbetrag) die neue Abgeltungsteuer von 25 Prozent an das Finanzamt überweisen. Das wären 299,75 Euro. Dazu kommen 16,48 Euro Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer.

Heute müssen Sie Ihre Zinserträge oberhalb der Freigrenze zu Ihrem persönlichen Steuersatz beim Finanzamt abrechnen. Liegt Ihr Satz über 25 Prozent, haben Sie durch die neue Abrechnung einen Vorteil.

Ich habe ein geringes Einkommen und zahle insgesamt wenig Steuern. Muss ich auf meine Zinsen trotzdem die Abgeltungsteuer zahlen?

Die Bank wird für die Zinsen über dem Sparerpauschbetrag zunächst die Abgeltungsteuer von 25 Prozent an das Finanzamt überweisen. Ist Ihr persönlicher Steuersatz niedriger, können sie in der Steuererklärung die Differenz zurückfordern. Das Finanzamt prüft dann, ob Sie tatsächlich Anspruch auf eine Erstattung haben.

Anleger, die einen persönlichen Steuersatz von mehr als 25 Prozent haben, müssen für ihre Kapitalerträge aber keine weiteren Steuern zahlen.

Ich habe gelesen, dass für Dividenden das Halbeinkünfteverfahren entfallen soll. Was bedeutet das?

Bisher ist nur die Hälfte Ihrer Dividenden steuerpflichtig. Diesen Anteil versteuert das Finanzamt nach Abzug des Sparerfreibetrags und der Werbungskosten mit Ihrem persönlichen Steuersatz. Ab 2009 soll die Dividende komplett steuerpflichtig sein. Sie werden daher den Sparerpauschbetrag schneller überschreiten. Für das, was über der Steuerfreigrenze liegt, sollen Sie 25 Prozent Steuern zahlen.

Wenn künftig die komplette Dividende für das Finanzamt interessant ist, stehe ich als Anleger also auf jeden Fall schlechter da, oder?

Nein, Sie können sogar besser dran sein als heute, weil ab 2008 die Körperschaftsteuer für Unternehmen von 25 auf 15 Prozent gesenkt werden soll.

Wenn die Gesellschaften diesen Vorteil an die Anleger weitergeben, kann die Dividende für diese selbst nach dem neuen Steuerabzug 2009 noch höher sein als heute. Wir zeigen das am Beispiel eines Unternehmens, das 1 200 Euro Dividende ausschüttet. Der Anleger hat einen persönlichen Steuersatz von 42 Prozent:

Dividenden: / Aktuelles Recht / Neues Recht

Dividende vor Steuern: 1 200 Euro / 1 200 Euro
– Körperschaftsteuer / (25 Prozent) / (15 Prozent)
Ausgezahlte Dividende: / 900 Euro / 1 020 Euro

Steuerpflichtig: / 450 Euro / 1 020 Euro
Steuerpflichtig: / (42 Prozent) / (25 Prozent)
Zu zahlende Steuer: / 189 Euro / 255 Euro
Dividende nach Steuern: / 711 Euro / 765 Euro

Seit 2006 zahle ich in eine Kapitallebensversicherung ein, die mir in 20 Jahren mit 65 ausgezahlt wird. Gilt die neue Steuer für diesen Vertrag?

Nach dem aktuellen Stand soll sich bei Lebensversicherungen nichts ändern. Da Sie Ihre Police nach 2004 abgeschlossen haben, sind die Erträge zur Hälfte steuerpflichtig, wenn der Vertrag eine Laufzeit von mindestens zwölf Jahren hat und das Geld nach dem 60. Geburtstag ausgezahlt wird. Diese Erträge müssen Sie voraussichtlich weiterhin mit Ihrem persönlichen Steuersatz versteuern.

Zunächst sollte die Abgeltungsteuer auch für Lebensversicherungen gelten. Da meist nur die Hälfte der Erträge steuerpflichtig ist, wären sie dann aber gegenüber anderen Anlagen bevorzugt gewesen.

Seit ein paar Jahren vermiete ich eine Eigentumswohnung. Ändert sich etwas für mich?

Nein, für Mieteinkünfte und Gewinne aus dem Verkauf einer Immobilie gilt die Abgeltungsteuer nicht. Auch die Spekulationsfrist von zehn Jahren für den Verkauf bleibt wie gehabt. Verkaufen Sie nach Ablauf der Frist, bleibt der Erlös steuerfrei.

Vor kurzem habe ich Aktienfondsanteile gekauft, die ich eigentlich noch zehn Jahre halten möchte. Muss ich sie nun schon bis Ende 2008 verkaufen, wenn ich auf die Verkaufserlöse keine Steuern zahlen will?

Nein, für Verkaufsgewinne aus Wertpapieren wie Aktien, Zertifikate ohne Garantie oder Fonds soll das neue Recht nicht gelten, wenn Sie die Papiere bis zum 31. Dezember 2008 kaufen und mindestens ein Jahr lang behalten. Nur wenn Sie vor Jahresfrist verkaufen, müssen Sie die Erträge beim Finanzamt abrechnen.

Veräußerungsgewinne aus Aktien, Zertifikaten oder Fondsanteilen, die Sie erst ab 2009 erwerben, werden Sie dagegen immer mit 25 Prozent versteuern müssen, egal wie lange sie im Depot waren.

Nach den jetzigen Plänen trifft dies auch auf Fondssparpläne zu. Für Fondsanteile, die ab 2009 gekauft werden, gelten dann die neuen Regeln, selbst wenn der Sparplan schon länger läuft.

Was passiert, wenn ich in Zukunft mit meinen Wertpapiergeschäften Verluste mache?

Verluste aus Wertpapiergeschäften sollen Sie künftig nicht nur mit Gewinnen verrechnen können, sondern auch mit Kapitalerträgen wie Zinsen und Dividenden. Bleibt trotzdem ein Rest, können Sie ihn in die kommenden Jahre vortragen.

Wenn Sie bei mehreren Banken Depots haben und mindestens bei einer Bank Verlust machen, haben Sie zwei Möglichkeiten zur Auswahl: Sie können den Verlust direkt bei der Bank vortragen lassen. Oder Sie rechnen ihn mit der Steuererklärung beim Finanzamt ab. Dann wird er mit den Gewinnen bei anderen Banken verrechnet.

Nach bisher geltendem Recht ist es nicht möglich, Verluste aus Wertpapiergeschäften mit Kapitalerträgen zu verrechnen: Die Verluste aus Wertpapiergeschäften können nur von Gewinnen aus Wertpapiergeschäften abgezogen werden.

Können die Anleger die Verluste nicht ausgleichen, verrechnen die Finanzbeamten sie mit Gewinnen aus dem Vorjahr. Den Rest tragen sie in künftige Jahre vor, bis er verrechnet ist. Anleger können den Vortrag auch gleich beantragen.

2002 habe ich an der Börse viel Geld verloren. Die Verluste trage ich immer noch in der Steuererklärung mit mir herum. Was passiert damit, wenn die neue Abgeltungsteuer kommt?

Das neue Recht bringt Ihnen einen Vorteil: Während einer Übergangsfrist bis 2013 will die Bundesregierung es Ihnen ermöglichen, auch Altverluste mit Kapitalerträgen wie Zinsen oder Erträgen aus der Kapitallebensversicherung zu verrechnen.

Ist es sicher, dass die Abgeltungsteuer wie geplant eingeführt wird?

Die Vertreter der großen Koalition haben sich auf den Gesetzentwurf zur Einführung der neuen Steuerregeln geeinigt. Bis Bundestag und Bundesrat zustimmen, sind aber noch Änderungen möglich.

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