Abgeltungsteuer: Sie fragen – wir antworten

Abgeltungsteuer Special

2009 wird die Abgeltungsteuer eingeführt. Wir beantworten einige der wichtigsten Fragen unserer Leser.

Wird die Abgeltungsteuer auf Kursgewinne fällig, wenn Eltern ihren Kindern nach 2008 Fondsanteile überschreiben, die sie vor dem Jahreswechsel angeschafft haben? Müssen die Kinder später Steuern auf die Kursgewinne zahlen, da die Papiere erst nach 2008 in ihren Besitz gelangen?

Die Banken müssen ab 2009 einen Depotübertrag auf einen anderen Kunden als Verkauf und Neukauf der Wertpapiere werten. Der Kursgewinn der alten Wertpapierbestände ist aber nur steuerpflichtig, wenn die einjährige Spekulationsfrist noch nicht abgelaufen ist.

Eltern sollten ihrer Bank den Depotübertrag lieber als Schenkung anzeigen. Dann wird die Transaktion nicht als Verkauf, sondern als Schenkung abgerechnet. Die Wertpapiere werden in das Depot der Kinder übertragen und dort zu den alten Konditionen fortgeführt. Auf diese Art werden steuerfreie Kursgewinne der Eltern auf die Kinder übertragen und auch die weiteren Kursgewinne bleiben steuerfrei, selbst wenn die Kinder die Papiere erst nach Jahren verkaufen.

Allerdings muss die Bank die Schenkung dem Fiskus melden. Oberhalb der sehr hohen Freibeträge für die Kinder kann das Finanzamt Schenkungsteuer fordern.

Wie werden thesaurierende Fonds in Zukunft besteuert?

Thesaurierende Fonds nennt man Fonds, die laufende Erträge wie Zinsen oder Dividenden nicht an die Anleger ausschütten, sondern direkt wieder investieren. Die Erträge dieser Fonds müssen zum Ende jedes Geschäftsjahrs besteuert werden. Wie bei ausschüttenden Fonds führt die Depotbank ab 2009 für jeden Anleger jährlich pauschal 25 Prozent Abgeltungsteuer auf die laufenden Erträge an das Finanzamt ab.

Die verbleibenden Erträge thesaurierender Fonds fließen in das bereits vorhandene Fondsvermögen und erhöhen dessen Kurswert. Verkaufen Anleger ihre Fondsanteile, fallen auf die Kursgewinne 25 Prozent Abgeltungsteuer an. Die Bank zieht davon aber alle Steuern ab, die der Anleger ab 2009 bereits Jahr für Jahr bezahlt hat. Dadurch wird eine Doppelbesteuerung der laufenden Erträge vermieden.

Tipp: Für Anleger, die noch im Jahr 2008 einen Fonds kaufen, ist ein thesaurierender Fonds vorteilhaft, weil die laufenden Erträge nach Abzug der Steuern ins Fondsvermögen fließen. Die Kursgewinne, die Anleger im Laufe der Zeit mit den wiederangelegten Erträgen erzielen, bleiben auf Dauer steuerfrei.

Wer sich aus Steuergründen für einen thesaurierenden Fonds entscheidet, sollte einen in Deutschland aufgelegten kaufen. Solche Fonds sind am Länderkürzel „DE“ zu Beginn der Kennnummer des Wertpapiers (Isin) zu erkennen. Für thesaurierende Auslandsfonds kann die steuerliche Abwicklung beim Verkauf komplizierter werden.

Werden ausländische Fonds anders als inländische Fonds besteuert?

Nein, es gilt derselbe Steuersatz. Allerdings müssen Anleger die Auslandserträge über die Steuererklärung abrechnen, wenn sie ihr Depot bei der ausländischen Fondsgesellschaft oder einer ausländischen Bank führen. Der deutsche Fiskus kann ausländische Fondsgesellschaften nicht zwingen, für ihn Abgeltungsteuer abzuziehen.

Unterschiede kann es bei Auslandsfonds in der Frage geben, welche Erträge des Fonds steuerpflichtig sind.

  • Benennt die Fondsgesellschaft einen inländischen Vertreter, der dem deutschen Fiskus alle nach dem Transparenzgebot verlangten Steuerinformationen offenlegt, wird der Fonds wie ein inländischer besteuert.
  • Steuerliche Sonderregelungen gelten für Auslandsfonds, die keine Steuerinformationen an den deutschen Fiskus liefern. Dann sind neben Zinsen und Dividenden noch 70 Prozent der Kurssteigerung zwischen dem 1. Januar und 31. Dezember jedes Jahres steuerpflichtig.

Selbst wenn sich der Rücknahmepreis eines Fondsanteils in einem Jahr nicht ändert, nimmt der Gesetzgeber pauschal immer noch 6 Prozent des letzten im Kalenderjahr festgesetzten Rücknahmepreises als steuerpflichtigen Ertrag an.

Tipp: Wenn Sie einen Fonds aus unserem Dauertest wählen, vermeiden Sie die Strafsteuer. Die hier bewerteten Fonds ­geben Steuerinformationen an den deutschen Fiskus weiter.

Was passiert, wenn ein Fonds, in den man 2008 investiert hat, nach drei Jahren geschlossen wird? Werden die Anteile dann in andere Fonds umgeschichtet (Fondstausch)?

Bei einer Fondsschließung gelten die alten, vor 2009 angeschafften Anteile als verkauft und die Verkaufsgewinne sind steuerfrei. Dasselbe passiert beim Fondstausch. Die alten Papiere gelten als verkauft, die Gewinne bleiben steuerfrei. Die Kursgewinne der nach 2008 ausgetauschten Fondsanteile sind genauso wie die von neu gekauften beim späteren Verkauf steuerpflichtig.

Mein Aktiendepot führe ich bei einer deutschen Bank, die international tätig ist. Wenn ich nun diese Bank bitte, mein Aktiendepot in ein anderes Land zu verlagern, das auf Aktiengewinne keine Steuern verlangt, kann ich dann legal die Kursgewinne kassieren, ohne die Abgeltungsteuer zu zahlen?

Nein. Die Einkommensteuerpflicht ist in Deutschland an den Wohnsitz geknüpft. Wohnt ein Anleger in Deutschland, muss er das rund um den Globus erzielte Einkommen in Deutschland versteuern. An welchem Ort sein Depot geführt wird, spielt keine Rolle.

Ausländische Banken müssen zwar nicht die Abgeltungsteuer auf Kursgewinne für den deutschen Fiskus einziehen. Die Gewinne sind aber trotzdem steuerpflichtig. Der deutsche Steuerzahler muss sie in der jährlichen Einkommensteuererklärung angeben. Im Steuerbescheid werden dann 25 Prozent Abgeltungsteuer berechnet.

Im Ausland kann nach nationalem Recht eine Quellensteuer fällig werden. Die dort bezahlte Quellensteuer wird auf die deutsche Steuerschuld innerhalb bestimmter Grenzen angerechnet.

Wer seine Auslandserträge dem Finanzamt vorsätzlich verschweigt, begeht eine Steuerstraftat.

Ein Bausparer hat einen Bausparvertrag, in den er seit vielen Jahren einzahlt und der 2010 zuteilungsreif werden wird. Die jährlich anfallenden Zinsen werden sofort wieder angelegt. Neben den Zinsen gibt es einen jährlichen Bonus, den der Kunde am Ende der Vertragslaufzeit als Belohnung für den Fall bekommt, dass er das Bauspardarlehen nicht in Anspruch nimmt. Gilt in dem Fall die Abgeltungsteuer?

Ja. Die Zinsgutschriften der Bausparkasse sind bereits jetzt jährlich zu versteuern, auch wenn sie sofort wieder dem Bausparkonto zugeschlagen und erneut angelegt werden. Auch die Bonuszahlung, die 2010 fällig wird, unterliegt der ab 2009 geltenden Abgeltungsteuer.

Das muss kein Nachteil sein. Denn die pauschale Abgabe von 25 Prozent ist geringer als das, was viele Anleger bisher zahlen mussten.

Würde sich der Anleger den Bonus im Jahr 2008 auszahlen lassen und den Sparerfreibetrag ausschöpfen, müsste er sein Zinseinkommen mit anderen Einkünften zusammenrechnen und mit dem persönlichen Steuersatz versteuern. Durch die einmalige Bonuszahlung würde die Steuerlast auf das im Jahr erzielte Gesamteinkommen in die Höhe schnellen.

Wie werden Kursgewinne nach einem Depotwechsel ermittelt, wenn die neue Bank den Anschaffungspreis der Papiere nicht kennt. Kann die Bank dann einfach die Ersatzbemessungsgrundlage ansetzen und eine Pauschalsteuer von 30 Prozent für den vollen Verkaufspreis oder den Rückzahlungsbetrag bei Fälligkeit des Wertpapiers abführen?

Ja. Die Ersatzbemessungsgrundlage zieht die Bank aber nur bei Wertpapieren heran, die als Finanzinnovationen eingestuft sind und bis zum Jahresende 2008 gekauft werden. Bei diesen Papieren wertet der Gesetzgeber Kursgewinne als Zinserträge, für die zurzeit Zinsabschlagsteuer und ab 2009 Abgeltungsteuer fällig ist.

Wertpapiere wie Bundesanleihen, Pfandbriefe oder Fonds sind nicht betroffen, weil hier Kursgewinne nicht zu den Zinserträgen zählen. Finanzinnovationen sind zum Beispiel Aktienanleihen, bei ­denen neben dem hohen Zinskupon auch Kursgewinne aus Verkauf oder Rückzahlung außerhalb der einjährigen Spekulationsfrist als Kapitalertrag gelten.

Auf die Ersatzbemessungsgrundlage greifen Banken zurück, wenn sie den tatsächlichen Kursgewinn zwischen Anschaffungs- und Verkaufspreis nicht mehr ermitteln können. In diesen Fällen hat der Anleger den schwarzen Peter. Er muss sich überhöhte Steuerabzüge über die Steuererklärung zurückholen, indem er den Anschaffungspreis mit alten Kaufabrechnungen nachweist.

Ab 2009 hat sich das Problem erledigt, weil die Banken dann alle für die Besteuerung notwendigen Informationen vorrätig halten müssen. Bei Depotübertragungen sind die beteiligten Banken verpflichtet, die Informationen weiterzugeben.

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