Die Abgeltungsteuer kommt im Jahr 2009. Unsere Übersicht zeigt Anlegern, ob ihre Geldanlage gewinnt oder verliert und wie sie jetzt schon reagieren können.

Für Jan Hübel ist die neue Abgeltungsteuer ein Gewinn. Wie die meisten Deutschen investiert er in Anlagen wie Festgeldkonten, Sparbücher, Bundesschatzbriefe und Rentenfonds, die sichere Zinsen bringen. Dafür will das Finanzamt ab 2009 höchstens noch 25 Prozent Abgeltungsteuer haben. Zurzeit beträgt der Höchstsatz 45 Prozent.

Ob die Abgeltungsteuer günstig oder ungünstig ist, hängt davon ab, ob Anleger mit ihren Investments vor allem Zinsen oder eher Kursgewinne erzielen. In der Tabelle „Steuern für die beliebtesten Geldanlagen“ geben wir für die populärsten Geldanlagen an, wie sich die Steuerlast ändert.

Plus für Zinssparer

Anleger wie Jan Hübel, die mit ihren Geldanlagen Zinsen einnehmen, zahlen ab 2009 meistens weniger Steuern als bisher. Denn schon wenn sie im Jahr Einkommen über 15 000 / 30 000 Euro (Alleinstehende / Ehepaare) versteuern, ist ihr Steuersatz bisher höher als 25 Prozent (siehe Tabelle Grenzsteuersatz).

Haben Anleger zurzeit 25 000 Euro mit 4 Prozent Zinsen angelegt, bleiben ihnen je nach Steuersatz nur 2,2 bis 3,4 Prozent. Durch die Abgeltungsteuer sind es mindestens 3 Prozent.

Versteuert Hübel dieses Jahr ohne seine Kapitaleinnahmen 50 000 Euro, zahlt er für 1 000 Euro Zinseinkünfte 412 Euro Einkommensteuer (= 41,2 Prozent). Ab 2009 sind es nur noch 250 Euro (= 25 Prozent). Seine Nachsteuerrendite steigt von rund  2,4 auf 3,0 Prozent.

Mit Papieren wie Bundesschatzbriefen vom Typ B oder Finanzierungsschätzen des Bundes kann der 38-Jährige Zinseinkünfte jetzt schon in Jahre nach 2008 verschieben und so die Rendite nach Steuern erhöhen. Das lohnt sich aber nur für alle, die Einkommen über 15 000 / 30 000 Euro (Alleinstehende / Ehepaare) im Jahr versteuern, denn nur dafür liegt der Steuersatz über der Abgeltungsteuer von 25 Prozent.

Ist der eigene Satz niedriger, kann jeder die Differenz über die Steuererklärung zurückholen. Mehr Steuern als jetzt muss ab 2009 keiner für Zinseinkünfte zahlen.

Minus für Kursgewinner

Für Jörg Reinking ist die Abgeltungsteuer alles andere als günstig, denn er setzt mit Investments wie Aktienfonds auf Kursgewinne. Die sind zurzeit steuerfrei, wenn er die Papiere mindestens ein Jahr besitzt. Ab 2009 gehören sie dagegen immer zu den Kapitaleinnahmen, für die Anleger bis zu 25 Prozent Steuern zahlen müssen.

Dadurch sinkt die Nachsteuerrendite, wenn Anleger die Papiere über ein Jahr halten. Zahlt Jörg Reinking ab 2009 zehn Jahre lang 100 Euro im Monat in einen Aktienfonds mit 9 Prozent Wertzuwachs im Jahr ein, verliert er durch die Abgeltungsteuer für die Kursgewinne 1,28 Prozentpunkte von der Rendite.

Auch Wertsteigerungen aus Fondssparplänen für die Altersvorsorge oder für die Anlage von vermögenswirksamen Leistungen sind von der Abgeltungsteuer betroffen. Für Anleger mit fondsgebundenen privaten Rentenversicherungen und Riester-Fondssparplänen ändert sich dagegen steuerlich nichts. Welche Ausnahmen es noch gibt, siehe „Die Ausnahmen“.

Jörg Reinking kann die neue Abgeltungsteuer aber noch umgehen. Wenn er Papiere wie Aktien und Fondsanteile vor 2009 kauft und mindestens ein Jahr lang hält, bleibt das Finanzamt außen vor.

Nur mit Zertifikaten hat Reinking weniger Spielraum. Nach dem 14. März 2007 angeschaffte Papiere muss er nicht nur ein Jahr halten, sondern auch bis 30. Juni 2009 wieder abstoßen. Sonst zahlt er für spätere Kursgewinne beim Verkauf bis zu 25 Prozent Abgeltungsteuer.

Rechnung für Spekulanten

Manchmal ist die Abgeltungsteuer für Anleger mit Kursgewinnen auch günstig. Halten sie Papiere wie Aktienfonds kürzer als ein Jahr, zahlen sie für den vollen Kursgewinn zurzeit bis zu 45 Prozent Steuern. Ab 2009 sind es höchstens 25 Prozent.

Weniger gut schneiden Aktionäre mit der Abgeltungsteuer ab, denn sie ist für den vollen Kursgewinn fällig. Bisher ist bei Aktienverkäufen die Hälfte steuerfrei.

Bringen Investments wie Fonds und Aktien beim Verkauf Verluste, zieht das Finanzamt sie ab 2009 von Kursgewinnen, Zinsen und Dividenden ab. Nur Verluste aus Aktien verrechnet es lediglich mit Kursgewinnen aus Aktienverkäufen.

Gewinne und Verluste beim selben Geldinstitut verrechnen die Mitarbeiter, bevor sie die Abgeltungsteuer abziehen.

Verluste aus der Zeit vor 2009 können Anleger bis 2013 noch von Kursgewinnen aus Wertpapierverkäufen oder aus privaten Veräußerungsgeschäften wie Immobilienverkäufen abziehen lassen. Danach bleibt nur die Verrechnung mit Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften.

Plus für Anleger mit Dividenden

Günstiger als jetzt kann es für Jörg Reinking sein, wenn er für seine Papiere nicht nur Kursgewinne, sondern auch Dividenden bekommt. Denn ab 2008 sinken die Steuern für die Gewinne, die Kapitalgesellschaften zahlen. Dadurch bekommen Aktionäre mehr Dividende als jetzt, wenn die Gesellschaft den Steuervorteil weitergibt.

2009 sind Dividenden aber nicht mehr zur Hälfte, sondern voll steuerpflichtig. Es sind dafür bis zu 25 Prozent Abgeltungsteuer fällig. Durch die niedrigere Unternehmensteuer können Aktionäre mit mindestens 30 Prozent Grenzsteuersatz trotzdem besser als bisher abschneiden.

Abzug an der Quelle

Banken und Sparkassen ziehen die Abgeltungsteuer ab, ehe sie die Zinsen, Dividenden oder Kursgewinne gutschreiben. Für 10 000 Euro Zinsen sieht das so aus:

Zinsen: 10 000,00 Euro
Dafür 25% Abgeltungsteuer: 2 500,00 Euro
Dafür 5,5% Solidaritätszuschlag: 137,50 Euro
Steuerabzug bei der Gutschrift: 2 637,50 Euro

Kirchensteuern können Anleger mit abziehen lassen. Ihr Geldinstitut verrechnet auch ausländische Quellensteuern.

Anleger wie Jan Hübel und Jörg Reinking müssen dann nur noch mit Freistellungsaufträgen Zinsen, Dividenden und Kursgewinne bis 801 / 1 602 Euro (Alleinstehende / Ehepaare) im Jahr steuerfrei stellen lassen. Dieser Sparerpauschbetrag deckt auch Werbungskosten wie Depotgebühren ab. Der Einzelnachweis entfällt.

Weil die Steuer an der Quelle abgeht, müssen viele ab 2009 nur noch eine Steuererklärung abgeben, wenn ihr Steuersatz unter 25 Prozent lag, zu wenig Einnahmen freigestellt waren oder noch Verluste zu verrechnen sind. Die Angabe ist außerdem wichtig, wenn Quellen- und Kirchensteuern nicht mit abgezogen wurden.

Wer keine Steuern zahlt, kann sich eine Nichtveranlagungsbescheinigung vom Finanzamt besorgen und sie seinem Geldinstitut vorlegen. Dann schreibt es alle Zinsen, Dividenden und Kursgewinne ohne Abgeltungsteuer gut.

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