Ein Viertel von allem nimmt das Finanzamt von Sparern. Die 25-prozentige Abgeltungsteuer ist eigentlich simpel, hat aber ihre Tücken.

Seit Anfang des Jahres behalten Banken und Sparkassen die Steuern auf Zinsen und andere Kapitalerträge ein: einheitlich 25 Prozent, dazu den Solidaritätszuschlag, sodass sie insgesamt 26,375 Prozent abziehen. Hinzu kommt für viele noch die Kirchensteuer. Das macht zusammen sogar 27,98 Prozent – in Bayern und Baden-Württemberg etwas weniger, weil dort die Kirchensteuer niedriger ist. Die Banken führen die Steuer direkt an das Finanzamt ab.

Mit diesem für alle Sparer gleich hohen Abzug sind alle Sparersteuern „abgegolten“, daher der Name „Abgeltungsteuer“. Zinsen, Dividenden, Kursgewinne und andere Kapitalerträge brauchen also nicht mehr in der Steuererklärung aufgeführt zu werden.

Doch „es gibt eine gewisse Sorglosigkeit nach dem Motto: Mit der Abgeltungsteuer ist ja alles erledigt“, hat der Berliner Steuerberater Wolfgang Wawro beobachtet. Er rät, die Bankbelege über die gezahlte Abgeltungsteuer aufzubewahren.

Freistellungsauftrag erteilen

Versteuert werden müssen alle Kapitaler­träge oberhalb des persönlichen Freibe­trags von 750 Euro (bei Ehepaaren 1 500 Euro). Hinzu kommt noch die Werbungskostenpauschale von 51 Euro, sodass insgesamt 801 Euro (Ehepaare 1 602 Euro) steuerfrei vereinnahmt werden können – allerdings nur, wenn der Sparer der Bank oder Sparkasse einen entsprechenden Freistellungsauftrag erteilt hat. Zinseinnahmen im Rahmen dieser Freistellung werden dann in voller Höhe an ihn ausgezahlt.

Für Sparer und Anleger ist es damit einfacher geworden – doch nicht für alle: Viele müssen trotzdem eine Steuererklärung machen oder bekommen Geld erstattet, wenn sie freiwillig eine abgeben.

Verluste absetzen

Das gilt, wenn Anleger mit Wertpa­pieren Verluste machen. Die können sie nun besser absetzen. So können Verluste aus Fonds oder Anleihen, die 2009 gekauft wurden, mit Gewinnen aus Wertpapiergeschäften sowie mit Zinsen und Dividenden verrechnet werden. Nur für Aktiengeschäfte gilt eine Ausnahme: Solchen Verlusten können Anleger nur Gewinne aus Aktiengeschäften gegenrechnen. Gewinne aus Fonds zum Beispiel können nicht mehr durch Aktienverluste steuerlich geschmälert werden.

Beispiel: Ein Anleger hat im März 2009 Aktien für 4 000 Euro gekauft und im August für 5 000 Euro verkauft. Von den 1 000 Euro Gewinn behält die Bank 263,75 Euro ein (ohne Kirchensteuer). Der Anleger hat außerdem Arcandor-Aktien für 1 000 Euro gekauft und sie kurz vor der Firmenpleite für 400 Euro verkauft. Der Verlust von 600 Euro wird mit dem Gewinn verrechnet und senkt die Abgeltungsteuer um 158,25 Euro. Würden die 1 000 Euro Veräußerungsgewinn aber nicht aus dem Verkauf von Aktien stammen, sondern von Fondsanteilen, gäbe es diesen Steuerabzug nicht. Dann würden sich die Arcandor-Verluste erst steuerlich auswirken, wenn der nächste Gewinn aus einem Aktienverkauf entsteht.

Zwei Verrechnungstöpfe angelegt

Die Bank legt für jeden Kunden gewissermaßen zwei separate Verrechnungstöpfe an. In den ersten kommen nur die Gewinne und Verluste aus Aktiengeschäften. In den zweiten wandern alle anderen Kapitaleinkünfte, also Zinsen und Dividenden sowie Gewinne und Verluste aus anderen Wertpapiergeschäften. Daneben führt die Bank ein Konto über die einbe­haltene Abgeltungsteuer samt Solidaritätszuschlag, Kirchensteuer und gegebenenfalls auch im Ausland gezahlter Quellensteuer.

Allerdings greift hier der Sparerpauschbetrag von 801 Euro (Ehepaare 1602 Euro). Schwierig wird es bei Mischfällen, in denen neues und altes Recht zusammentreffen. Bei Wertpapieren, die bis Ende 2008 gekauft wurden, behalten die Banken keine Abgeltungsteuer ein. Stattdessen gilt die alte Regel, nach der Kursgewinne dem persönlichen Steuersatz unterliegen und daher eine Steuererklärung gemacht werden muss. Die Gewinne brauchen nicht versteuert zu werden, wenn der Anleger die Papiere länger als ein Jahr gehalten hat.

Sonderfälle beachten

Auch die sogenannten Stückzinsen, die zwischen der letzten Zinszahlung und dem Verkaufstermin aufgelaufen, aber noch nicht ausgezahlt sind, bleiben zunächst frei von der Abgeltungsteuer. Das neue System berücksichtigt Stückzinsen nicht. Für solche Mischfälle kann nach wie vor eine Steuererklärung fällig werden – eventuell auch noch nach Jahren, je nach Haltedauer und Laufzeit der Anleihen.

Ausländische Kapitaleinkünfte und Zinsen aus privat vergebenen Darlehen, etwa an Angehörige, unterliegen grundsätzlich nicht der Abgeltungsteuer. Sie können nur per Steuererklärung abgerechnet werden.

Auch wer kirchensteuerpflichtig ist, aber seine Bank oder Sparkasse nicht beauftragt hat, auf Kapitalerträge auch die Kirchensteuer abzuführen, muss eine Steuererklärung ausfüllen und abgeben.

Zu viel Gezahltes zurückholen

Erst recht gilt das für Sparer mit niedrigem Einkommen, vor allem für Rentner. Der Grenzsteuersatz erreicht im Jahr 2009 ungefähr 25 Prozent, wenn das zu versteuernde Einkommen ohne Kapitaleinkünfte über 15 400 Euro (Ehepaare 30 800 Euro) liegt. Wer weniger verdient, zahlt weniger Steuern – und da die Banken 25 Prozent einbehalten, können diese Sparer sich die zu viel bezahlte Abgeltungsteuer zurückho­len. Für sie lohnt es sich daher, freiwillig eine Steuererklärung abzugeben.

Das Finanzamt macht dann eine „Günstigerprüfung“: Es vergleicht die im Jahresverlauf einbehaltene Abgeltungsteuer mit der Steuer, die bei Anwendung des persönlichen Steuersatzes anfällt und wendet die für den Anleger günstigere Methode an.

Rentner bis zu 2 701 Euro steuerfrei

Für Ruheständler über 65 kann eine Steuer­erklärung besonders interessant sein. Sie ist die einzige Möglichkeit, den Altersentlastungsbetrag für Kapitalerträge oberhalb des Sparerpauschbetrags zu nutzen. Der Altersentlastungsbetrag beträgt maximal 40 Prozent der betreffenden Einkünfte, höchstens 1 900 Euro im Jahr. Damit – und mit dem Sparerfreibetrag – können Rentner jährlich bis zu 2 701 Euro Zinsen und Veräußerungsgewinne steuerfrei kassieren.

Bescheinigung beantragen

Gar kein Thema ist die Abgeltungsteuer für Anleger und Sparer mit einer Nichtveran­lagungsbescheinigung. Sie kann beim Finanzamt beantragt werden, wenn das vor­aus­sichtlich zu versteuernde Einkommen unterhalb des Grundfreibetrags von 7 834 Euro (Ehepaare 15 669 Euro) liegt. Der Sparer legt die Bescheinigung der Bank vor, die dann alle Kapitalerträge ohne Steuerabzug auszahlt. Im nächsten Jahr können noch mehr Sparer davon profitieren, denn der Grundfreibetrag steigt auf 8 004 Euro.

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