Abgeltungsteuer: Lebensversicherung

Frage: Was wird aus meiner Kapitallebensversicherung, die ich seit 2005 habe?

Finanztest-Antwort: Lebensversicherungen behalten fast immer ihre alten Steuervorteile. Ob Sie einen klassischen Vertrag oder eine Fondspolice haben, ist dem Finanzamt egal. Weil Sie Ihren Vertrag nach 2004 geschlossen haben, zahlen Sie später nur Abgeltungsteuer, wenn einer von diesen Punkten zutrifft:

  • Sie haben bis zur Auszahlung eine Laufzeit von unter zwölf Jahren vereinbart;
  • Sie bekommen das Geld laut Vertrag, bevor sie 60 Jahre alt sind;
  • Sie kündigen den Vertrag nach 2008, bevor er zwölf Jahre gelaufen ist;
  • Sie kündigen den Vertrag nach 2008, bevor Sie 60 Jahre alt sind;
  • Sie verkaufen Ihre Police nach 2008.

In diesen Fällen wird die Ablaufleistung, der Verkaufspreis oder Rückkaufswert um die gezahlten Versicherungsbeiträge gekürzt. Für den Rest kassiert das Finanzamt 25 Prozent Abgeltungsteuer. Erhalten Sie 120 000 Euro und haben 72 000 Euro Beitrag gezahlt, beträgt die Abgeltungsteuer 12 000 Euro (25 Prozent von 48 000 Euro). Läuft der Vertrag regulär ab oder kündigen Sie ihn, überweist Ihr Versicherer dem Finanzamt die Abgeltungsteuer.
Wenn Sie Ihre Police verkaufen, müssen Sie die 25 Prozent dagegen über die Steuererklärung zahlen. Ihr Versicherer meldet den Verkauf dem Finanzamt und stellt Ihnen auf Antrag eine Bescheinigung über die geleisteten Versicherungsbeiträge aus. Sie ziehen sie vom Verkaufspreis ab und geben das Resultat in der Steuererklärung an.

Weniger als 25 Prozent Steuern

Trifft keiner der fünf Punkte auf der ersten Seite zu, gilt die Abgeltungsteuer für Ihre Lebensversicherung nicht. Weil Sie Ihren Vertrag nach 2004 geschlossen haben, werden von der Auszahlung, dem Verkaufs- oder Rückkaufswert die Versicherungsbeiträge abgezogen. Vom so ermittelten Ertrag versteuern Sie über die Steuererklärung die Hälfte mit Ihrem eigenen Steuersatz.

Bis dahin vergehen zwar noch viele Jahre. Wenn Ihr Vertrag später regulär endet oder Sie die Police kündigen, müssen Sie aber aufpassen: Die Versicherungsgesellschaft überweist dem Finanzamt in beiden Fällen vom vollen Ertrag 25 Prozent Abgeltungsteuer – auch wenn Sie gar keine zahlen müssen. Sie können den Abzug später nur über die Steuererklärung korrigieren.

Dazu müssen Sie beim Finanzamt die Steuerbescheinigung einreichen, die Sie von den Versicherern automatisch über die abgezogene Abgeltungsteuer und Ihre steuerpflichtigen Kapitalerträge erhalten. Dann wird die Abgeltungsteuer verrechnet.

Wenn Sie 30 Jahre lang 200 Euro Beitrag im Monat zahlen, mit 65 Jahren 120 000 Euro erhalten und den Spitzensteuersatz inklusive „Reichensteuer“ von 45 Prozent zahlen, sieht die Abrechnung so aus:

Ablaufleistung: 120 000 Euro
– Versicherungsbeiträge: 72 000 Euro
= voller Ertrag: 48 000 Euro
Dafür 25 % Abgeltungsteuer: 12 000 Euro
= halber Ertrag: 24 000 Euro
Dafür 45 % Spitzensteuersatz: 10 800 Euro
Zu viel gezahlte Steuer: 1 200 Euro
Rechnung ohne Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer.

Obwohl Sie den Spitzensteuersatz von 45 Prozent haben, können Sie 1 200 Euro Abgeltungsteuer vom Finanzamt zurückholen. Je geringer der eigene Steuersatz ist, desto größer ist die Erstattung. Sie zahlen für die volle Differenz zwischen Kapitalauszahlung und Versicherungsbeiträgen effektiv höchstens 22,5 Prozent Steuern  – also weniger als die Abgeltungsteuer.

Leistung aus Lebensversicherung meistens steuerfrei

Frage: Zahle ich für das Geld aus der Lebensversicherung, die ich vor 2005 abgeschlossen habe, Abgeltungsteuer?

Finanztest-Antwort: Das Geld aus Lebensversicherungen, die Sie schon vor 2005 hatten, ist später meistens steuerfrei. Ob Sie einen klassischen Vertrag oder eine Fondspolice haben, ist egal. Das Finanzamt bekommt keine Steuern, wenn Ihr Vertrag am Ende der Laufzeit, beim Verkauf oder bei der Kündigung diese Bedingungen erfüllt:

  • mindestens zwölf Jahre Laufzeit,
  • fünf Jahre Beitragszahlung und
  • 60 Prozent Todesfallschutz (nur bei Vertragsbeginn ab 31. März 1996, bei Direktversicherungen ab 31. Dezember 1996).

Fehlt ein Punkt, wird die Ablaufleistung, der Verkaufs- oder Rückkaufswert um die Beiträge gekürzt. Für das Ergebnis kassiert das Finanzamt 25 Prozent Abgeltungsteuer. Wenn Sie Ihren Vertrag regulär beenden oder kündigen, überweist Ihr Versicherer die Abgeltungsteuer. Verkäufe dagegen muss er dem Finanzamt nur melden. Der Rest bleibt Ihnen überlassen. Sie lassen sich Ihre Beiträge bescheinigen, ziehen sie vom Verkaufspreis ab und versteuern den Rest über die Steuererklärung mit 25 Prozent.

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