Abgeltungsteuer: Thesaurierende Fonds

Ausschüttende oder thesaurierende Fonds?

Frage: Was ist ab nächstem Jahr steuerlich günstiger, ein ausschüttender oder ein thesaurierender Fonds?

Finanztest-Antwort: Die Abgeltungsteuer gilt für beide Varianten. Es gibt dennoch Unterschiede, die vor allem für eine Entscheidung im Jahr 2008 wichtig sein können.

Es gibt zwei Arten von Fonds, die ausschüttenden und die thesaurierenden. Die ausschüttenden Fonds zahlen die Erträge, also Dividenden und Zinsen, jährlich an die Anleger aus. Die anderen führen sie umgehend dem Fondsvermögen zu, der einzelne Fondsanteil wird dadurch wertvoller. Sie sind in unseren Tabellen durch ein T gekennzeichnet. In beiden Fällen zieht die Bank oder die Fondsgesellschaft, bei der ein Anleger sein ­Depot führen lässt, die 25 Prozent Abgeltungsteuer direkt ab und überweist sie ans Finanzamt. Ausnahmen gelten für thesaurierende ausländische Fonds.

Ausschüttende Fonds: Bei ausschüttenden Fonds bekommt der Anleger jedes Jahr die Erträge abzüglich der Steuer auf sein Konto. Hat er mit der Bank vereinbart, dass er die verbleibenden Erträge wieder anlegt, gilt dies jeweils als Kauf neuer Fondsanteile.

Beispiel: Ein Anleger kauft 2008 Fondsanteile für 10 000 Euro. 2009 schüttet der Fonds 300 Euro aus. Die Bank führt 25 Prozent Abgeltungsteuer ab und kauft für 225 Euro (der Einfachheit halber ohne Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer gerechnet) neue Anteile.

Jetzt besitzt der Anleger für 10 000 Euro ­„alte“, also vor 2009 gekaufte Anteile, aus denen er die Kursgewinne bei einem späteren Verkauf steuerfrei kassieren kann. Er hat aber auch für 225 Euro „neue“, also nach 2008 gekaufte Anteile im Depot. Deren Kursgewinne sind beim Verkauf steuerpflichtig.

Tipp: Für Anleger, die noch im Jahr 2008 einen Fonds kaufen, ist ein thesaurierender Fonds vorteilhaft, weil die laufenden Erträge nach Abzug der Steuern ins Fondsvermögen fließen. Die Kursgewinne, die Anleger im Laufe der Zeit mit den wieder angelegten Erträgen erzielen, bleiben auf Dauer steuerfrei. Wer sich aus Steuergründen für einen thesaurierenden Fonds entscheidet, sollte einen in Deutschland aufgelegten kaufen. Solche Fonds sind am Länderkürzel „DE“ zu Beginn der Kennnummer des Wertpapiers (Isin) zu erkennen. Für thesaurierende Auslandsfonds kann die steuerliche Abwicklung beim Verkauf komplizierter werden.

Deutsche oder ausländische Fonds?

Frage: Soll ich deutsche oder ausländische Fonds kaufen?

Finanztest-Antwort: Wer sich aus Steuergründen für einen thesaurierenden Fonds entscheidet, sollte einen in Deutschland aufgelegten Fonds kaufen. Solche Fonds tragen das Länderkürzel „DE“ zu Beginn der Kennnummer (Isin) des Wertpapiers .

Für thesaurierende Auslandsfonds ist die steuerliche Abwicklung komplizierter: Der Anleger muss jedes Jahr selbst beim Finanzamt an­geben, wie hoch die thesaurierten Erträge ­waren. Anders als bei den Inlandsfonds oder den ausschüttenden Auslandsfonds übernimmt das nicht die Bank für ihn. Erst das ­Finanzamt zieht die Steuern ab.

Wenn der Anleger den Fonds aber verkauft, führt die Bank für die gesammelten steuerpflichtigen Erträge die Steuern an das Finanzamt ab. Darin sind auch die bereits versteuerten Erträge enthalten. Damit es nicht zur ­Doppelbesteuerung kommt, muss der Anleger nachweisen, dass er bereits jährlich Steuern bezahlt hat.

Bei den thesaurierenden Fonds, die in Deutschland aufgelegt wurden, verhindert die Bank die Doppelbesteuerung. Sie rechnet bei einem Verkauf der Anteile die bereits im Laufe der Jahre auf die Erträge entrichtete Steuer an.

Sonderregelungen: Eine Art Strafsteuer ist für Auslandsfonds fällig, die dem deutschen Fiskus keine Steuerinformationen liefern. Dann sind zusätzlich zu den Zinsen und Dividenden noch 70 Prozent der Kurssteigerung zwischen 1. Januar und 31. Dezember jedes Jahres steuerpflichtig. Selbst wenn sich der Rücknahmepreis eines Fondsanteils nicht ändert, nimmt der Gesetzgeber pauschal immer noch 6 Prozent des letzten im Kalenderjahr festgesetzten Rücknahmepreises als steuerpflichtigen Ertrag an.

Tipp: Wählen Sie Fonds aus unserer permanent aktuellen Fondsdatenbank. Diese betrifft die Sonderregel nicht.

Für Auslandsfonds gleicher Steuersatz

Frage: Werden ausländische Fonds anders als inländische Fonds besteuert?

Finanztest-Antwort: Nein, es gilt derselbe Steuersatz. Allerdings müssen Anleger die Auslandserträge über die Steuererklärung abrechnen, wenn sie ihr Depot bei der ausländischen Fondsgesellschaft oder einer ausländischen Bank führen. Der deutsche Fiskus kann ausländische Fondsgesellschaften nicht zwingen, für ihn Abgeltungsteuer abzuziehen.

Unterschiede kann es bei Auslandsfonds in der Frage geben, welche Erträge des Fonds steuerpflichtig sind. Benennt die Fondsgesellschaft einen inländischen Vertreter, der dem deutschen Fiskus alle nach dem Transparenzgebot verlangten Steuerinformationen offenlegt, wird der Fonds wie ein inländischer besteuert.

Steuerliche Sonderregelungen gelten für Auslandsfonds, die keine Steuerinformationen an den deutschen Fiskus liefern. Dann sind neben Zinsen und Dividenden noch 70 Prozent der Kurssteigerung zwischen dem 1. Januar und 31. Dezember jedes Jahres steuerpflichtig.

Selbst wenn sich der Rücknahmepreis eines Fondsanteils in einem Jahr nicht ­ändert, nimmt der Gesetzgeber pauschal immer noch 6 Prozent des letzten im ­Kalenderjahr festgesetzten Rücknahmepreises als steuerpflichtigen Ertrag an.

Tipp: Wenn Sie einen Fonds aus unserem Dauertest wählen, vermeiden Sie die Strafsteuer. Die hier bewerteten Fonds ­geben Steuerinformationen an den deutschen Fiskus weiter.

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