Abgeltungsteuer für Rentner: Die Mühe wird sich lohnen

Abgeltungsteuer Special

Bequem. Dank der Nichtveranlagungs­bescheinigung kann sich Thekla Davids eine Steuererklärung sparen. Sollten ihre Einkünfte steigen, muss sie dem Finanzamt Bescheid sagen.

Viele Rentner profitieren, wenn sie ab 2009 Zinsen in der Steuererklärung abrechnen. Noch einfacher geht es mit einer NV-Bescheinigung.

Thekla Davids kann der Abgeltungsteuer gelassen entgegensehen: Sollten die Einnahmen der 77-Jährigen in den nächsten Monaten nicht steigen, wird das Finanzamt ihre Nichtveranlagungsbescheinigung (NV-Bescheinigung) verlängern.

Wenn die Rentnerin aus Münster ihrer Bank die Bescheinigung vorlegt, weiß man dort, dass sie für ihre gesamten Einkünfte keine Steuern zahlen muss. Ab 2009 wird die Bank deshalb selbst für Zinsen über dem Sparerpauschbetrag (801/1 602 Euro für Alleinstehende/Ehepaare) keine Abgeltungsteuer an das Finanzamt zahlen.

Wie Thekla Davids können viele Ruheständler eine NV-Bescheinigung beantragen. Sie erhalten sie für bis zu drei Jahre, wenn das zu versteuernde Einkommen mit den Kapitaleinkünften voraussichtlich unter dem Grundfreibetrag von 7 664 Euro im Jahr liegt und so keine Steuern anfallen.

Das ist bei vielen Rentnern der Fall, denn ihre Einnahmen dürfen sehr viel höher sein als das zu versteuernde Einkommen: Durch Freibeträge sind Einnahmen wie Rente, Pension und Zinsen nur zum Teil steuerpflichtig. Von den steuerpflichtigen Einkünften können Rentner zudem Posten wie Versicherungsbeiträge und außergewöhnliche Belastungen abziehen, sodass viele unter den 7 664 Euro bleiben.

Vorteile durch genaue Rechnung

Rentner, die keine NV-Bescheinigung erhalten, zahlen ab 2009 für ihre Kapitaleinkünfte nicht unbedingt mehr Steuern als zuvor. Doch meist werden sie nach jetzigem Stand selbst aktiv werden müssen, um das sicherzustellen. Obwohl viele nicht dazu verpflichtet sind, sollten sie künftig ihre Kapitaleinkünfte in der Steuererklärung abrechnen. Sonst verschenken sie Geld.

Das gilt zum einen für die Rentner mit einem zu versteuerndes Einkommen unter dem Richtwert von 15 000/30 000 Euro (Alleinstehende/Ehepaare): Ihr Steuersatz liegt unter 25 Prozent. Trotzdem werden ihnen 25 Prozent Abgeltungsteuer für ihre Kapitaleinkünfte abgezogen. Nur über die Steuererklärung bekommen sie die zu viel gezahlte Steuer zurück.

Betroffen sind zum anderen aber auch viele Ruheständler, deren Einkommen über dem Richtwert liegt und die somit einen Steuersatz über 25 Prozent haben.

Grund dafür ist der Altersentlastungsbetrag. Dieser Freibetrag für Nebeneinkünfte wie Zinsen und Mieten steht allen zu, die am 1. Januar eines Steuerjahres mindestens 64 Jahre alt sind. Sie kassieren bis zu 40 Prozent aller Nebeneinkünfte (maximal 1 900 Euro) steuerfrei (siehe Tabelle).

Der Freibetrag kann für die Kapitaleinkünfte aber nur genutzt werden, wenn sie in der Steuererklärung eingetragen sind. Dann ist eine Ersparnis von einigen Hundert Euro möglich. Sie ist besonders hoch, wenn keine weiteren Nebeneinkünfte wie Mieten oder Honorare da sind.

Alt oder neu: Was ist günstiger?

Unsere Beispiele zeigen, wie groß der Steuervorteil ab 2009 sein kann, wenn Rentner ihre Kapitaleinkünfte in der Steuererklärung abrechnen. Im ersten Fall bekommt ein 70-jähriger Rentner mit einem zu versteuernden Einkommen unter 15 000 Euro 700 Euro vom Finanzamt zurück.

Der Mann gehört keiner Kirche an und bezieht seit 2003 eine gesetzliche und eine private Rente. Er hat 4 000 Euro Zinsen im Jahr und muss Abgeltungsteuer zahlen:

I. Schritt: Abgeltungsteuer für die Zinsen
Zinsen: 4 000 Euro
- Sparerpauschbetrag: 801 Euro
Zinseinkünfte: 3 199 Euro
Abgeltungsteuer (25 Prozent): 800 Euro
+ Solidaritätszuschlag (5,5 Prozent): 44 Euro
Gesamtabgabe durch die Bank: 844 Euro

Im zweiten Schritt müsste der Mann nur noch die gesetzliche und private Rente in der Steuererklärung abrechnen. Für beide kann er pauschal 102 Euro Werbungskosten geltend machen.

Für diverse Versicherungen rechnet er 3 880 Euro ab. Da er keine weiteren Sonderausgaben nachweist, berücksichtigt das Finanzamt die Pauschale von 36 Euro:

II. Schritt: Steuererklärung ohne Zinsen
Gesetzliche Rente (1 600 Euro x 12), davon 50 Prozent steuerpflichtig:
9 600 Euro
+ private Rente (500 Euro x 12), davon 18 Prozent steuerpflichtig:
1 080 Euro
- Werbungskosten: 102 Euro
Renteneinkünfte: 10 578 Euro
- Versicherungsbeiträge: 3 880 Euro
- Sonderausgabenpauschale: 36 Euro
Zu versteuerndes Einkommen: 6 662 Euro

Sein zu versteuerndes Einkommen ohne Kapitaleinkünfte bleibt unter 7 664 Euro, sodass er keine weiteren Steuern zahlen muss. Wenn er nun aber seine Zinsen mit in der Steuererklärung abrechnet, steht er noch besser da und bekommt Geld zurück:

III. Schritt: Die Gesamtsteuererklärung
Zinsen oberhalb des Sparerpauschbetrags (4 000 Euro - 801 Euro):
3 199 Euro
- Altersentlastungsbetrag (40 Prozent):
1 280 Euro
Zinseinkünfte: 1 919 Euro
+ Renteneinkünfte: 10 578 Euro
Gesamteinkünfte: 12 497 Euro
- Versicherungsbeiträge: 3 880 Euro
- Sonderausgabenpauschale: 36 Euro
Zu versteuerndes Einkommen: 8 581 Euro
darauf zu zahlende Steuer: 144 Euro
bereits gezahlte Abgeltungsteuer: 844 Euro
Steuererstattung: 700 Euro

Aufpassen bei hohem Steuersatz

Über eine Steuererstattung von 467 Euro kann sich dank des Altersentlastungsbetrags unser zweiter Beispielrentner freuen. Er hat einen Steuersatz von 26,78 Prozent.

Der frühere Anwalt (70 Jahre) bezieht neben einer privaten Rente rund 3 000 Euro im Monat aus der berufsständischen Versorgung. Diese Rente ist zur Hälfte steuerfrei. Nach Abzug der Werbungskostenpauschale (102 Euro) bleiben steuerpflichtige Einkünfte von 19 898 Euro. Er hat 5 600 Euro Zinsen. Für Kranken- und Pflegeversicherung zahlt er 3 880 Euro.

Für seine 5 600 Euro Zinsen zieht die Bank nach Abzug des Sparerpauschbetrags 1 266 Euro Abgeltungsteuer und Solidaritätszuschlag ab. Würde er die Steuererklärung ohne die Zinsen abgeben, müsste er noch 1 888 Euro Steuern zahlen. Seine gesamte Steuerlast läge bei 3 154 Euro.

Gibt er die Zinsen in der Erklärung an, kann er den Altersentlastungsbetrag nutzen (40 Prozent, maximal 1 900 Euro):

Die Gesamtsteuererklärung
Zinsen über dem Pauschbetrag: 4 799 Euro
- Entlastungsbetrag: 1 900 Euro
Zinseinkünfte: 2 899 Euro
+ Renteneinkünfte: 19 898 Euro
Gesamteinkünfte: 22 797 Euro
- Versicherungen: 3 880 Euro
- Sonderausgabenpauschale: 36 Euro
Zu versteuerndes Einkommen: 18 881 Euro
zu zahlende Steuer + Soli.-Zuschlag: 2 687 Euro
Gesamtbelastung mit Abgeltungsteuer: 3 154 Euro
Differenz: 467 Euro

Die Steuererklärung kann sich also selbst bei einem Steuersatz über 25 Prozent lohnen, die pauschale Abgeltungsteuer ist nicht automatisch am günstigsten.

Dieser Artikel ist hilfreich. 943 Nutzer finden das hilfreich.