Abgeltungsteuer Special

Von der Bank zur Kirche. Diana Glasow kann ihre Bank beauftragen, neben der Abgeltungsteuer die 9 Prozent Kirchensteuer abzuführen. Dieser Satz gilt in fast allen Bundesländern – nur in Bayern und Baden-Württemberg sind es 8 Prozent.

Gehören Kapitalerträge noch in die Steuererklärung? Führt die Bank Kirchensteuer ab? Was ändert sich beim Kindergeld? Finanztest erklärt, wie Bank und Finanzamt in Zeiten der Abgeltungsteuer rechnen.

Die Abgeltungsteuer „führt zu einer erheblichen steuerlichen Entlastung sowie zur drastischen Vereinfachung des Besteuerungsverfahrens von Kapitaleinkünften“. So stand es im Gesetzentwurf für die neue Steuer, die ab 2009 einheitlich für Kapitaleinkünfte erhoben wird. Diese Vorteile gelten aber längst nicht für jeden.

Es gibt Gewinner der Abgeltungsteuer – etwa die Sparer mit einem hohen Steuersatz, die auf Zinsprodukte setzen. Doch es gibt auch Verlierer: Dazu zählen Anleger, die ihre Altersvorsorge auf Sparpläne mit Aktienfonds aufbauen. Sie müssen ab 2009 tiefer in die Tasche greifen als jetzt (siehe Abgeltungssteuer aus Finanztest 8/07 und „Stichwort“).

Auch die „Vereinfachung des Besteuerungsverfahrens“ wird nicht jeder spüren – obwohl viele Anleger ihre Zinsen und Spekulationsgewinne nicht mehr in der Steuererklärung eintragen müssen. Trotzdem sollten sich vor allem zahlreiche Rentner (siehe „Abgeltungssteuer für Rentner“), Auszubildende und die übrigen Steuerzahler mit niedrigem Steuersatz weiter die Mühe machen. Sie können sich so einen Teil der Steuer zurückholen.

Die Checkliste rechts nennt weitere Situationen, in denen es sich für Steuerzahler lohnt, Kapitaleinkünfte über die Steuererklärung abzurechnen. In einigen Fällen bleibt die Erklärung sogar Pflicht.

Freistellungsaufträge beachten

Die Banken werden ab 2009 für jeden Kunden Abgeltungsteuer abführen, sobald der Steuerfreibetrag von 801/1 602 Euro im Jahr (für Alleinstehende/Ehepaare) überschritten ist. Liegt einer Bank kein oder nur ein niedriger Freistellungsauftrag vor, zieht sie die Steuer auch für Kapitaleinkünfte unter dem Freibetrag ab.

Der Freibetrag für Anleger heißt ab 2009 nicht mehr Sparerfreibetrag, sondern Sparerpauschbetrag, Neu ist, dass künftig die Werbungskosten komplett über den Pauschbetrag abgedeckt sind. Erstmals ­belasten auch Spekulationsgewinne den Freibetrag. Das sollten Anleger beachten, die bei mehreren Banken Depots und Konten haben, wenn sie ihre Freistellungsaufträge an die neuen Vorgaben anpassen.

Kirchensteuer: Zwei Varianten

Neben der Abgeltungsteuer werden die Banken den Solidaritätszuschlag an das ­Finanzamt überweisen. Ob sie für ihre Kunden auch Kirchensteuer abführen, können die Anleger entscheiden. Als Mitglied der evangelischen Kirche kann beispielsweise die Berlinerin Diana Glasow selbst wählen, wie ihre Kirchensteuer abgerechnet wird.

Möchte die 36-Jährige ihrer Bank nicht mitteilen, dass sie der Kirche angehört, muss sie Kapitalerträge und Spekulationsgewinne in der Steuererklärung abrechnen. Nennt die Berlinerin der Bank aber ihre Konfession, führt diese neben der Abgeltungsteuer noch 9 Prozent davon als Kirchensteuer ab.

Sie rechnen dann keine 25 Prozent Abgeltungsteuer ab, sondern nur 24,44 Prozent. Die verringerte Abgeltungsteuer berücksichtigt, dass Diana Glasow die Kirchensteuer als Sonderausgaben absetzen könnte, wenn sie ihre Kapitaleinkünfte über die Steuererklärung abrechnen würde. Der Steuerabzug durch die Bank soll sie nicht schlechter stellen. Für 100 Euro Zinsen über dem Freibetrag fallen 24,44 Euro Abgeltungsteuer, 1,34 Euro Solidaritätszuschlag und 2,20 Euro Kirchensteuer (9 Prozent von 24,44 Euro) an.

Einkünfte zählen weiter mit

Belassen es die Anleger bei der Abrechnung durch die Bank und füllen die Anlage KAP zur Steuererklärung nicht mehr aus, sinkt ihr zu versteuerndes Einkommen und damit auch ihr Steuersatz dafür. In anderen Berechnungen des Finanzamts zählen die pauschal versteuerten Kapitaleinkünfte allerdings wie bisher mit. Das ­Finanzamt berücksichtigt sie auf Antrag, wenn es ausrechnet, bis zu welcher Grenze – 20 Prozent der Gesamteinkünfte – Spenden als Sonderausgaben abgesetzt werden können. Bei den außergewöhnlichen Belastungen zählt es immer alle Einkünfte mit, wenn es prüft, ob Ausgaben für Medikamente die Steuerlast senken.

Angenommen, eine Familie mit zwei Kindern kommt nach Abzug aller Werbungskosten auf 45 000 Euro Einkünfte aus nichtselbstständiger Tätigkeit. Zudem bleiben nach Abzug des Sparerpauschbetrags 5 000 Euro Kapitaleinkünfte. Bei Gesamteinkünften von 50 000 Euro wird das Finanzamt eine zumutbare Belastung von 3 Prozent (1 500 Euro) ermitteln – ganz gleich, ob die Kapitaleinkünfte in der Steuererklärung auftauchen oder nicht.

Vorteil beim Kindergeld

Die Kapitaleinkünfte müssen auch ­Eltern weiter einkalkulieren, wenn sie für ihre volljährigen Kinder in Ausbildung Kindergeld erhalten und den Ausbildungsfreibetrag nutzen wollen. Ab 2009 gibt es jedoch eine Änderung, von der manche Eltern profitieren.

Die Familienkasse prüft, wie hoch die Einkünfte und Bezüge der Auszubildenden sind. Sie müssen derzeit unter 7 680 Euro im Jahr liegen, damit Kindergeld fließt. Zu den Einkünften zählen zum Beispiel der Verdienst aus nichtselbstständiger Tätigkeit, zu den Bezügen ein Bafög-Zuschuss.

Für Kapitalerträge gilt eine besondere Rechnung: Ein Student hat aus Präsenten seiner Großeltern 2 000 Euro Zinsen im Jahr. Derzeit werden davon der Sparerfreibetrag (750 Euro) und die Werbungskostenpauschale (51 Euro) abgezogen. Es bleiben Einkünfte von 1 199 Euro. Im Gegenzug erhöht jedoch der Sparerfreibetrag die Bezüge des Studenten, sodass der anfängliche Vorteil wieder aufgehoben wird.

Ab 2009 mindert der neue Sparerpauschbetrag die Einkünfte, erhöht aber nicht mehr die Bezüge. Dank der Neuregelung steigt so für manche ­Eltern die Chance auf Kindergeld.

Dieser Artikel ist hilfreich. 943 Nutzer finden das hilfreich.