Abgeltungsteuer Special

Abgeltungsteuer. Künftig zwackt der Staat von allen Kapitalerträgen ein Viertel ab. Viele Anleger sind ­besorgt und fragen ihre Bank um Rat. Was empfehlen die Berater? Wir sind los­gezogen.

Noch bevor der Berater einen Satz ­gesagt hat, hatte unser Kunde schon drei Visitenkarten in der Hand. „Eine für Sie, und mit den anderen beiden können Sie mich ja weiterempfehlen!“ Selbstbewusst, der Mann der Berliner Sparkasse. Weiterempfehlen werden wir ihn aber nicht, weil wir uns nicht beraten, sondern eher überfahren fühlten.

Im Juli sind einige unserer Mitarbeiter in Berlin losgezogen, um zu hören, welche Tipps Banken ihren Kunden zur Abgeltungsteuer geben. Die neue Steuer gilt ab dem 1. Januar 2009. Ab dann geht von allen Kapitaleinkünften – von Zinsen, Dividenden und Kursgewinnen – ein Viertel ab (siehe Text Abgeltungsteuer ab 1. Januar 2009).

Unsere Mitarbeiter gaben an, dass sie ein Depot im Wert von 30 000 Euro besitzen. Es war mit einem Drittel Zinsanlagen und zwei Drittel Aktienanlagen bestückt, darunter Fonds und Einzelpapiere.

Wir wollten das Depot vor der Abgeltungsteuer neu ausrichten und waren an einer langfristigen Anlage für die Altersvorsorge interessiert. Es kam uns weniger auf eine Analyse unseres Depots als auf neue Vorschläge an. In welche Produkte wir investiert hatten, sagten wir nur auf Nachfrage.

Die Deutsche Bank und die Sparda-Bank entwickelten ihre Beratung dennoch auf Grundlage unserer bestehenden Anlagen. Die anderen rieten uns pauschal, unsere Geldanlagen zu verkaufen und neu zu investieren.

Dazu passt, was das Marktforschungs- und Beratungsinstitut Psychonomics herausgefunden hat: Mehr als jeder zweite Bankberater erwartet, dass zumindest ein Viertel seiner Kunden aufgrund der Abgeltungsteuer noch in diesem Jahr neue Anlageprodukte kauft.

Die meisten raten zu Dachfonds

Fünf von acht Banken schlugen uns vor, unser Geld in Dachfonds zu investieren. Dachfonds kaufen anders als gewöhnliche Fonds keine einzelnen Aktien oder Anleihen, sondern Fonds. Allerdings stecken in den uns angebotenen Dachfonds oft noch einzelne Aktien oder Zertifikate, nicht nur Fonds. Das geht, weil der Gesetzgeber die Vorgaben für Dachfonds gelockert hat.

Meist bezeichnen die Banken diese Angebote aber gar nicht als Dachfonds, sondern als Vermögensverwaltung. Jede Bank bietet die Fonds in verschiedenen Varianten an, je nachdem, welches Risiko die Anleger eingehen möchten.

Das HVB Vermögensdepot privat der Hypovereinsbank zum Beispiel gibt es in drei ­Varianten von sicher über ausgewogen bis riskant. Das Fondsvermögen verteilt sich vor allem auf börsennotierte Indexfonds, auf Rohstoffanlagen und Zertifikate.

Um das Produkt mehr Kunden zugänglich zu machen, hat die Hypovereinsbank die Mindestanlagesumme von 100 000 ­Euro auf 30 000 Euro gesenkt. Jetzt können auch wir es uns leisten.

Auch hinter der Commerzbank Allstars-Anlage stecken Dachfonds. Anleger können eines von drei Konzepten auswählen.

In der Sicherheitsvariante steckt das Geld derzeit zur Hälfte in Renten- und zu 30 Prozent in Aktienfonds. Bei der Allstars-Anlage „Chance“ liegen 75 Prozent des Fondsvermögens in Aktienfonds, darunter europäische, nordamerikanische und asiatische. Die Commerzbank greift auf eine breite Auswahl von Fonds zurück. Im Allstars-Portfolio liegen Fonds von DWS, Crédit Agricole oder Alger.

Beim Dresdner Fondsmanagement entscheidet sich der Anleger für eine von vier Varianten mit unterschiedlichen Aktienquoten. Alle vier Fondsversionen können zwischen 0 und 40 Prozent des Vermögens in „Spezialprodukte“ stecken. Dahinter verbergen sich zum Beispiel Hedgefonds oder Private Equity, Anlagen in Risikokapital.

Dachfondsempfehlungen gab es auch von der Berliner Sparkasse und der Postbank. Das Postbank Vermögensmanagement Plus baut auf Indexfonds auf. Es gibt drei Varianten.

Beim Sparkassenfonds Stratego wählen Anleger aus fünf Versionen. In jeder außer der „Offensiv“-Version liegen Immobilienfonds drin. Der Rest des Vermögens verteilt sich auf Aktien, Anleihen und Fonds.

Vor allem neue Produkte angeboten

Was uns gut gefallen hat: Die angebotenen Dachfonds passen zu unserem Wunsch, unser Geld langfristig, renditestark und steuergünstig anzulegen – zumindest, wenn wir jeweils die risikoreichste Variante wählen würden.

Gut ist außerdem die Flexibilität der Produkte. Das Fondsmanagement kann je nach Marktlage die Aktienquoten erhöhen oder verringern.

Sofern Anleger die Fonds dieses Jahr noch kaufen, profitieren sie von steuerfreien Umschichtungen im Fonds. Das ist im Hinblick auf die Abgeltungsteuer insofern ein Vorteil, als dass Anleger die Aufteilung ihres Vermögens auf sichere und riskante Anlagen nicht selbst ändern müssen – und dabei die Steuer in Kauf nehmen.

Was uns nicht gefallen hat: Die Finanzhäuser greifen nicht auf bewährte Fonds zurück, deren Qualität man kennt, sondern bieten vor allem neue Produkte an. Sollte sich herausstellen, dass ein solcher Fonds schlecht läuft und der Anleger ihn verkaufen muss, ist der Steuervorteil dahin.

Was die anderen vorschlugen

Eine sehr umfassende Beratung bekamen wir von einem Berater der Deutschen Bank. Das größte deutsche Geldhaus wartete mit einer individuellen Vermögensplanung und Empfehlungen für Einzeltitel auf.

Ausgehend von unserem bestehenden Depot riet der Berater zu kleineren Verkäufen und einigen Zukäufen, um eine optimale Aufteilung des Geldes zwischen Aktien und Anleihen, aber auch innerhalb der Aktienmärkte hinzubekommen.

Beispielsweise enthielt unser Depot nach Ansicht der Deutschen Bank zu viele europäische Aktien auf der einen und zu wenig flüssige Geldanlagen auf der anderen Seite.

Die Berliner Volksbank empfahl eine fondsgebundene Rentenversicherung, die in hauseigene Aktien- und Anleihenfonds investiert.

Eine Fondspolice ist abgeltungsteuerfrei, wenn der Anleger das Geld frühestens nach zwölf Jahren und erst ab dem 60. Geburtstag abhebt. Stattdessen muss er die Hälfte der Erträge mit dem persönlichen Steuersatz versteuern.

Das ist meist billiger als die Abgeltungsteuer, aber die Kosten der Versicherung fressen häufig den Steuervorteil wieder auf. Wer sich sein Geld als Rente auszahlen lässt, zahlt allerdings noch weniger Steuer.

Die Sparda-Bank schlug vor, für 10 000 Euro einen steueroptimierten Rentenfonds zu kaufen. Weitere 10 000 sollten in einen offenen Immobilienfonds fließen.

Das ist im Hinblick auf die Abgeltungsteuer keine schlechte Idee. Steueroptimierte Rentenfonds erwirtschaften überwiegend steuerfreie Kursgewinne statt steuerpflichtiger Zinsen. Und offene Immobilienfonds sind ohnehin nur beschränkt von der neuen Steuer betroffen.

Zu unserem Anlageziel Altersvorsorge hat der Vorschlag der Sparda-Bank aber nicht so gut gepasst. Rentenfonds sind für eine langfristige Geldanlage nicht ertragsstark genug. Und offene Immobilienfonds taugen unserer Ansicht nach nur als Beimischung, nicht als Basisinvestment.

Wir sind mit den Ratschlägen der Banken nicht unzufrieden. Sie bieten allerdings vor allem die Produkte an, die sie extra für den Schlussverkauf zur Abgeltungsteuer neu aufgelegt haben. Die Konzepte hören sich zwar ganz gut an, das Problem ist nur, dass wir heute nicht wissen, ob sie aufgehen werden. Bei bewährten Geldanlagen ist die Chance zumindest größer.

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