Fragen und Antworten: Bloß nicht kirre machen lassen

Mein Bankberater hat mir gesagt, Dachfonds sind abgeltungsteuerfrei. Bei Ihnen habe ich gelesen, das ist nicht so. Was stimmt denn nun?

Für Dachfonds gelten dieselben Regeln wie für alle Fonds. Sofern Sie den Fonds schon im Bestand haben oder noch in diesem Jahr kaufen, kassieren Sie Ihre Kursgewinne steuerfrei. Dieser Bestandsschutz gilt auch für andere Fonds.

Kaufen Sie Fonds erst nächstes Jahr, greift die Abgeltungsteuer. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie einen Dachfonds oder einen normalen Fonds kaufen.

Was ist mit den Ausschüttungen von Fonds? Gilt der Bestandsschutz auch hier?

Nein. Für Zinsen und Dividenden, die es im nächsten Jahr gibt, gilt die Abgeltungsteuer. Der Bestandsschutz bezieht sich nur auf Kursgewinne.

Überall liest man davon, dass thesaurierende Aktienfonds günstiger sein sollen als ausschüttende. Warum?

Ein ausschüttender Aktienfonds zahlt die Dividenden an die Anleger aus. Wenn Sie wollen, können Sie mit Ihrer Bank vereinbaren, dass diese Erträge sofort wieder angelegt werden. Dann kauft die Bank davon neue Fondsanteile. Tut sie das nächstes Jahr, gilt das als Neukauf und für spätere Kursgewinne fällt Abgeltungsteuer an.

Ein thesaurierender Fonds schüttet die Dividenden nicht aus, sondern führt sie sofort dem Fondsvermögen zu. Dadurch steigt der Wert jedes Fondsanteils, es kommt nicht zu einer Neuanlage. Das heißt, spätere Kursgewinne sind nicht von der Abgeltungsteuer betroffen.

Aber es heißt doch immer, man soll keine ausländischen thesaurierenden Fonds kaufen?

Das hat einen anderen Grund. Normalerweise soll die Fondsgesellschaft von den Zinsen und Dividenden, die sie thesauriert, Abgeltungsteuer abführen. Eine deutsche Fondsgesellschaft macht das, eine ausländische aber nicht. Statt dessen müssen Sie diese Erträge in Ihrer Steuererklärung angeben. Das ist aufwendig, wäre aber nicht so schlimm.

Richtige Probleme bekommen Sie, wenn Sie den Fonds verkaufen. Dann zieht Ihre hiesige Bank, bei der Sie Ihr Depot haben, Abgeltungsteuer ab – und zwar sowohl von den Kursgewinnen als auch von den Dividenden. Dass Sie die Dividenden bereits versteuert haben, ist egal. Der Fiskus will sichergehen, dass er seinen Anteil wirklich bekommt.

Jetzt müssen Sie alles in Ihrer Steuererklärung angeben, damit Sie die doppelt bezahlte Steuer erstattet bekommen. Mit deutschen thesaurierenden Fonds (Kennnummer Isin beginnt mit DE) haben Sie dieses Problem aber nicht.

Soll ich denn überhaupt noch Fonds kaufen? Das ist doch alles reichlich kompliziert.

Fonds sind nach wie vor empfehlenswert. Daran ändert die Abgeltungsteuer nichts. Lassen Sie sich von den neuen Regeln bloß nicht kirre machen. Sie sollten eine Geldanlage ohnehin nicht vorrangig nach steuerlichen Gesichtspunkten ausrichten.

Ich habe gehört, man soll Indexfonds kaufen. Was halten Sie davon?

Indexfonds sind nicht schlecht, aber oft nicht die beste Lösung. Indexfonds bilden einen Marktindex ab, zum Beispiel den Dax. Mit einem solchen passiv gemanagten Fonds schneiden Sie weder schlechter noch besser ab als der Markt, und das auch in 10 oder 20 Jahren noch. Insofern eignen sich diese Fonds gut für eine langfristige Geldanlage.

Bedenken Sie aber, dass Sie mit einem aktiv gemanagten Fonds, bei dem der Manager individuelle, vom Markt abweichende Entscheidungen trifft, mehr Geld verdienen können. Weitere Informationen hierzu finden Sie im Produktfinder Investementfonds.

Wenn Sie einen aktiv gemanagten Fonds später auswechseln müssen, weil er schlechter geworden ist, verlieren Sie zwar den Bestandsschutz auf Kursgewinne. Doch Sie können mit der Taktik trotz Abgeltungsteuer besser fahren.

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