Die neue Abgeltungsteuer trifft Fondssparer und Aktionäre besonders hart. Teil 2 unserer Serie zeigt, was sie für die bevorstehende Steuererklärung wissen sollten.

Im Umgang mit dem Finanzamt sind Fondssparer, Aktionäre und Besitzer anderer Wertpapiere allerhand gewöhnt. Nun müssen sie sich vor der Jahresabrechnung die neuen Steuerregeln ins Gedächtnis rufen, denn für Wertpapierbesitzer hat sich Anfang 2009 einiges verändert:

Kursgewinne von Papieren, die Anleger 2009 gekauft haben, sind beim Verkauf jetzt immer steuerpflichtig – ganz egal, wie lange der Anleger die Papiere vorher gehalten hat. Sobald der Sparerpauschbetrag von 801 Euro im Jahr (Ehepaare 1 602 Euro) überschritten ist, wird für die Gewinne Abgeltungsteuer fällig – genauso wie für die Zinsen und Dividenden, die solche Papiere im Laufe der Zeit abwerfen.

Dass die laufenden Erträge aus Wertpapieren steuerpflichtig sind, ist nicht neu. Neu ist aber, dass für sie jetzt die pauschale Abgeltungsteuer von 25 Prozent gilt und nicht mehr der persönliche Steuersatz.

Vor allem Aktionäre trifft eine weitere Änderung hart: Das Halbeinkünfteverfahren gibt es nach neuem Recht nicht mehr.

Verkaufsgewinn jetzt steuerpflichtig

Als Anfang 2009 die Abgeltungsteuer eingeführt wurde, hat für alle, die mit dem Verkauf von Fondsanteilen und anderen Wertpapieren Gewinne erzielen, eine neue Zeitrechnung begonnen: Haben Anleger seit dem 1. Januar 2009 Wertpapiere gekauft, fallen Gewinne aus ihrem Verkauf unter die neue Abgeltungsteuer. Die Spekulationsfrist von einem Jahr entfällt für die nach dem Stichtag erworbenen Papiere.

Beispiel: Ein Sparer, der sein Depot bei einer Bank in Deutschland führt, hat im Februar 2009 Anteile an einem Aktienfonds gekauft. Im November hat er sie wieder mit Gewinn verkauft. Die Bank hat für den Gewinn schon Abgeltungsteuer an das Finanzamt überwiesen (siehe Tabelle „Investmentfonds: Wann die Steuer fließt“).

Trotzdem kann es sich für den Fondssparer lohnen, das Geschäft in der Steuererklärung abzurechnen – wenn er zum Beispiel sonst nur niedrige Einkünfte hat. Denn alle, die einen Steuersatz unter 25 Prozent haben, müssen für ihre Kapitaleinkünfte nur diesen niedrigeren Steuersatz zahlen (mehr dazu, wann sich die Steuererklärung lohnen kann, siehe Serie Abgeltungssteuer Teil 1)

Anleger, die noch bis Ende 2008 Aktien oder Investmentfondsanteile gekauft haben, müssen sich in der Regel um die Steuer für Verkaufsgewinne nur dann Gedanken machen, wenn sie die Papiere innerhalb der einjährigen Spekulationsfrist verkauft haben. Den Verkaufsgewinn müssen die Sparer in der Steuererklärung angeben. Hierfür gilt noch der persönliche Steuersatz.

Wer Fonds oder Aktien aus der Zeit vor 2009 hingegen länger als ein Jahr hält, kann auch beim Verkauf in fünf oder zehn Jahren Kursgewinne noch steuerfrei kassieren. Diese Regelung gilt auch für die Kursgewinne aus dem Verkauf einer Vielzahl von Anleihen, zum Beispiel Bundesanleihen oder Pfandbriefen.

Besitzer von Zertifikaten und Finanzinnovationen müssen hingegen andere Übergangsfristen beachten. Besondere Fristen gelten außerdem für einige Geldmarktfonds und geldmarktnahe Fonds.

Fondserträge mit Tücken

Für die laufenden Erträge aus Wertpapieren macht es keinen Unterschied, ob der Anleger Fonds, Aktien oder Anleihen vor 2009 erworben hat oder erst später. So oder so werden für alle Zinsen und Dividenden seit Einführung der Abgeltungsteuer pauschal 25 Prozent Steuern fällig.

Doch wer führt die Steuer ab? Immer wieder fragen uns Leser, ob sich die Bank auch in ihrem Fall darum kümmert oder ob sie die Erträge selbst über die Steuererklärung abrechnen müssen. Verwirrend sind vor allem die Regeln zu „thesaurierenden“ Fonds.

Anleger, die einen thesaurierenden Fonds haben, bekommen die Zinsen und Dividenden, die der Fonds im Laufe eines Jahres erwirtschaftet, nicht gleich ausgeschüttet. Das Fondsmanagement legt stattdessen die Erträge gleich an. Handelt es sich um einen in Deutschland aufgelegten Fonds, führt die Fondsgesellschaft von den Erträgen Abgeltungsteuer und Solidaritätszuschlag ab, ehe sie den Rest anlegt.

Ausländische Fondsgesellschaften ziehen die Steuer für thesaurierte Erträge nicht ein, diese muss der Anleger wie früher auch jedes Jahr selbst über die Steuererklärung beim Finanzamt abrechnen.

Doch selbst wenn die Fondssparer im Laufe der Jahre, in denen sie Anteile an einem thesaurierenden Auslandsfonds besessen haben, alles richtig gemacht haben, müssen sie beim Verkauf der Anteile aufpassen: Sonst zahlen sie zu viel Steuer.

Denn beim Verkauf der Anteile überweist die Depotbank für sämtliche Wertzuwächse des Fonds Abgeltungsteuer an das Finanzamt. In diesem Zuwachs sind die wiederangelegten Erträge enthalten, die der Anleger selbst schon abgerechnet hat.

Die zu viel gezahlte Steuer können sich Anleger nur über die Steuererklärung zurückholen. Dazu müssen sie für alle Jahre belegen, welche Erträge sie erzielt und bereits selbst versteuert haben.

Folgen des Depotwechsels

Erschwert wird die Abrechnung für thesaurierende ausländische Fonds womöglich, wenn ein Anleger mit seinem Depot die Bank gewechselt hat: „Kann es sein, dass meine jetzige Bank allein aufgrund des Wechsels mehr Abgeltungsteuer an das Finanzamt gezahlt hat als nötig?“, fragte uns Birger Bartelsen aus Sindelfingen.

Das kann tatsächlich passieren, wenn die alte Depotbank dem neuen Institut nicht alle Daten zum Kauf des Fonds übermittelt hat. Weiß die neue Bank nicht, wann die Anteile erworben wurden, kann sie auch nicht wissen, welche Erträge seither angefallen sind. Da sie aber Steuern abführen soll, greift eine harte Regel: Die Bank muss in diesen Fällen beim Verkauf des Fonds Abgeltungsteuer für alle Erträge einziehen, die der Fonds seit dem 1. Januar 1994 erwirtschaftet und thesauriert hat.

Haben Anleger wie Birger Bartelsen die Fondsanteile später erworben, müssen sie nicht so viel Steuern zahlen. Ihnen bleibt wieder nur die Steuererklärung, um das Geld zurückzuholen. Um die tatsächlichen Erträge belegen zu können, sollten sie auch ältere Auszüge und Informationen von Bank und Fondsgesellschaft vorlegen.

Alles zählt – nicht mehr nur die Hälfte

Der Wegfall des Halbeinkünfteverfahrens benachteiligt vor allem Aktionäre. Bis 2008 waren Gewinne aus dem Aktienverkauf, die sie innerhalb der Spekulationsfrist erzielten, nur zur Hälfte steuerpflichtig. Auch Dividenden zählten nur zur Hälfte. Heute zählen all diese Erträge komplett.

Die Neuregelung trifft auch Anleger, die wie Christof Pulter aus Fröndeberg Altverluste aus Aktien mit Gewinnen aus 2009 erworbenen Aktien verrechnen wollen.

Das Finanzamt hat Pulters Verluste aus dem Jahr 2008 aufgrund des Halbeinkünfteverfahrens nur zur Hälfte anerkannt. Die Gewinne aus den 2009 gekauften Papieren zählen dagegen komplett und nicht mehr nur zur Hälfte. So bleiben mehr steuerpflichtige Gewinne übrig als nach den alten Regeln, wenn Gewinne und Verluste verrechnet wurden.

Neue Verluste verrechnen

Aktionäre mit Altverlusten wie Christof Pulter haben aber einen Vorteil gegenüber denen, die mit 2009 erworbenen Papieren Verluste machen: Sie können ihre Altverluste aus Aktien bis 2013 zum Beispiel mit Gewinnen aus dem Verkauf von Fonds oder aus verschiedenen anderen Geldanlagen ausgleichen.

Aktionäre, die erst 2009 in Aktien investiert haben und mit Verlust verkaufen, dürfen den Verlust nur mit Aktiengewinnen verrechnen. Sowohl für die Aktionäre mit Altverlusten als auch für die Neuaktionäre gilt, dass sie ihre Verluste nicht mit Zinsen oder Dividenden gegenrechnen dürfen. Anleger mit Verlusten aus Fonds haben mehr Verrechnungsmöglichkeiten. Sie können Verluste aus ab 2009 erworbenen Anteilen über die Steuererklärung nicht nur mit Gewinnen aus Aktien, Fonds oder anderen Wertpapieren, sondern auch mit Zinsen und Dividenden ausgleichen.

Haben Anleger Verluste aus Fondsinvestitionen der Zeit vor 2009, spielt das frühere Halbeinkünfteverfahren anders als für Aktionäre keine Rolle. Fondsverluste zählten schon früher genau wie Gewinne aus Fonds voll für die Steuer mit. Demnach können die Anleger auch mit ihren gesamten Altverlusten aus Fonds andere Gewinne ausgleichen und so die Steuerlast senken. Doch auch für Altverluste aus Fonds gilt wie für sämtliche anderen Altverluste: Zinsen und Dividenden dürfen die Anleger damit nicht ausgleichen.

Serie Abgeltungsteuer
Bereits erschienen:
Neue Aufgabe: Selbst abrechnen mit dem Finanzamt (1/2010)
Die nächste Folge:
– Die Steuerformulare im Detail (3/2010)

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