VW-Skandal Schnelltest

Der Rechts­dienst­leister myright.de will europäischen Käufern von VW-Skandal­autos zu Schaden­ersatz verhelfen. Hinter der Sammelklage gegen den VW-Konzern steckt US-Star­anwalt Michael D. Haus­feld. Myright.de will im September für die bisher gut 30 000 Teilnehmer Klage einreichen. Wer dabei sein will, kann sich noch bis Mitte Juli registrieren.

Erste Klagen laufen bereits

Einzelne Klagen hat myright.de bereits einge­reicht. Besonderheit dieser Fälle: Dort sind die myright.de-Kunden selbst Kläger; das Unternehmen fungiert als Prozess­finanzierer. Eigentlich ist myright.de ein Inkassounternehmen. Der Auftrag kommt – anders als bei den meisten anderen Unternehmen dieser Art – von Verbrauchern und nicht von Unternehmen. So funk­tioniert myright.de: Skandal­autobesitzer treten dem Unternehmen Schaden­ersatz­forderungen gegen VW ab. Schaden­ersatz ist entweder die Erstattung des Kauf­preises gegen Rück­gabe des Wagens oder ein finanzieller Ausgleich für den skandalbe­dingten Minderwert.

Tipp: Grund­legende Informationen über den VW-Skandal finden Sie im FAQ VW-Skandal. Hintergrund­informationen für VW-Aktionäre bietet unser FAQ VW-Aktionäre.

Provision nur bei Erfolg

Die Einschaltung von myright.de ist zunächst kostenlos. Sie bleibt kostenlos, so lange es Kunden nichts bringt. Wenn VW am Ende allerdings Schaden­ersatz zahlt, gehen 35 Prozent ans Unternehmen. Berechnungs­grund­lage ist der Vorteil, den Kunden am Ende haben. Wenn VW Schaden­ersatz an Kunden zahlt, die ihren Wagen behalten, dann ist die gesamte Zahlung von VW Grund­lage für die Berechnung der Erfolgs­provision. Geben Kunden ihren Wagen zurück, wird der Wert des Wagens ange­rechnet. Grund­lage für die Provisions­berechnung ist die Schaden­ersatz­zahlung von VW abzüglich des Werts des zurück­gegebenen Wagens.

Amerikanischer Star­anwalt kämpft für deutsche Auto­fahrer

Hinter dem Inkasso-Rechts­dienst­leister myright.de steht der US-Anwalt Michael D. Haus­feld. In seiner Heimat ist er eine Legende. Er hat etliche Milliarden Dollar Schaden­ersatz für Opfer von Diskriminierung, Umwelt­verschmut­zung und Menschen­rechts­verletzungen erkämpft. Auch bei den Klagen von amerikanischen Opfern der VW-Manipulationen mischt er mit. Bei solchen „class actions“, bei denen einzelne Musterkläger stell­vertretend für alle anderen Opfer vor Gericht ziehen, können Unternehmen zu milliarden­schwerem Strafschaden­ersatz verurteilt werden. Alle übrigen Opfer werden anschließend entsprechend der im Muster­prozess ausgehandelten Regeln entschädigt.

Samm­lung von Forderungen

Solche Sammelklagen wie in den USA gibt es in Deutsch­land nicht. Auch zu Strafschaden­ersatz können Unternehmen hier­zulande nicht heran­gezogen werden. Zivilrecht­licher Schaden­ersatz steht Besitzern von Autos mit Betrugs­software aber auch in Deutsch­land zu, erklärt Christopher Rother, Hausfelds Partner in Deutschland und Leiter der Nieder­lassung der US-Kanzlei in Berlin. Durch Abtretung solcher Forderungen an einen Kläger können die Rechte vieler Opfer auch in Deutsch­land gesammelt geltend gemacht werden.

Tipp: In unseren großen FAQ zur Abgasmanipulation bei Volks­wagen und Audi finden sie noch viele weitere Antworten auf Ihre Fragen.

Registrierung für erste Klagewelle bis Mitte Juli

Bei myright.de kann mitmachen, wer ein Auto aus dem VW-Konzern mit betrügerischer Motorsteuerung vor Bekannt­werden des Skandals im September 2015 gekauft oder geleast hat. Er benötigt Kopien oder Scan-Dateien von

  • Fahr­zeug­schein,
  • Zulassungs­bescheinigung (Teil 2),
  • Kauf- oder Leasing­vertrag
  • und gegebenenfalls Kredit­vertrag.

Die Unterlagen muss er entweder bei Registrierung auf myright.de hoch­laden oder später per Post schi­cken. test.de hat es ausprobiert: Die Registrierung mit Hoch­laden der erforderlichen Unterlagen verläuft problemlos. Die Bedienung klappt auf Anhieb. Kunden, die sich bis Mitte Juli anmelden, sind schon bei den ersten Sammelklagen mit von der Partie. Die wird myright.de noch im September einreichen. Einzel­heiten dazu teilte das Unternehmen noch nicht mit. Vorstell­bar sei, die Kläger nach Art der Finanzierung zu sammeln und verschiedene Klagen für selbst, auf Kredit oder per Leasing finanzierte Autos einzureichen.

Geschäfts­bedingungen auf dem Prüf­stand

In den Geschäfts­bedingungen von myright.de fanden die Gutachter der Stiftung Warentest nur winzige Schwächen. So bleibt unklar, wie lange Interes­senten an ihr – mit Online-Registrierung – abge­gebenes Angebot gebunden sind, das Unternehmen zu beauftragen. Der Vertrag kommt nämlich erst zustande, wenn das Unternehmen das Angebot der Kunden ausdrück­lich annimmt. Eine Frist dafür findet sich in den Geschäfts­bedingungen nicht. Praktisch ist das kein Problem: myright.de-Kunden können ihr Angebot ohnehin jeder­zeit bis zwei Wochen nach Vertrags­schluss widerrufen. Noch ein kleiner Mangel: In der Widerrufs­belehrung steht zwar, dass der Widerruf auch per Fax möglich sei. Es wird allerdings keine Faxnummer genannt.

Schwer verständliche Daten­schutz­bestimmungen

Geringe, aber ärgerliche Mängel haben auch die Daten­schutz­bestimmungen. Sie sollen zwar offensicht­lich den bei seriösen Online-Shops üblichen Umgang mit Daten beschreiben und es ist wohl auch keine Weitergabe von Daten jenseits gesetzlicher Rechte und Pflichten beabsichtigt. Für Verbraucher ist das aber kaum verständlich erklärt. Auch nicht schön: myright.de setzt das Analyse-Tool Google Analytics ein. Das heißt: Google erfährt von jedem Besucher auf der Seite und kann die Daten mit denen von den Besuchen anderer Webseiten verknüpfen und sie dem Profil eines Internetnutzers zuordnen. Ihm kann Google dann noch zielgenauer auf seine Interessen abge­stimmte Werbung auf den Schirm schi­cken. So etwas ist leider ebenfalls üblich – aber ärgerlich.

Das Fazit: Interes­santer Deal für viele VW-Kunden

My-right.de ist eine bequeme Möglich­keit, Schaden­ersatz­ansprüche gegen VW durch­zusetzen. Wenn es nicht klappt, zahlen Kunden gar nichts. Wenn es klappt, geht gut ein Drittel des Schaden­ersatzes ans Unternehmen. Für viele Fahr­zeug­besitzer dürfte das ein guter Deal sein. VW-Skandal­opfer können selbst einen Rechts­anwalt einschalten. Das macht etwas mehr Mühe, hat aber schon in zahlreichen Fällen Erfolg gehabt. Zahlreiche VW-Skandal-Klagen haben die Gerichte allerdings auch abge­wiesen. Wichtiger Hinweis für Besitzer einer Verkehrs­rechts­schutz-Police: Der Versicherer hat die Kosten zu über­nehmen.

Übrigens: Auch der nieder­ländische „Stichting Car Claim“ bietet auf der Grund­lage spezieller nieder­ländischer Verbraucher­schutz­regeln ebenfalls die Chance auf Schaden­ersatz ohne Risiko an. Für deutsche Auto­fahrer hat die Stichting aber keine Möglich­keit, VW unter Druck zu setzen. VW hat die Verhand­lungen verweigert. Jetzt bieten die Rechts­anwalts­kanzleien Baum Reiter & Kollegen und Gansel Rechts­anwälte in Zusammen­arbeit mit Prozess­finanzierern Skandal­autobesitzern unter www.vw-verhand­lung.de die Durch­setzung ihrer Forderungen an. Wie bei Myright.de zahlen sie nichts, solange VW keinen Schaden­ersatz zählt. Wenn VW zahlt, behält das Unternehmen 29 Prozent, höchs­tens allerdings 2 900 Euro. Grund­lage für die Berechnung der Provision soll wie bei Myright.de der Vorteil sein, den die Aktion Skandal­autobesitzern am Ende bringt. Die genauen Geschäfts­bedingungen und die Regeln für die Berechnung der Provision kennt test.de bisher nicht, so dass wir das Angebot nicht bewerten können.

Vor dem Auftrag: Das müssen Sie wissen

Das müssen Sie als Betroffener wissen, wenn Sie sich über myright.de registrieren:

  • Nach Abtretung ihrer Forderung dürfen sie nicht mehr selbst gegen VW vorgehen. Klagen gegen VW-Händler und der Widerruf von fast immer fehlerhaften Finanzierungsverträgen bleiben möglich.
  • Ob sie Geld bekommen – und wenn ja: wie viel – hängt davon ab, wie die Nach­rüstung der Autos mit Abschaltung der Abgas­reinigung gelingt, ob sie die Halt­barkeit der Autos beein­trächtigt und wie gut sich die deutschen Haus­feld-Anwälte in der Auseinander­setzung mit VW schlagen.
  • Auf jeden Fall brauchen Sie Geduld. Bevor die Nach­rüstung der Autos aus dem VW-Konzern mit vorschrifts­mäßiger Abgas­reinigung nicht abge­schlossen ist, gibt es ganz sicher keine Einigung. Danach werden aber wohl auch noch viele Monate ins Land gehen, bis entweder die Gerichte entschieden oder myright.de- und VW-Juristen sich geeinigt haben.
  • Eventuell bestehende Sach­mangelrechte gegen­über dem Auto­verkäufer sind von der „Sammelklage“ nicht berührt. Die können Sie weiterhin geltend machen.

Diese Meldung ist erst­mals am 23. Februar 2016 auf test.de erschienen. Sie wurde seitdem mehr­fach aktualisiert, zuletzt am 29. Juni 2017. Ältere Kommentare beziehen sich auf die jeweils aktuelle Fassung.

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