AWD Liste mit zehn­tausenden AWD-Geschädigten

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AWD - Liste mit zehn­tausenden AWD-Geschädigten

Carsten Masch­meyer, Gründer des AWD, behauptet, dass sich die Zahl der unzufriedenen AWD-Kunden im Promilleber­eich bewegt. Eine AWD-Liste, die dem NDR, dem Stern und Finanztest vorliegt, belegt etwas anderes: Darauf stehen über 34 000 AWD-Kunden, die mit geschlossenen Immobilienfonds der Capital Konsult aus Stutt­gart Verluste machten. Viele dieser Kunden sind heute finanziell ruiniert. Entschädigen will der AWD die Anleger nicht.

AWD empfahl gefähr­liche Kredit­finanzierung

Die Liste belegt nicht nur, dass der AWD in den 90er Jahren zehn­tausenden Kunden lang­jährige Beteiligungen an riskanten Fonds vermittelte, den so genannten Dreiländerfonds. Sie belegt auch, dass tausende Anleger ihre Anteile an den geschlossenen Fonds, die ihnen vom AWD häufig als sichere Alters­vorsorge verkauft wurden, mit einem Kredit finanzierten.

Viele Anleger kauf­ten auf Pump

Laut AWD-Liste haben etwa 20 Prozent der Kunden ihre Fonds­anteile mit einem Kredit finanziert. „Tatsäch­lich waren es aber viel mehr“, erklärte ein früherer Finanzierungs­spezialist des AWD. Der Mann muss es wissen. Seine Aufgabe war es, Beschwerden von AWD-Kunden zu bearbeiten. Auf der Liste stünden nur etwa die 20 Prozent Kunden, die ihre Anteile über die mit dem AWD zusammen arbeitenden Banken BHW-Bank und Hypo­ver­eins­bank finanziert hätten. Tatsäch­lich hätten etwa 80 Prozent der Kunden ihrer Anteile auf Kredit gekauft. Viele Kunden seien in der Liste jedoch als Anleger mit Eigen­kapital aufgeführt, weil hier der persönliche AWD-Berater die Finanzierung für den Kunden etwa über dessen Haus­bank besorgt habe. Finanztest hat das nachgeprüft und einige Kunden, die laut Liste Eigen­kapital einge­setzt haben sollen, angerufen. Alle Befragten gaben an, ihre Fonds­anteile auf Pump finanziert zu haben.

Kredit­finanzierung ruinierte viele Anleger

Die von AWD-Beratern empfohlene Finanzierung der Fonds­anteile auf Kredit, die viele Anleger finanziell ruinierte, ist aus Sicht von Finanztest eine systematische Falsch­beratung. Die Aussagen der Berater, dass Anleger ihre monatlichen Kreditraten mit den Ausschüttungen aus den Fonds bezahlen könnten, waren unseriös. Denn lang­jährige Beteiligungen an geschlossenen Fonds sind immer riskant. Die Anbieter von Immobilienfonds müssen mit vielen Risiken kämpfen. So können beispiels­weise Immobilien­preise fallen, Miet­objekte wie Läden leer stehen, Theater und Hotels nicht ausgelastet sein oder Mieten nied­riger ausfallen als geplant. Ganz zu schweigen von den Kosten, die Anleger für Vertrieb, Verwaltung und Management des Fonds bezahlen müssen und die erst einmal wieder erwirt­schaftet werden müssen. Bei lang­jährigen Beteiligungen an geschlossenen Fonds müssen Anleger also immer auch mit geringeren Ausschüttungen als den erhofften und im schlimmsten Fall auch mit einem Total­verlust rechnen. Die Empfehlungen der AWD-Berater, Fonds zur Alters­sicherung auf Pump zu kaufen, war hoch gefähr­lich.

Fonds brachten nicht die erhofften Ausschüttungen

Spätestens als viele Dreiländerfonds die erhofften Ausschüttungen nicht mehr erwirt­schafteten, bekamen die Anleger zu spüren, welche Folgen die Finanzierung ihres Fonds­anteils auf Kredit haben kann. Nachdem Ausschüttungen aus den Fonds sanken oder ganz ausblieben, konnten Anleger ihre monatlichen Kredit­kosten nicht mehr aus den Ausschüttungen decken. Viele von ihnen gerieten in finanzielle Not.

Masch­meyer: Anbieter sind für Verluste verantwort­lich

Masch­meyer erklärt heute in Interviews, dass nicht der AWD als Vermittler, sondern die Anbieter der Fonds für die Verluste verantwort­lich seien. Das stimmt auch, ändert aber nichts an der fehler­haften Beratung über die Risiken durch die AWD-Berater. Hätten die AWD-Berater ihre Kunden voll­ständig über die Risiken der geschlossenen Fonds informiert, hätten die allermeisten Kunden wohl keine Anteile gekauft. Wie wenig die Berater über die Risiken der Dreiländerfonds wussten, zeigt sich auch daran, dass sehr viele AWD-Berater selber verlust­reiche Fonds gezeichnet haben.

Vermitt­lung riskanter Fonds brachte hohe Provisionen

Die Vermitt­lung solcher geschlossenen Fonds war für den AWD ein einträgliches Geschäft. Der AWD vermittelte Dreiländerfonds, Falk-Immobilienfonds oder IMF-Medienfonds im großen Stil und kassierte dafür hohe Provisionen. Nachdem die Fonds die prognostizierten Ausschüttungen nicht mehr erwirt­schafteten oder sogar pleite gingen (Falk-Fonds), will der AWD für seine fehler­haften Beratungen der Kunden nicht gerade­stehen. Zwar hat Masch­meyer den AWD ab 2007 an den Schweizer Versicherungs­konzern Swiss Life verkauft. Dennoch äußert er sich regel­mäßig in den Medien zu den Fonds­vermitt­lungen der 90er Jahre. Da alle diese Fonds Lauf­zeiten über viele Jahre haben, leiden Anleger bis heute unter den Folgen der Beratung, die zum Fonds­kauf führte. Masch­meyer gibt unterschiedliche Bewertungen der damaligen Beratungs­situation ab. Mal sagt er, dass die Fonds „als sicher“ galten. Mal sagt er, dass die Berater in Protokollen umfassend über die Risiken informiert haben (Süddeutsche Zeitung vom 5./6.Februar 2011).

Masch­meyer, der die Beratungs­praxis des AWD bis heute verteidigt, hat mit den Vermitt­lungen geschlossener Fonds viel Geld verdient. Er soll heute zu den reichsten Männern Deutsch­lands gehören.

Panorama zeigt Liste mit AWD-Opfern

In der Sendung „Panorama- Die Reporter“, die heute Abend um 22 Uhr 35 im NDR (3. Programm) läuft, zeigt der NDR, wie der AWD bei der Vermitt­lung der riskanten Dreiländerfonds vorgegangen ist. Zuschauern wird auch die AWD interne Liste mit über 34 000 Namen und Beteiligungs­summen von Anlegern präsentiert.

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Niko23 am 01.03.2019 um 17:58 Uhr
Dem hat Hannover 96 seinen Stadionnamen verkauft

Mit diesen Oberkriminellen macht die Bundesliga gern Geschäfte.
Amen.

hyakutake99 am 08.12.2011 um 19:25 Uhr
Erfahrungen zur Botag-Beteiligung

Auch ich bin einer der vielen tausend AWD-Geschädigten. Mein AWD-Berater (ein Ex-Kollege...) hat mir den geschlossenen Botag-Fonds empfohlen, insb. aus steuerlichen Gründen. Daher habe ich die Beteiligung auf Anraten des Beraters auf Kredit finanziert. Der Fonds ist mittlerweile in Abwicklung. Gibt es andere Geschädigte des Botag-Fonds? Oder gibt es schon Erfahrungswerte hinsichtlich der Erfolgsaussicht einer Klage?
Besten Dank.

martmeve am 15.09.2011 um 12:34 Uhr
AWD kassierte mehr als 15% Provision...

... und hätte darüber VORAB aufklären müssen. Hat er aber nie. Daraus entsteht für die Anleger ein Rückabwicklungsanspruch. Das gilt für IMF-Fonds, DCM-Fonds, viele Falk-Fonds, Botag und weitere. Hier droht dem AWD bis zum Jahresende eine gewaltige Klagewelle.
Wer mehr wissen will, kontaktiert die Interessengemeinschaft für Kapitalanleger und Versicherte e.V.

martmeve am 15.09.2011 um 12:32 Uhr

Kommentar vom Autor gelöscht.

RADr.AlexanderWachs am 05.04.2011 um 16:09 Uhr
Ersatzansprüche gegen AWD

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich prüfe nun schon in einigen Fällen Ersatzansprüche gegen den AWD für AWD Geschädigte. Auffallend ist dabei gewesen, dass die einzelnen Berater teilweise wirklich sehr unterschiedlich beraten haben.
Insoweit kann ich dem Artikel grundsätzlich beipflichten wenn darauf hingewiesen wird, dass eben keineswegs immer auf die Risiken hingewiesen wurden - mit teilweise erheblichen Nachteilen für die Beratenen.
Interessant wird es werden zu sehen, inwieweit der AWD bereit ist Verantwortung für Falschberatungen zu übernehmen.