AWD Meldung

Das Landgericht München I hat den Finanzdienstleister AWD in zwei Fällen zu Schadenersatz verurteilt. In beiden Fällen hatten AWD-Berater ihren Kunden nicht offengelegt, dass sie für die Vermittlung von Immobilienfonds Provisionen erhielten (Az. 22 O 1797/09 und Az. 22 O 1374/09).

Die Anleger hatten sich 1997 und 2002 an Falk-Immobilienfonds beteiligt, die inzwischen in Schwierigkeiten sind. Der AWD muss sie nun so stellen, als ob sie die Fondsanteile nie gekauft hätten. Darlehen, die diese Kläger zur Finanzierung ihrer Fonds aufgenommen hatten, muss der AWD ablösen.

„Sollten die Urteile rechtskräftig werden, könnten hunderte Opfer geschlossener Fonds klagen“, sagt Rechtsanwalt Ralph Veil von der Münchener Kanzlei Mattil & Kollegen, der die Anleger vertritt.

Der AWD hat Berufung eingelegt. Es handele sich um Einzelfälle. Zahlreiche Oberlandesgerichte hätten bereits zugunsten des AWD entschieden, dass Berater ihre Kunden vor dem Jahr 2006 nicht über ihre Provisionen informieren mussten.

Der Bundesgerichtshof hatte 2006 entschieden (Az. XI ZR 56/05), dass Kunden über Rückvergütungen aufgeklärt werden müssen. Nur so könnten sie beurteilen, ob ein Berater im eigenen oder im Interesse des Kunden handele.

Das Landgericht München I sieht die Aufklärungspflicht jedoch schon seit 1905 gerichtlich bestätigt. Damals entschied das Reichsgericht, dass es Treu und Glauben widerspreche, wenn ein Bankier als Kommissionär seinem Kunden einen Teil seiner Bonifikation verschweige.

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