AWD-Falschberatung Meldung

Wegen Falschberatung hat das Landgericht Hannover den AWD verurteilt (Az. 13 O 3037/01, nicht rechtskräftig). Der Finanzvertrieb soll einem Anleger rund 65.000 Mark zurückzahlen, der Anteile am Dreiländerfonds DLF 94/17 der Stuttgarter Firma Kapital-Consult gezeichnet hatte. Der AWD-Vertreter hatte den Anleger nicht auf negative Presseberichte (Beispiel: Finanztest) hingewiesen. Das Urteil, erstritten von der Stuttgarter Kanzlei Wüterich & Breucker, könnte Signalwirkung haben: Der AWD hat Tausende Kunden an diesen geschlossenen Immobilienfonds vermittelt und damit satte Provisionen verdient. Viele Sparer haben die Anteile auf Kredit finanziert und geraten nun in Schwierigkeiten, weil die Fondsausschüttungen ausbleiben. Betroffene, die falsch beraten wurden, sollten sich an einen spezialisierten Anwalt wenden. 150 Anleger werden bereits vom Bund der Kapitalanleger vertreten (Tel. 0 68 24/ 9 11 54), weitere 100 sind in einer Interessengemeinschaft (Tel. 0 41 77/ 71 90 22), die vom Bremer Anwalt Klaus Wewerka vertreten wird.

[Update 25.11.2011] Das Urteil ist inzwischen gegenstandslos. Der AWD hat Berufung einlegt und sich später mit dem Kläger auf einen Vergleich geeinigt. Einzelheiten wurden nicht bekannt, die Parteien hatten sich zu Stillschweigen verpflichtet. In anderen Verfahren hat der Bundesgerichtshof (BGH) letztinstanzlich entschieden, dass die Prospekte zum Fonds letztlich nicht zu beanstanden sind. Anleger können daher – sofern Ansprüche nicht inzwischen ohne verjährt sind – nur Schadenersatz durchsetzen, wenn sie im Einzelfall Fehler in der individuellen Beratung nachweisen können.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 12.01.2006
Aktenzeichen: III ZR 407/04

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