AV-Receiver Test

Die Audio-Video-Empfänger sind seit eh und je wahre Multijobber. Einige haben sich jetzt noch ein weiteres Aufgabenfeld erschlossen: die Bilddigitalisierung.

Ein Audio-Video-Receiver erfüllt im heimischen Wohnzimmerkino gleich vier Jobs auf einmal: Hauptberuflich verstärkt er mit viel Energie das (Film-)Tonsignal und verteilt es auf die Heimkinolautsprecher, das Surroundsystem. Neben der Qualität der verwendeten Lautsprecherboxen hängt es vor allen Dingen vom Verstärker ab, wie beeindruckend etwa eine Verfolgungsjagd von James Bond klingt.

Im Nebenjob ist ein AV-Receiver außerdem so etwas wie eine Mehrfachsteckdose für Unterhaltungselektronik. Statt jedes Mal umständlich am Fernseher umzustecken, wenn statt des Videorekorders der DVD-Spieler gebraucht wird, können alle Geräte dauerhaft am AV-Receiver angeschlossen bleiben. Der leitet dann das Bild an den Fernseher weiter. Die gerade gefragte Quelle kann mit der Fernbedienung angewählt werden. Nicht zu vergessen der dritte Job. Mit einem AV-Receiver kann man auch Radio hören. Alle Geräte bieten ein UKW-Empfangsteil. Und viertens: Auch andere Audioquellen, wie zum Beispiel ein CD-Spieler, können über so ein Gerät zu Gehör gebracht werden.

Paradedisziplin: Verstärken von Ton

AV-Receiver Test

Hunderte Watt Verstärkerleistung bringen die Audio-Video-Empfänger ganz schön ins Schwitzen. Einige werden selbst frei stehend an manchen Stellen so warm, dass man sie kaum noch anfassen kann. Im Thermobild sind die heißesten Stellen weiß.

Von den zwölf AV-Receivern ist die eine Hälfte auf Surroundanlagen mit bis zu sieben Boxen ausgelegt, die andere auf fünf Boxen. Bei Bedarf kommt noch ein aktiver Subwoofer hinzu – für die Wiedergabe tiefer Töne. Für Hollywood-Standardmaterial genügen fünf Kanäle vollauf.

Beim Verstärken von Ton schneiden sieben Geräte „sehr gut“ ab. Darunter ist auch der Denon AVR-1910, der den Rundumton auf sieben Lautsprecher verteilen kann und die Testhörer sowohl im Stereo- als auch im Surroundeinsatz überzeugte. Als Einziger erzielte er ein „sehr gutes“ Qualitätsurteil.

Negativ fielen der Harman/Kardon AVR 155 und der Sony STR-DH500 auf: Der Harman/Kardon versagte im Kurzschlusstest. Der Sony stieg beim Überlastungstest aus, bei dem bei voller Leistung der Anschluss ungeeigneter Lautsprecher simuliert wird. Der Harman/Kardon gehört neben dem Onkyo TX-SR607 und dem Pioneer VSX-919AH außerdem zu den Stromfressern.

Bildsignale: Aus analog wird digital

Bei der Klangqualität der AV-Receiver gab es keine schlechten Noten. Unterschiede gibt es eher bei den Zusatzfunktionen. Einige können nämlich noch deutlich mehr als Ton verstärken und UKW-Radio empfangen: Die beiden Denons, Onkyo TX-SR 607, Pioneer VSX-919AH und Yamaha RX-V565 sind zum Beispiel in der Lage, analoge Bildsignale in digitale umzuwandeln.

Im Klartext heißt das: Schließt man an die AV-Receiver einen alten Videorekorder an, der seine Informationen grundsätzlich analog übermittelt, können sie diese in ein digitales HDMI-Signal (High Definition Media Interface) übersetzen. Die Digitalsignale werden dann über ein einziges Kabel, das HDMI-Kabel, an den Fernseher oder Beamer weitergeleitet. Bei allen anderen Testgeräten ist für analoge Bildsignale auch noch eine zusätzliche analoge Kabelverbindung zum Fernsehapparat nötig.

Digitalisieren: Feinschliff fürs Bild

Die Umwandlung analoger Signale in digitale hat nur einen Haken: Wer an Bilder von hochauflösenden digitalen Medien wie Blu-ray oder an DVD-Videos gewöhnt ist, wird dem alten VHS-Bild nicht mehr viel abgewinnen können. Denn die Filme von alten Videokassetten haben wesentlich weniger Bildinformationen.

Immerhin können AV-Receiver der Video­qualität nachträglich auf die Sprünge helfen. Sie rechnen die Auflösung auf hochauflösende Standards (HDTV) hoch, teilweise auf bis zu 1 080 Bildzeilen (Full HD). Im Fachjargon wird das „Upscaling“ genannt.

Das Hochrechnen ist aufwendig: Nur der Testsieger Denon AVR-1910 und der Pioneer VSX-919AH gaben am Ende störungsfreie Bilder wieder – das aber in jeweils größtmöglicher Auflösung. Bei den anderen waren Fehler hingegen deutlich sichtbar: Die Bildkanten wirkten ausgefranst.

Sound: Automatisches Einmessen

Eine Surroundanlage optimal einzustellen ist eine Wissenschaft für sich. Doch die Hersteller sind bemüht, den Umgang mit den Geräten so einfach wie möglich zu machen – zum Teil mit ausgeklügelten automatischen Funktionen.

Eine große Unterstützung für den Nutzer ist die Einmessautomatik. Mithilfe eines Mikrofons und einer Abfolge von Prüfsignalen passt sich der Sound in wenigen Minuten selbsttätig an die akustischen Raumgegebenheiten an. Der AV-Receiver steuert die angeschlossenen Boxen selbstständig optimal aus. Allerdings fehlt diese Funktion beim Pioneer VSX-519V.

Wer Lautsprecher und AV-Receiver einmal richtig eingestellt hat, kann sich dann zurücklehnen und James Bonds Verfolgungsjagd mit bombastischem Hollywood-Klang erleben – eben wie im Kino.

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