AOK-Hausarztprogramm Schnelltest

Angebot: Die AOK Sachsen-Anhalt bietet als erste Krankenkasse ein landesweites Hausarztprogramm an. AOK-Versicherte, die sich verpflichten, mindestens ein Jahr lang bei allen Erkrankungen zuerst einen Hausarzt aufzusuchen, zahlen bei ihm keine Praxisgebühr mehr. Sie müssen aber an die AOK 20 Euro pro Jahr zahlen. Das Programm hat regen Zulauf: Schon in den ersten Wochen haben sich rund 28 000 Versicherte eingeschrieben.

Vorteile: Der Hausarzt hat den Überblick über alle Untersuchungen und Behandlungen des Patienten und kann zum Beispiel Blutwerte regelmäßig überwachen. Auf diesem Weg soll unnötige Doppeluntersuchungen und schädliche Wechselwirkungen von Medikamenten vermieden werden.

Wer noch bis einschließlich November eintritt, muss beim Hausarzt bis Ende 2005 keine Praxisgebühr zahlen. Außerdem sollen Patienten, die einen Termin bei ihrem Hausarzt haben, nicht länger als 30 Minuten warten müssen. Auch bei Fachärzten sollen sie eher einen Termin bekommen.

Nachteile: Patienten müssen ihren Hausarzt aus einer Liste der AOK wählen. Von den 1 600 Hausärzten in Sachsen-Anhalt machen aber bislang weniger als die Hälfte mit.

Die Praxisgebühr wird nur beim Hausarzt erlassen. Beim Zahnarzt, im Notdienst oder wenn der Patient unerwartet in einer anderen Stadt zum Arzt muss, zahlt er weiterhin. Auch an den Zuzahlungen für Medikamente und fürs Krankenhaus ändert sich nichts.

Da Versicherte mit Zuzahlungen und Praxisgebühren bis zu 2 Prozent ihres Jahreseinkommens belastet werden, spart ein sehr kranker Versicherter oder einer mit sehr geringem Einkommen mit dem Hausarztprogramm kein Geld. Er zahlt sogar 20 Euro mehr: die Eintrittsgebühr.

Fazit: Die AOK will mit dem Programm Geld sparen. Sie hofft vor allem, dass weniger Medikamente verschrieben werden. Den Patienten bringt das Programm wenig. Weder sparen sie sicher Geld, noch ist garantiert, dass ihre medizinische Versorgung besser wird. Wer einen kompetenten Hausarzt hat, sollte ihm treu bleiben – auch wenn er nicht beim Hausarztprogramm mitmacht.

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