ADHS Meldung

Deutsche Kinder bekommen wohl zu oft die Diagnose „Aufmerk­samkeit-Hyper­aktivitäts-Störung“ (ADHS) . Das berichten Psycho­logen der Uni Bochum und Basel im Fachjournal „Psycho­therapeut“. Sie hatten 473 deutschen Kinder­psychotherapeuten und -psychiatern jeweils eine von vier Fall­geschichten vorgelegt und um eine Diagnose gebeten. Nur in einem Fall lag laut den geltenden Leit­linien eindeutig ADHS vor: mit sechs Symptomen für Unaufmerk­samkeit und Hyper­aktivität, die vor dem siebten Geburts­tag begannen, mindestens zwei Lebens­bereiche wie Schule und Zuhause betreffen, schwer und nicht verwechsel­bar sind. Bei den anderen drei Fällen waren nicht alle Bedingungen erfüllt. Dennoch diagnostizierten knapp 17 Prozent der Psycho­experten ADHS, vor allem bei Jungen. Offen­bar orientieren sich die Experten eher an Faust­regeln als an Leit­linien, so die Autoren. Um Kindern unnötige Therapien wie die Psycho­pille Methylphenidat zu ersparen, sei ein Umdenken geboten. Empfohlen werden stan­dardisierte Diagnosefra­gebögen.

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