Banken leihen sich kein Geld mehr. Börsen fahren Achterbahn. Keiner weiß, wo sich weitere Abgründe auftun. Die Turbulenzen haben auch die soliden Geldmarktfonds erfasst.

Es war Anfang August und es ging Schlag auf Schlag: Binnen weniger ­Tage stellten mehrere Geldmarktfonds und ein Rentenfonds ihren Betrieb ein. Die Fonds waren auf ABS spezialisiert, Asset Backed Securities.

Der englische Begriff „Asset Backed ­Securities“ heißt auf deutsch etwa: Wertpapier, hinterlegt mit Sicherheiten. Als ­Sicherheit für diese Papiere können Forderungen aus Immobilienkrediten dienen, aber auch Zahlungsverpflichtungen aus Kreditkarten oder Autoleasinggeschäften.

Werden die Raten für die Kredite nicht mehr bezahlt, ist die Sicherheit dahin und die Anleihe in Gefahr. Das ist am US-Hypothekenmarkt passiert. Am schlimmsten traf es den Markt der zweitklassigen Hypothekenkredite. Das sind Kredite an Schuldner mit niedrigem Einkommen und ohne nennenswertes Vermögen.

Der Abwärtssog erfasste aber auch die bessergestellte Klientel der Hypothekenfinanzierer. In der Folge geriet der gesamte ABS-Markt in die Bredouille, niemand wollte die Papiere mehr anfassen. Anleger zogen Milliarden aus ABS-Fonds ab.

Die Fondsgesellschaften hätten, um sie auszuzahlen, ABS verkaufen müssen. „Und zwar unter Wert“, wie Thomas ­Kalich von Frankfurt Trust sagt, die den Rentenfonds FT ABS-Plus am 3. August geschlossen hat, um das zu vermeiden.

Bis auf weiteres werden keine Anteilspreise berechnet. Anleger können weder Anteile kaufen noch zurückgeben.

Verluste nicht dramatisch

„Mit der vorübergehenden Schließung ­haben wir die Anleger vor Verlusten geschützt“, sagt Kalich. Vor der Schließung am 3. August war der Fonds 2,7 Prozent im Minus. Ob es ärger wird, hängt davon ab, wie er aus der Krise herauskommt.

Für einen Rentenfonds „mit geringem Risiko“, wie er in unserem Dauertest eingestuft ist, liegt das bisherige Minus im Rahmen: Die Fonds der Gruppe gehören zur Chance-Risiko-Klasse 3. Anleger müssen damit rechnen, dass ihr Fonds auf Jahressicht bis zu 7,5 Prozent verlieren kann.

Die anderen Fonds, die geschlossen wurden, sind Geldmarktfonds. Solche Fonds gelten als besonders solide mit sehr geringen Wertschwankungen.

Unter den geschlossenen findet sich aus unserem Dauertest noch der Oppenheim ABS, der von der Hypo KAG in Österreich gemanagt wird und nur Großkunden hat. Ebenfalls auf Großkunden spezialisiert ist der ABS-Fonds von Union Investment.

Auch Axa, HSBC, WestLB Mellon und BNP Paribas haben Fonds geschlossen.

Fonds offen, aber im Minus

Der ABS-Fonds der Deutsche-Bank-Tochter DWS ist noch offen, obwohl Anleger über eine Milliarde Euro abgezogen hatten. Der Fonds konnte die Mittelabflüsse verkraften, weil er keine Papiere aus den USA hielt. Managerin Antje Lechner hatte nur auf qualitativ gute, europäische ABS gesetzt. In Europa ist die Kreditvergabepraxis nicht so lax wie in den USA.

Weil am Markt zurzeit vor lauter Panik aber kaum unterschieden wird, was hinter den ABS steht, musste auch sie beim Verkauf Verluste hinnehmen: Im August hat der Fonds 4,57 Prozent verloren.

Das ist nicht viel, es entspricht grob dem Ertrag eines Jahres. Für einen Fonds, den die Gesellschaft selbst als geldmarktnah einstuft, ist es aber happig.

Doch immerhin kommen Anleger an ihr Geld. Fonds, die Anlegern als idealer kurzfristiger Parkplatz für Geld angeboten werden, sollten nicht schließen. Auch nicht, wenn es sich um auf ABS spezialisierte „geldmarktnahe“ Fonds handelt.

ABS können versteckt sein

Bisher haben die Anleger kaum nach Fonds mit und ohne ABS unterschieden. Jetzt, mit den neuen Erkenntnissen über die möglichen Risiken dieser Papiere, überlegen sie sich vielleicht, ob sie ihr Geld dort noch kurzparken wollen.

Sie können den Schwerpunkt eines Fonds aber nicht immer an seinem Namen erkennen. So hat der Pioneer Euro Geldmarkt Plus zum Stichtag 31. Juli 2007 rund 90 Prozent seines Portfolios in ABS-Papieren anlegt. Auch der Deka Euro Flex Plus TF hat laut Auskunft von Deka seinen Anlageschwerpunkt im ABS-Segment.

Der Gesetzgeber hat nichts gegen diese Praxis. In Geldmarktfonds dürfen Papiere mit Restlaufzeiten unter zwölf Monaten liegen. Länger laufende Papiere sind dann zugelassen, wenn sie variabel verzinst sind. „Für den Anteil an ABS, in die ein Fonds investiert, sieht das Gesetz keine Grenze vor“, sagt Anja Neukötter von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin).

Auch in vielen anderen Geldmarktfonds liegt ein meist kleinerer Teil des Geldes in ABS. In aller Regel sind die Papiere in den Geldmarktfonds keine ABS aus dem amerikanischen Markt, sondern europäische, und meist sind sie von den Ratingagenturen mit der Bestnote AAA ausgezeichnet.

Bewertungsfehler

Allerdings hatten auch ABS, die sich auf die Immobiliendarlehen zweiter Klasse (englisch: „subprime“) beziehen, vielfach die Note AAA. „Dass die Agenturen den US-Subprime-Markt falsch eingeschätzt haben, liegt zum Teil an den Banken selbst“, sagt der Rating-Experte Oliver Everling, der im Vorstand des Bundesverbands der Ratinganalysten sitzt. Die Banken würden jeden dritten Kunden falsch beurteilen. Wenn sich die Ratingagenturen darauf verlassen, stimmt die Note nicht.

Bankanalysten und Fondsmanager, die ihr Handwerk verstehen, schauen sich die ABS-Pakete genauer an, bevor sie kaufen. „Ratings stellen keine Garantie dar“, sagt Everling, „niemand sollte ihnen blind vertrauen.“ Teilweise ist das aber passiert.

Aus der Fondsgruppe geflogen

Der Fonds FT Liquima ist laut Frankfurt Trust ein Geldmarktfonds mit ABS-Beimischung. Er hat im Juli einen geringen Verlust gemacht: 0,05 Prozent.

Wir führen ihn in unserem Dauertest deshalb von jetzt an in der Gruppe der „Rentenfonds Euro mit sehr geringem ­Risiko“. Geldmarktfonds sind nach unserer Definition nur Fonds, die keine Verluste machen. Alles andere wäre für eine kurzfristige Geldanlage unangemessen.

Die BHF-Bank, das ist die Mutter von Frankfurt Trust, hat den Fonds inzwischen mit einer Renditegarantie ausgestattet. Die Rendite werde vom 10. August 2007 an so hoch sein wie der Tagesgeldsatz, zu dem sich Banken untereinander Geld ausleihen, plus 0,1 Prozentpunkt.

Von der Umgruppierung aus den Geldmarktfonds zu den Rentenfonds ist per 31. Juli 2007 auch der Fonds Gerling Money Saving betroffen. Er liegt mit 0,21 Prozent im Minus.

Interessant ist: Der Fonds von Gerling hat nach Angaben der Gesellschaft gar nicht in ABS investiert. Als Grund für die – geringen – Verluste führt Sprecher Klaus Schumacher das Engagement des Fonds in Anleihen angelsächsischer Banken an, für die am Markt nun höhere Risikoaufschläge verlangt werden. Dadurch sinkt der Kurs der Papiere im Fondsportfolio.

Anfang September hatte sich die Lage beruhigt. Für wie lange, ist unklar. Drei der geschlossenen Fonds sind wieder offen. Die Fondsgesellschaft BNP Paribas stellt jetzt wieder Preise.

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