Wer Chancen auf den Kapitalmärkten nutzen will, muss die wichtigsten Regeln kennen. Finanztest erläutert daher in jeder Ausgabe ein grundlegendes Thema.

Ende vergangenen Jahres gab es am Sortenschalter der Bank für einen Euro 1,25 Dollar, rund 25 Cent mehr als ein Jahr zuvor. Das freut die USA-Touristen, denn Urlaub ist jetzt billiger. Dagegen sind Waren aus Europa dort teurer geworden – zum Leidwesen der hiesigen Exportwirtschaft.

Freie Kurse

Der Wert einer Währung im Verhältnis zu einer anderen ist nichts anderes als der Preis einer Ware. Sind die Wechselkurse frei, so wie zwischen Dollar und Euro, bildet sich der Kurs aufgrund von Angebot und Nachfrage.

Im Dezember wollten mehr Menschen Euro haben als Dollar. Deshalb stieg der Preis des Euro, und der des Dollars sank.

Fixe Kurse

Es gibt aber nicht nur freie Wechselkurse, sondern auch feste Kurse, die der Staat oder eine Zentralbank vorgibt.

Die Bewohner Eurolands kennen das. Zwischen dem 1. Januar 1999 und dem 31. Dezember 2001 standen die Währungen, die heute am Euro teilnehmen, in einem festen, unveränderlichen Verhältnis zueinander. Auch die D-Mark und die DDR-Mark waren früher nur deshalb gleich viel wert, weil die DDR das so wollte. Auf dem Schwarzmarkt galten andere Preise.

Bandbreitenfixierte Kurse

Die dritte Variante der Wechselkurse ist das System der bandbreitenfixierten Wechselkurse.

Damit ermittelten die Länder der Eurozone in der Vor-Euro-Zeit das Austauschverhältnis ihrer Währungen. Sie hatten Höchst- und Tiefstkurse festgelegt, zwischen denen sich der Preis frei nach den Gesetzen von Angebot und Nachfrage bildete. Erreichte eine Währung einen dieser beiden Interventionspunkte, griffen die Zentralbanken ein, indem sie Währungen aufkauften oder auf den Markt warfen.

Heute gibt es bandbreitenfixierte Wechselkurse zum Beispiel zwischen dem Euro und den Währungen der künftigen Mitgliedsländer.

Mengen- und Preisnotiz

Die Europäische Zentralbank (EZB) ermittelt täglich den Tauschwert des Euro gegenüber 28 der wichtigsten Währungen der Welt. Die Referenzkurse sind täglich ab etwa 14.15 Uhr auf der Internetseite der EZB abrufbar: www.ecb.int, Stichwort „euro foreign exchange reference rates“.

Diese Kurse veröffentlicht die Zentralbank stets als Mengennotiz. Die bezeichnet, wie viel ausländische Währung man für einen Euro bekommt. Am 11. Dezember 2003 gab es für einen Euro 1,2187 Dollar, 1,5509 Schweizer Franken oder 0,698 britische Pfund.

Das Gegenstück zur Mengennotiz ist die Preisnotiz. Die Preisnotiz galt vor Einführung des Euro und war für viele Kunden verständlicher, denn sie drückte aus, was ein Dollar, ein Franken oder ein Pfund kostete. Ähnlich wie ein Kilo Mehl. In der Preisnotiz ausgedrückt hätte am 11. Dezember der Dollar 82 Eurocent gekostet, 1 Franken 64 Eurocent und 1 Pfund 1,43 Euro. Einige ­Regionalzeitungen veröffentlichen die Kurse nach wie vor nach alter Manier.

Die Referenzkurse der EZB sind täglich fixierte Mittelkurse. Für ihr Fremdwährungsgeschäft berechnen die deutschen Großbanken aber eigene Mittelkurse. Die Volksbanken und Sparkassen legen über ihre Zentralinstitute den für sie relevanten Kurs im so genannten Bankenfixing gemeinsam fest.

Ihren Kunden gegenüber handeln die Banken die Währungen mit Auf- oder Abschlägen – je nachdem, ob sie Dollar, Franken oder Pfund haben oder zurücktauschen wollen.

An- und Verkaufskurse

Die Mengennotiz hat die Finanzwelt gemeinsam mit dem Euro eingeführt. Sie führt viele Bankkunden in die Irre, weil sie nicht den Preis für die fremde Währung angibt, sondern den für Euro.

Früher war es so: Wer Euro in Dollar tauschen wollte, dem hat die Bank Dollar verkauft, ergo hat sie den Verkaufskurs zugrunge gelegt. Heute kauft die Bank dem Kunden Euro ab, weswegen sie den Ankaufskurs berechnet. Den Verkaufskurs wendet die Bank an, wenn der Kunde Dollar in Euro zurücktauschen will. Dann verkauft sie ihm Euro.

Der Verkaufskurs liegt über dem Ankaufskurs. Statt An- und Verkaufskurs sagen die Banker auch Geld- und Briefkurs. Wie groß die Spanne dazwischen ist, hängt vom Geschäft ab. Für bargeldlose Zahlungen gibt es bessere Kurse als für den Bargeldtausch.

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