ABC für Anleger Meldung

Die TER setzt die folgenden internen Kosten eines Fonds ins Verhältnis zum durchschnittlichen Fondsvermögen. Anleger können sich so einen Überblick über die meisten Kosten ihres Fonds machen.

Wer Chancen auf den Kapitalmärkten nutzen will, muss die wichtigsten Regeln kennen. Finanztest erläutert daher in jeder Ausgabe ein grundlegendes Thema.

Den Ausgabeaufschlag kennt jeder Fondsbesitzer. Er fällt einmalig beim Kauf an. Danach muss der Anleger Jahr für Jahr die laufenden internen Kosten zahlen. Sie werden direkt vom Fondsvermögen abgezogen und in den Fondspreis eingerechnet. Inwiefern diese Kosten die Rendite schmälern, war für den Anleger bisher nicht sofort ersichtlich. Das erschwerte den Fondsvergleich.

Seit diesem Jahr hilft eine neue Kennzahl: die Total Expense Ratio (TER), zu deutsch Gesamtkostenquote. Sie setzt die meisten internen Kosten ins Verhältnis zum Durchschnitt des Fondsvermögens. Das Ergebnis ist eine Prozentzahl, die zeigt, wie hoch die Kostenbelastung eines Fonds im vergangenen Geschäftsjahr war.

Eine Untersuchung der IFA, eines privaten Instituts zur Fondsanalyse aus Kelkheim, von knapp 1 000 Aktienfonds hat ergeben, dass die TER dieser Fonds Ende Oktober im Schnitt bei 1,88 Prozent des Fondsvermögens lag.

Regelmäßig veröffentlichen

Die 75 im Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) zusammengeschlossenen Fondsanbieter haben sich im Oktober 2002 in den so genannten Wohlverhaltensregeln darauf geeinigt, die TER regelmäßig zu veröffentlichen. Grund war die Konkurrenz ausländischer Fondsgesellschaften wie UBS, Threadneedle und Baring, die die TER zum Teil schon seit Jahren ausweisen und die mangelnde Transparenz der deutschen Fonds kritisieren.

Der größte Bestandteil der Total Expense Ratio ist die Managementgebühr und die Vergütung für die Depotbank, bei der die Fondsgesellschaft die Wertpapiere verwahren lässt.

Über sie haben die Fondsanbieter ihre Kunden seit jeher informiert. Zusätzlich fließen in die TER auch „versteckte“ Kosten ein, die bisher nur in den Tiefen der Geschäftsberichte auftauchten. Dazu zählen die Kosten für Wirtschaftsprüfung, Werbung und Vertrieb, Druck und Versand der Geschäftsberichte. Nach Einschätzung des BVI wird es mindestens aber noch bis Ende Januar 2004 dauern, bis jeder Fondskunde die TER für seinen Fonds im Internet abrufen oder in den Publikationen seiner Gesellschaft nachlesen kann.

Die Fondsgesellschaften dit, Union und Deka nennen bereits die TER für ihre Fonds auf der Internetseite und auf den Fondsdatenblättern (Factsheets), die die Anleger bei der Bank erhalten.

DWS verlangt eine Pauschale

Der Marktführer DWS, die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, geht einen eigenen Weg. Sie verlangt eine Pauschale. Für Fonds wie etwa den DWS Vermögensbildungsfonds I, den DWS Intervest oder den DWS Select-Invest liegt die Pauschale zurzeit bei 1,2 Prozent. Damit sind alle Kostenfaktoren abgedeckt, die nach Empfehlung des BVI in die TER einfließen sollen. Für den Anleger ist dies bequem, weil er von Anfang an weiß, wie viel die DWS aus dem Fondsvermögen für interne Kosten abzieht. Anlegerschützer wie Petra Krüll von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) kritisieren jedoch die Pauschale: „Der Alleingang der DWS macht die internen Fondskosten nicht transparent. Aber genau das war mit Einführung der TER beabsichtigt.“

Die TER, wie sie von allen anderen BVI-Gesellschaften ausgewiesen wird, schafft jedoch auch keine vollständige Transparenz. Denn die Gesellschaften ziehen weitere Kosten vom Fondsvermögen ab, die nicht in die TER einfließen. Für manche Fonds behalten sie zum Beispiel erfolgsabhängige Gebühren ein. Überschreitet ein Fonds im Geschäftsjahr eine bestimmte Rendite, kassiert die Gesellschaft bei dem zusätzlichen Plus mit. Auf wie viel Prozent seiner Rendite der Anleger durch die erfolgsabhängige Gebühr verzichtet, ist nicht immer klar. Die BVI-Gesellschaften haben sich nun verpflichtet, künftig neben der TER – sofern vorhanden – auch die erfolgsabhängige Gebühr als Prozentzahl auszuweisen.

Überhaupt nicht berücksichtigt werden die Transaktionskosten. Das sind die Spesen, die bei jedem Kauf und Verkauf von Wertpapieren für den Fonds anfallen. Je öfter ein Manager sein Portfolio „dreht“, wie es im Fachjargon heißt, desto teurer wird es.

Unabhängige Research-Abteilungen wie zum Beispiel Feri Trust in Bad Homburg wollen so tief wie möglich in die Fonds hineinblicken. Deshalb fordern sie, dass die Gesellschaften diese Posten in die Kennziffer einrechnen.

Finanztest berücksichtigt in den Fondstabellen (siehe Fonds im Dauertest) bei der Berechnung der Wertentwicklung alle Kosten, die in die TER einfließen.

Bei der Fondsauswahl ist die TER ­sicher nicht das wichtigste Kriterium. Wichtiger ist immer noch, ob der Fonds zur Anlageidee passt und wie er sich in der Vergangenheit geschlagen hat.

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