ABC für Anleger Meldung

Notbremsung. Wenn dem Lkw auf dem Fernpass die Bremsen versagen, nimmt er den Notweg. Der Notausgang für Anleger bei rutschenden Kursen ist der Stop-Loss-Verkaufsauftrag.

Wer Chancen auf den Kapitalmärkten nutzen will, muss die wichtigsten Regeln kennen. Finanztest erläutert daher regelmäßig ein grundlegendes Thema.

Wenn es an den Börsen hoch hergeht, die Kurse rauf- und runterrauschen, fliegen viele Aktien aus den Depots privater Anleger. Und das nicht, weil sie gerade jetzt verkaufen wollten, sondern weil sie eine Stop-Loss-Order gesetzt hatten.

Das englische Stop Loss heißt auf deutsch: Stoppe den Verlust. Ein Anleger, der am 26. Juli Aktien der Deutschen Telekom zum Preis von 12,10 Euro gekauft hat, in der Hoffnung, dass es mit der Volksaktie mal wieder aufwärtsgeht, kann sich mit einem Stop-Loss-Limit absichern. Sollte der Kurs der T-Aktie nicht steigen, sondern sinken, wird sie automatisch verkauft, wenn der Stopp-Kurs erreicht ist.

Wo er das Limit setzt, legt der Anleger selbst fest. Er könnte den Tiefstkurs vom 30. September 2002 nehmen und die Stopp-Marke bei 8,55 Euro festlegen. Niedriger stand die T-Aktie zum Tagesschluss nie. Wenn der Kurs diese Schwelle berührt, wird ein Verkaufsauftrag ausgelöst und die Aktie zum nächsten Kurs verkauft.

Meistens liegt dieser nächste Kurs in der Nähe der Stopp-Marke, in der Regel leicht darunter, manchmal auch darüber. Wenn die Kurse stark schwanken oder es einen regelrechten Einbruch gibt, dann kann der Preis, den der Anleger für seine Aktien bekommt, aber deutlich geringer sein. Schutz vor einem Crash bietet ein Stop-Loss-Limit daher nur bedingt.

Abstand halten

Damit die Aktie nicht schon bei kleinsten Kursbewegungen ungewollt aus dem Depot fliegt, achten Anleger auf einen ausreichenden Abstand der Stopp-Marke zum aktuellen Kurs. Er beträgt am besten zwischen 10 und 20 Prozent, lautet eine Faustregel – je stärker eine Aktie schwankt, desto größer. Zudem sollten Anleger für die Stopp-Marke keinen glatten Betrag wählen. Runde Preise sind beliebt – und lösen, wenn die Aktie die Schwelle erreicht, eine Verkaufswelle aus.

Kosten wie für ein Limit

Die Banken berechnen für einen Stop-Loss-Auftrag meist denselben Preis wie für ein Limit, mit dem Anleger einen normalen Kauf- oder Verkaufsauftrag ergänzen können. Will ein Kunde beispielsweise Papiere von Solarworld kaufen, aber nicht mehr als 41,40 Euro (Stand 26. Juli) dafür ausgeben, muss er seine Order limitieren.

Die Preise dafür sind unterschiedlich. Viele Institute verlangen zwar nichts für das Einrichten, berechnen aber Gebühren, wenn die Order nicht ausgeführt wird. Commerzbank und Dresdner Bank verlangen dann 5 Euro, die Hypovereinsbank 5,11 Euro. Bei Cortal Consors kostet nur die Änderung oder Streichung jeweils 2,50 Euro. Citibank, Deutsche Bank und einige Direktbanken verzichten auf Gebühren.

Bei Stop-Loss-Aufträgen kommt es häufig zur Nichtausführung, entweder weil der Kurs nicht erreicht wird oder weil die Zeit abläuft: Wenn Anleger ihren Auftrag erteilen, geben sie an, wie lange er gültig sein soll.

Gelöscht werden die Stop-Loss-Orders nach einem Aktiensplit oder wenn der Kurs ausgesetzt oder mit einem Abschlag versehen wurde, etwa nach Dividendenausschüttung oder Bezugsrechtehandel. Das macht die Börse automatisch. Zudem löscht sie alle Aufträge zum Jahresende. Aufträge über die Computerbörse Xetra enden spätestens nach 90 Tagen.

Bei Cortal Consors kann der Kunde deshalb seine Stop-Loss-Order nur bis Jahresende laufen lassen. Andere Banken wie Dresdner oder comdirect stellen zum Jahresende gelöschte Orders wieder ein.

Im Auge behalten

Es empfiehlt sich ohnehin, den Stopp-Kurs regelmäßig anzupassen, etwa dann, wenn eine Aktie stark gestiegen ist. Wer mehrfach seine Stopp-Marke ändert, zahlt aber auch mehrmals – es sei denn, die Bank verlangt von vornherein nichts.

Cortal Consors will bald einen Trailing-Stop anbieten: „Das ist eine Stop-Loss-Order, die sich bei steigenden Kursen selbst anpasst“, erläutert Sprecher Dirk Althoff. „Der Kunde legt beispielsweise fest, dass das Limit immer 10 Prozent unter dem aktuellen Kurs liegen soll.“ Das Limit ändert sich entsprechend – gratis.

Anleger können ihre Aktie auch selbst beobachten und handeln, sobald ihr gedachter Kurs erreicht ist. Das hat den Vorteil, dass sie den Verkauf noch überdenken können.

Comdirect bietet Anlegern im Internet die Möglichkeit, ihre Werte im „Musterdepot“ unter Beobachtung zu stellen. Fällt der Kurs auf eine bestimmte Schwelle, werden sie per E-Mail benachrichtigt. Auch dieser Service ist kostenlos.

Dieser Artikel ist hilfreich. 657 Nutzer finden das hilfreich.