ABC für Anleger Meldung

Wer Chancen auf den Kapitalmärkten nutzen will, muss die wichtigsten Regeln kennen. Finanztest erläutert daher in jeder Ausgabe ein grundlegendes Thema.

Wer schon mal ein gebrauchtes Auto gekauft hat, kennt das Problem: Hält der Wagen, was er verspricht? Oder fällt er in ein paar Monaten auseinander, weil unter dem Blech schon der Rost nagt? Ein wenig Vertrauen gibt die Tüv-Plakette: Dieses Auto ist geprüft und zumindest verkehrssicher.

Wer auf dem Kapitalmarkt Geld verleiht, steht vor ähnlichen Problemen: Er kauft einem Unternehmen oder Staat Anleihen ab und erwartet dafür Zinsen und zu einem vereinbarten Termin das Geld zurück. Doch wird der Schuldner zahlen können?

Der Anleihen-Tüv

Wo dem Autokäufer die Plakette vom Tüv weiterhilft, geben dem Anleihekäufer die Einstufungen von Rating-Agenturen wie Moody’s und Standard & Poor’s (S & P) eine Orientierung für seine Entscheidung. Das Rating liefert ihm Informationen über die Kreditwürdigkeit eines Anbieters.

Zwar ist das Rating für Anleihen nicht vorgeschrieben. Dennoch lässt sich ein Großteil der Anleihe-Herausgeber freiwillig durchleuchten, um seine Papiere besser loszuwerden. Denn wie die Tüv-Plakette soll ein positives Rating Vertrauen einflößen.

Die Prüfung dauert in der Regel bis zu drei Monate. Die Analysten wälzen dafür Wirt­schaftsdaten von Verbänden, Veröffentlichun­gen von Zentralbanken, Ministerien und Aufsichtsbehörden, sprechen mit Branchenexperten und Wissenschaftlern, berichtet David Frohriep von Moody’s.

Bei Unternehmen las­sen sie sich auch die Bilanzen der letzten und Planzahlen der kommen­den Jahre zeigen und vergleichen mit dem, was sie aus früheren Ratings über die Branche des Kandidaten wissen. Am Ende des Verfahrens geben die Prüfer Ratingnoten: Von der Bestnote AAA bis zum C bei S & P beziehungsweise von Aaa bis C bei Moody’s. Bei Ratings schlechter als BBB bei S & P und Baa bei Moody´s bewegt sich der Anleger im so genannten „spekulativen Bereich“. Sein Risiko, vom Einsatz nichts wiederzusehen, steigt. Dafür gilt aber normalerweise: Je schlechter das Rating, desto höher die möglichen Zinsen.

Noten mit Vorzeichen

Mit feinen Abstufungen innerhalb der Notenklassen drücken die Prüfer aus, ob eine Anleihe im oberen Drittel, im Mittelfeld oder im unteren Drittel ihrer Klasse liegt. Beim Moody´s Rating zeigen dies die Zahlen von 1 bis 3. S & P benutzt Plus- und Minuszeichen für die Abstufungen.

So wie Autos regelmäßig zum Tüv müssen, stellen die Agenturen die Anleihen immer wieder auf den Prüfstand: „Wenn nichts Außergewöhnliches geschieht, halten die Analysten mit dem Unternehmen telefonischen oder schriftlichen Kontakt“, berichtet S & P-Analystin Maria Bissinger. Gründlicher schauen die Prüfer zum Beispiel hin, wenn beim bewerteten Unternehmen der Ertrag einbricht. Dass an einer ausführlichen Prüfung gearbeitet wird, erkennen Außenstehende daran, dass das Unternehmen auf der „Credit-Watch-List“ auftaucht.

Wie eine Prüfung ausgeht, können die Herausgeber einer Anleihe nicht ­beeinflussen. Zwar zahlen sie für die ­Ratings, doch die Agenturen pochen auf ihre Unabhängigkeit. Denn: „Mit unrealistischen Ratings würde eine Ratingagentur ihre Glaubwürdigkeit riskieren“, sagt Maria Bissinger von S & P.

Die Ratings sind weder Garantien noch Emp­fehlungen zum Kauf oder Verkauf eines Wertpa­piers. Wie Tüv-Plaketten zeigen sie nur eine geprüfte Qualität an. Ob diese Bestand hat und den Preis rechtfertigt, steht allerdings auf einem ganz anderen Blatt.

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