ABC für Anleger Meldung

Wer Chancen auf den Kapitalmärkten nutzen will, muss die wichtigsten Regeln kennen. Finanztest erläutert daher in jeder Ausgabe ein grundlegendes Thema.

Alle drei Monate bringen Meldungen wie diese die Aktienmärkte in Bewegung: „Microsoft-Zahlen schüren Zweifel am künftigen Wachstum“, schrieb die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ am 24. Januar 2004. Mit „Zahlen“ sind in der Wirtschaftsberichterstattung gewöhnlich die Ergebnisse eines Unternehmens im zurückliegenden Quartal gemeint.

Microsoft hatte in den letzten drei Monaten des Jahres 2003 alle Erwartungen übertroffen. 19 Prozent mehr Umsatz als angenommen klingeln in den Kassen. Der Kurs der Aktie fiel dennoch. So gut gehts nicht weiter, hatten Analysten aus dem Zahlenwerk geschlossen.

Quartalsberichte bieten den Analysten und Anlegern Stoff zur Interpretation. Sie enthalten Angaben zum im Quartal erzielten Umsatz und zu Gewinn oder Verlust. Sie stellen Schulden und Vermögen gegenüber und sagen, wie sich das Geschäft weiter entwickeln dürfte. Sie liefern zudem verschiedene relative Kennzahlen wie „Gewinn pro Aktie“ oder „Dividende pro Aktie“.

Eigene Regeln

Anders als Bilanzen und Halbjahresberichte sind Quartalsberichte in Deutschland nicht gesetzlich vorgeschrieben. Auch die Europäische Union sieht eine Pflicht zur Quartalsberichterstattung nicht vor.

Anders die Deutsche Börse: Sie verlangt von Unternehmen, die im Prime Standard, dem angesehensten Börsensegment, gelistet werden wollen, diesen Service. Gesellschaften, die sich dem verweigern, verbannt sie in den General Standard. Das Listing im Prime Standard ist Voraussetzung für die Aufnahme in einen der Indizes.

Im August 2001 traf es die Porsche AG. Die Börse nahm die Zuffenhausener Autobauer nicht in den Dax auf, weil sie keine Quartalsberichte abgeben wollten. Für Porsche-Vorstand Wendelin Wiedeking spiegeln Quartalsberichte nur eine Scheintransparenz vor. Unternehmen entwickeln sich nicht in Quartalszyklen, heißt es bei Porsche.

Für die Chancengleichheit

80 Prozent der an der Deutschen Börse notierten Unternehmen liefern Quartalsberichte ab. Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) sagt: „Es sollte den Unternehmen nicht schwer fallen, die Zahlen zu veröffentlichen.“ Ihr ist die Waffengleichheit wichtig: „Größere Kreditgeber verfügen mit Sicherheit über mehr Informationen als die Kleinanleger.“

Was ihre Klientel mit den Berichten anfängt, sei allerdings deren Sache. Ihr Augenmerk sollten Anleger vor allem auf Umsatz- und Gewinnentwicklung richten, rät Keitel. Außerdem sollten sie auf Veränderungen bei den Schulden achten, auf Sonderereignisse wie die Akquise eines Großauftrags oder Formulierungen wie „Restrukturierung eines Geschäftsbereichs“.

Freier Lauf der Fantasie

Da der Gesetzgeber für die Berichte keine Standards vorschreibt, lassen sich in ihnen wirtschaftliche Probleme trefflich beschönigen – zum Beispiel mittels hoher Gewinnerwartungen. Reinhild Keitel warnt: „Die Kleinanleger sollten wissen, dass Prognosen nicht einklagbar sind.“ Mancher Quartalsbericht aus dem untergegangenen Neuen Markt hat sich später als Lyrik erwiesen.

In den USA müssen die Firmen vierteljährliche Berichte bei der Aufsichtsbehörde (SEC) einreichen. Bilanzfälscherskandale um Enron oder Worldcom konnten dadurch aber auch nicht verhindert werden.

Rüdiger von Rosen, der Leiter des Deutschen Aktien Instituts (DAI), hält daher von der Pflicht zur Quartalsberichterstattung nicht allzu viel. „Man sollte es den Emittenten überlassen, ob sie berichten oder nicht“, sagt er. Dann könnte der Markt darüber entscheiden, ob auch die Aktien von Gesellschaften ohne Quartalsberichterstattung eine Chance bekommen.

Mehrere Quellen anzapfen

Für Anleger können Quartalsbe­richte nicht viel mehr als ein Mosaikstein in einer Fülle von Informationen sein. Nur wer sich regelmäßig auf dem Laufenden hält und mehrere Quellen zurate zieht, kann sich ein der Realität nahe kommendes Bild von der Geschäftslage eines Unternehmens machen.

Tipp: Quartalsberichte können Sie über die Homepage der Deutschen Börse abrufen (Name oder Isin eingeben, auf Unternehmensdaten klicken). Hier finden Sie nicht nur den aktuellen, sondern auch ältere Berichte. Auch die Unternehmen selbst stellen Quartalsberichte im Internet bereit. Eine Linkliste finden Sie bei Deutsches Aktieninstitut.

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