ABC für Anleger Meldung

Wer Chancen auf den Kapitalmärkten nutzen will, muß die wichtigsten Regeln kennen. Finanztest erläutert daher in jeder Ausgabe ein grundlegendes Thema.

Optionsscheine sind für den Aktienanleger das, was dem Hochseilartisten das Netz ist. Mit ihnen kann man sich absichern bei Kursstürzen, genauso gut kann einen das Netz mit hoher Geschwindigkeit nach oben schnellen. Besonders Wagemutige nutzen es wie ein Trampolin, um mit nur ein wenig Schwungholen schnell ganz hoch zu kommen. Wer sich allerdings verschätzt, kann mit Netz wie mit Optionen böse Bruchlandungen erleben.

Mit einem Optionsschein, auch Warrant genannt, erwerben Anleger das Recht, bis zu einem festen Termin in der Zukunft Wertpapiere zu dem Kurs zu kaufen oder zu verkaufen, den der Optionsschein verspricht (Basispreis). Scheine, die auf einen Kauf hinauslaufen, heißen "Call", Verkaufsoptionen "Put". Optionsscheinkäufer spekulieren also auf den künftigen Kurs einer Aktie, einer Anleihe oder auch eines Aktienpakets. Aber auch Spekulationen auf einen Index wie etwa den Deutschen Aktienindex sind möglich.

Sichern oder zocken

Interessant sind die Optionsscheine für Anleger zum einen, weil sie Aktienbesitzern helfen, sich gegen große Verluste abzusichern, zum anderen weil sie hohe Gewinne ermöglichen.

Wer bereits Aktien besitzt und einen Kurssturz seiner Papiere befürchtet, erwirbt rechtzeitig die Option, eben jene Aktien zu einem bestimmten Kurs abzustoßen ­ einen "Put". Damit kann er seine Verluste gering halten, schließlich kann er die Aktien ja zu dem per Optionsschein garantierten Kurs verkaufen, auch wenn der Börsenwert niedriger liegt. Je höher allerdings der Kurs ist, den der Aktienbesitzer absichern möchte, desto teurer ist auch der Optionsschein. Fallen die Aktien nicht, war das Options-Investment vergebens ­ etwa wie eine Unfallversicherung, wenn der Unfall ausbleibt.

Von Kurssteigerungen an der Börse können Anleger mit Hilfe von Optionen überproportional profitieren. Optionsscheine gibt es meist für wesentlich weniger Geld als Aktien. Wer damit rechnet, dass Aktien klettern werden, aber gerade kein Geld hat, sie zu kaufen, kann daher mit Optionsscheinen an dem Kursanstieg mitverdienen. Der Experte spricht von der Hebelwirkung. Steigt der Wert des Titels über den Basispreis, ist der Anleger auf der Gewinnerseite: Er darf ­ wie mit dem Optionsschein versprochen ­ die Aktie zum niedrigen Kurs erwerben und kann sie mit Gewinn verkaufen. Den Preis des Optionsscheins muss er dabei noch verdienen.

Die wenigstens Anleger kaufen allerdings inzwischen Optionsscheine, um sie später auch wirklich einzulösen. Die meisten hoffen auf schnelle, hohe Kursgewinne, kaufen die Optionen nur, um sie bald wieder abzustoßen. Denn die Papiere sind in aller Regel preiswerter als Aktien, reagieren aber sensibel und mit großen Kursausschlägen selbst auf nur kleine Veränderungen der Aktienwerte oder des Index, auf den die Option lautet. Der Verlust ist maximal so hoch wie die Summe, die man für den Optionsschein ausgegeben hat, denn niemand muss die erworbenen Optionen schlussendlich auch einlösen, wenn sie ungünstig für ihn ausfielen.

Emittent organisiert den Markt

Für viele dieser Papiere, die ja irgendwann fällig werden und danach wertlos sind, lohnt das aufwendige Zulassungsverfahren an der Börse nicht. Für solche Optionsscheine übernimmt der Herausgeber in der Regel selbst das, was bei anderen Wertpapieren an der Börse passiert: Er bringt Interessenten und Verkäufer der Optionsscheine zusammen, betreibt das "Market making". Wie gut er das macht, ist für den Anleger durchaus von Bedeutung: Macht er es nämlich schlecht, stehen vielleicht keine Käufer bereit, wenn der Anleger seine einmal erworbenen Optionsscheine wieder verkaufen will.

Ein Anleger sollte immer nur so viel Geld in Optionsscheine investieren, dass er mögliche Totalverluste verkraften kann. Außerdem muss, wer mit Optionsscheinen spekulieren will, ständig über das Börsengeschehen auf dem Laufenden sein.

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