Wer Chancen auf den Kapitalmärkten nutzen will, muss die wichtigsten Regeln kennen. Finanztest erläutert daher in jeder Ausgabe ein grundlegendes Thema.

Für manchen, der heutzutage an der Zapfsäule gerade vermeintlich viel Geld in den Tank gurgeln hört, ist der Begriff Opec ein Reizwort, das er am Stammtisch gern in einem Atemzug mit den Wörtern "Finanzminister" und "schwacher Euro" nennt. Was genau aber ist die Opec? Was macht sie? Und die wichtigste Frage: Warum ärgert sie uns mit hohen Energiepreisen?

Alle paar Jahre bringt sich die Organization of Petroleum Exporting Countries, die Organisation ölexportierender Länder, bei Politikern und Verbrauchern in Erinnerung. Eben dann, wenn der freiwillige Zusammenschluss von Ölproduzenten den Hahn zudreht, die Ware verknappt und die Preise steigen lässt. Während der 111. Opec-Konferenz im September legten die Ölminister der Opec-Staaten den Preis für Öl mit Liefertermin Oktober auf über 34 Dollar pro Barrel Rohöl (159 Liter) fest.

Zwischen 35 und 40 Prozent des weltweit geförderten Rohöls sprudelt aus Quellen in den heute elf Mitgliedsstaaten, derzeit täglich 26,2 Millionen Barrel. Für die Bedeutung der Organisation wichtiger ist aber eine andere Zahl: Sie kontrolliert 60 Prozent des weltweit gehandelten Rohöls.

Zu den Gründungsmitgliedern Venezuela, Iran, Irak, Kuwait und Saudi-Arabien stießen in den 60er und 70er Jahren Quatar, Libyen, Indonesien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Algerien und Nigeria. Ecuador und Gabun haben die Organisation 1992 beziehungsweise 1996 wieder verlassen. Die Opec-Zentrale sitzt in Wien. Große Ölförderländer wie Mexiko, die USA, China, Großbritannien und Norwegen sind nicht Mitglied.

Die Organisation sieht ihre Aufgabe in der Koordination und Vereinheitlichung der Ölpolitik ihrer Mitglieder. Gemeinsames Interesse ist ein möglichst berechenbarer Fluss von Erlösen.

Nach und nach brachen die Opec-Länder die aus kolonialen Zeiten rührenden Strukturen auf. Die Konzerne hatten den Opec-Staaten in den Verhandlungen von 1973 einen über 2,5 Prozent hinausgehenden Inflationsausgleich und einen geringfügig höheren Listenpreis verweigert. Und verrechneten sich damit gehörig. Die Opec-Staaten gingen in diesem Moment nämlich dazu über, die Preise selbstständig festzusetzen, ohne vorher mit den Ölkonzernen darüber zu verhandeln.

Das neue Selbstbewusstsein der arabischen Fraktion in der von der Opec unabhängigen Organisation der arabischen Erdöl exportierenden Staaten (Oapec) bekamen die Industrieländer auch auf andere Weise zu spüren. Und eben die arabische Oapec drehte denjenigen den Ölhahn zu, die Israel im Jom-Kippur-Krieg gegen die arabische Allianz unterstützt hatten.

"Opec pfui", verfluchten die deutschen Verbraucher die falsche Adressatin. Folge der drohenden Knappheit waren die unvergessenen autofreien Sonntage im Jahr 1973. "Opec sei Dank", sagen bis heute hingegen die Lobbyisten der erneuerbaren Energien. Ohne die so genannte Ölkrise führten Sonnen- und Windenergie noch ein Mauerblümchendasein.

Ist die Opec schuld daran, dass die Kosten für Sprit und Heizöl die Haushaltskassen leeren? Folgende Rechnung mag eine Antwort auf diese Frage geben: Vom deutschen Tankstellenpreis eines Liters Superbenzin von zum Beispiel 2 Mark erhalten die Opec-Länder etwa 30 Pfennig, beim Ölkonzern bleiben rund 20 Pfennig hängen, der Finanzminister ist mit 1,10 Mark Mineralölsteuer und Ökosteuer dabei und bedient sich dann noch mit rund 28 Pfennig Mehrwertsteuer.

Von den restlichen 12 Pfennig müssen alle Kosten für Transport, Lagerhaltung, gesetzliche Bevorratung, Verwaltung und Vertrieb abgedeckt werden.

Eine Erhöhung der Opec-Fördermengen allein wird dem Verbraucher an der Zapfsäule noch kein Lächeln ins Gesicht zaubern. Alle Analysten sagen einen teuren Energie-Winter voraus ­ nicht wegen der Ölförderländer, sondern weil die Ölkonzerne sich verspekuliert haben.

Als nämlich im Frühjahr die Rohölpreise abhoben, räumten sie die Lager mit noch billig eingekaufter Ware und raffinierten auch Heizölqualitäten zu Benzin. Jetzt sind die Reserven erschöpft, und die Konzerne müssen noch teurer einkaufen.

Die Opec mag als Sündenbock zwar beliebt sein wie Eichel und der Euro, den Benzinpreis an den Tankstellen vermag sie jedoch kaum zu steuern.

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