ABC für Anleger Meldung

Wer Chancen auf den Kapitalmärkten nutzen will, muss die wichtigsten Regeln kennen. Finanztest erläutert daher in jeder Ausgabe ein grundlegendes Thema.

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n der Computerbörse Nasdaq ...", sagt die Stimme, die im Radio den Börsenbericht durchgibt, seien die Kurse gestiegen. Vorher hat sie schon die Aktiennotierungen von der Wall Street verkündet, und gleich gibts noch den Dollarkurs hinterher.

Von der Aktienbörse, der New York Stock Exchange (NYSE) an der Wall Street im New Yorker Stadtteil Manhattan, hat wohl fast jeder ein Bild im Kopf: Aktienhändler in bunten Jacketts, die ihre Firmenzugehörigkeit verraten, gestikulieren aufgeregt, haben drei Telefonhörer gleichzeitig am Ohr, drängeln und rufen wild durcheinander ­ obwohl auch hier der Computer Einzug gehalten hat und beim Handeln hilft.

Börse ohne Tumulte

Eine reine Computerbörse wie die Nasdaq gibt so bunte, hektische Bilder nicht her, ein Parketthandel wie an der Wall Street existiert nicht, auch keine bunten Jacketts, keine rufenden Händler ­ aber das Geschäft ohne Ort läuft noch schneller. Denn Elektronengehirne haben das Business übernommen. Kein Aktienhändler muss mehr Angebote laut ausrufen; er tippt einfach in den Computer, welche Aktie er an- oder verkaufen will, und dazu eine Preisspanne, in der er zu einem Geschäft bereit ist. Anbieter und Verkäufer werden blitzschnell zusammengebracht in den Elektronengehirnen des

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uotation-Systems, kurz Nasdaq. Am 8. Februar 1971 begann der elektronische Handel, schon in den sechziger Jahren hatte man in den USA erkannt, dass leistungsfähige Computer den Aktienhandel viel schneller erledigen könnten als die Menschen auf dem Börsenparkett.

Und weil der Handel an der Nasdaq elektronisch abläuft, können hier viel mehr Händler gleichzeitig kaufen und verkaufen. Bis vor rund drei Jahren hatten schon gut 500 Firmen von professionellen Aktienhändlern Zugang zu dem elektronischen Börsenplatz. Seit 1997 dürfen über so genannte Electronic Communication Networks, kurz ECNs, auch registrierte private Investoren selbst aus den abgelegensten Winkeln der Erde an der Nasdaq mitbieten.

Die Träger der Nasdaq haben sich zum Ziel gesetzt, kleine, wachstumsfähige Unternehmen, deren Gewinn für eine Notierung an der Wall Street noch nicht hoch genug ist, mit risikobereiten Investoren zusammenzubringen. Allein schon wegen der vielen Marktteilnehmer ist die Chance, das zu schaffen, hier größer als an anderen Börsenplätzen. Mit dieser Mission hat die Nasdaq sich zu einer der bedeutendsten Börsen der Welt entwickelt. An einem durchschnittlichen Handelstag wechseln hier mit 1,5 Millionen Aktien etwa eineinhalbmal so viele Papiere den Besitzer wie an der New York Stock Exchange.

Strenge Prüfung

An der ­ inzwischen renommierten ­ Computerbörse gehandelt zu werden, ist für viele Firmen attraktiv: Eine Notierung hier macht den eigenen Namen in den USA und weltweit bekannt, Kunden und Investoren werden aufmerksam. Außerdem gilt sie als Gütesiegel für eine Aktie. Denn vor deren Aufnahme durchleuchten und prüfen die Experten der Nasdaq das Unternehmen genau.

Vielversprechende Werte

Vor allem Firmen aus der Computerbranche haben sich in den letzten Jah-ren ihr notwendiges Wachstumskapital durch den Verkauf ihrer Aktien an der Nasdaq besorgt. So werden an der Nasdaq heute beispielsweise Anteilscheine etwa von Dell Computer und dem Softwaregiganten Microsoft, Aktien des Chipherstellers Intel, der Internet-Suchmaschine Yahoo und des On-line-Buchhändlers amazon.com ge-handelt. Für Anleger, die diese Aktien im deutschen Handel kaufen, können die Nasdaq-Kurse wertvolle Orientierungshilfen sein.

Wer die Chancen von Wachstumsunternehmen früh erkennt, kann an der Nasdaq außerdem immense Gewinne erzielen. Der Nasdaq-Composite-Index beispielsweise, der alle rund 4.900 Werte der Computerbörse umfasst, stieg im Jahr 1999 um 86 Prozent. Er stand am 31. Dezember 1999 bei 4.069 Punkten. Der Nasdaq 100 für die 100 größten Aktienwerte verdoppelte sogar seinen Stand im Jahr 1999.

Doch immer dann, wenn hohe Kursgewinne locken, ist auch das Risiko hoch. Das gilt insbesondere für die Nasdaq-Werte, die noch in den Kinderschuhen stecken und häufig rote Zahlen schreiben.

Die Nasdaq gilt als wichtigster Markt für Technologiewerte. Diesen will sie auch in Europa etablieren. Voraussichtlich von London aus wird das neue Projekt Ende des Jahres 2000 starten. Um die Expansionspläne zu finanzieren und weiterhin in der internationalen Börsenlandschaft bestehen zu können, will die Nasdaq selbst Aktien ausgeben und sich so Kapital beschaffen. Die Aktien werden aber voraussichtlich nur unter den zugelassenen Brokerhäusern verteilt.

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