ABC für Anleger Meldung

Die Börsenindizes werden neu gemischt. Statt Größe des Unternehmens zält die Verfügbarkeit der Aktien.

Wer Chancen auf den Kapitalmärkten nutzen will, muss die wichtigsten Regeln kennen. Finanztest erläutert daher in jeder Ausgabe ein grundlegendes Thema.

Indizes wie der Deutsche Aktienindex Dax, der amerikanische Dow Jones oder die Indizes von Morgan Stanley Capital International (MSCI) sind Stimmungsbarometer der Börse. Sie geben börsentäglich die durchschnittliche Kursentwicklung einer Gruppe von ausgewählten Unternehmen an. Für jeden Index gibt es Kriterien, die festlegen, wann ein Unternehmen mit welcher Gewichtung in den Index Eingang findet. Erstellt werden sie von der Institution, die den jeweiligen Index konstruiert und vermarktet. Für den Dax ist dies die Deutsche Börse AG und für den Dow Jones und die MSCI-Indizes sind es die gleichnamigen Gesellschaften.

Vom weltgrößten Indexanbieter MSCI gibt es eine ganze Indexfamilie: einen Weltindex und sechs Regionalindizes, außerdem 20 Länder- und 38 internationale Branchenindizes. Alle Indizes zusammen erfassen gut 1.470 Unternehmen aus 20 Ländern. Finanztest verwendet die MSCI-Indizes als Maßstab für die Bewertung von Fonds.

Nach dem amerikanischen Dow Jones und anderen internationalen Kursbarometern hat sich nun auch der Morgan Stanley Capital International entschlossen, eines seiner Aufnahmekriterien zu verändern: Bislang entschied die Marktkapitalisierung, also die Gesamtzahl der Aktien multipliziert mit dem Basiswert, die Gewichtung im Index. In Zukunft werden die Unternehmen aber nur noch nach ihren frei an der Börse handelbaren Aktien (Streubesitz) bewertet. Statt Größe des Unternehmens zählt dann die Verfügbarkeit der Aktien. Außerdem dürfen Unternehmen mit einem Streubesitz von weniger als 15 Prozent aller Aktien in Zukunft nicht mehr in die Indizes. Die Plätze in den MSCI-Indizes sind heiß begehrt, weil zahlreiche Manager von Indexfonds ihr Portfolio an einem MSCI-Index orientieren.

Die Fondsmanager befinden sich bisher in einer Zwickmühle: Sie müssen in ihrem Fonds jene Unternehmen aufnehmen, die im Index vorkommen. Doch nicht alle der dort abgebildeten Aktien sind auch verfügbar. Bei vielen Firmen wie der Deutschen Telekom oder der Allianz sind große Aktienpakete aufgrund von umfangreichen Verflechtungen und staatlichem Besitz in festen Händen. Diese Aktien werden gehalten und sind zur Zeit nicht auf dem Markt verfügbar. Folgen die Fondsmanager den Vorgaben des Indexanbieters, verursachen sie eine hohe Nachfrage, die die Kurse künstlich nach oben treibt. Das soll durch die Reform des Index vermieden werden.

Reform in zwei Schritten

Auf diese Umstrukturierung werden auch die internationalen Finanzmärkte reagieren. Fondsmanager, die MSCI-Indizes nachbilden oder als Messlatte für ihren Erfolg verwenden, werden nämlich ihre Aktienportfolios entsprechend umschichten. Die Umstellung auf den Streubesitz könnte An- und Verkäufe im Umfang von mehreren Milliarden Dollar mit sich bringen. Drastische Kursstürze sind aber nicht zu erwarten, weil die Investoren ihre Portfolioumwandlung langsam und auf mehrere Monate verteilt durchführen. Möglich wird dies, weil MSCI seine Reform in zwei Schritten durchführt. Bis November 2001 sollen die Indizes zu 50 Prozent nach der Marktkapitalisierung und zu 50 Prozent nach dem Streubesitz gewichtet werden. Erst im Mai 2002 erfolgt dann die endgültige Umstellung.

Durch die Umstrukturierung wird sich das Gewicht deutscher Firmen im MSCI-Weltindex verringern. So sinkt der Anteil deutscher Aktien in dem wichtigen Barometer um fast einen Prozentpunkt auf rund 2,8 Prozent. Vor allem die USA und Großbritannien profitieren. Insgesamt werden amerikanische Aktien mit gut 55 Prozent vertreten sein.

Für Furore sorgte in Deutschland vor allem, dass die Dax-Titel BMW und Commerzbank nicht in den MSCI Europa aufgenommen werden ­ dafür aber die Vorzugsaktien von Porsche und MLP, die Titel von Infineon, Deutsche Post und Atlanta. Verabschieden müssen sich FAG Kugelfischer, Hochtief, Dyckerhoff, Bilfinger, D. Logistics und EM.TV.

Im Juni 2002 ändert auch der Dax seine Kriterien. Künftig entscheidet auch hier der Streubesitz über das Indexgewicht. Bei Firmen mit hohen Festbesitzanteil wie der Allianz, Siemens oder der Münchener Rück könnte dies kurzfristig die Kurse drücken.

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