ABC für Anleger Meldung

Wer Chancen auf den Kapitalmärkten nutzen will, muss die wichtigsten Regeln kennen. Finanztest erläutert daher in jeder Ausgabe ein grundlegendes Thema.

Der Aufwand, mit dem Aktienkäufer heutzutage umworben werden, ist enorm. In Radio, Fernsehen, Zeitung und Zeitschriften preisen kleine und große Aktiengesellschaften ihre Anteilscheine an wie Autos, Tütensuppen oder Müsliriegel. TV-Entertainer und Gummibärenwerber Thomas Gottschalk wirbt für Aktien der Post. Nach dem Werbefeldzug des real existierenden Fernsehschauspielers Manfred Krug für die T-Aktie ließ die Telekom-Tochter T-Online ihren im Computer entworfenen virtuellen Werbehelden Robert T-Online auf die potenziellen Aktienkäufer los, um den Titel unters Börsenvolk zu bringen.

Kontaktpflege

Kaum eine Aktiengesellschaft verzichtet heute noch darauf, den Kontakt zu den Investoren zu pflegen. Denn die Anleger haben schließlich das, was die Unternehmen an der Börse so gern gegen ihre Aktien eintauschen wollen: Geld. Und je mehr Aktiengesellschaften um das Kapital der Anleger konkurrieren, desto schwerer wird die Geldbeschaffung an der Börse für die einzelne Firma.

Der erste Schritt für Gesellschaften, die auf das Börsenparkett drängen, das "Initial Public Offering" (IPO), ist deshalb ohne Werbekampagnen kaum denkbar. Vorreiterin im Aktienmarketing war die Telekom, die 1996 deutschen Privatanlegern mit einer enormen Werbekampagne die T-Aktie schmackhaft machte. Auch die Post, die im Herbst vergangenen Jahres die "Aktie Gelb" in den Markt drückte, wartete mit zahlreichen Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften und mit Fernsehspots auf.

Werbefeldzüge

Und während die Promis die Werbespots und Anzeigenseiten füllen, werben im Hintergrund Unternehmensverantwortliche bei Fondsmanagern und Analysten. "Roadshow" heißt das Tingeln von Konferenz zu Konferenz im Branchenjargon. Denn gerade die kapitalkräftigen institutionellen Investoren wie Investmentgesellschaften wollen umworben werden.

Doch auch nach dem ersten Börsengang gehen die "Investor Relations" weiter. Schließlich wollen die Aktionäre bei der Stange gehalten werden. Zum Konzept der Kontaktpflege gehört es deshalb auch, die Anteilseigner dauerhaft zu betreuen und zu informieren. Regelmäßige Berichte über die Lage des Unternehmens sind ohnehin vorgeschrieben. Darüber hinaus müssen Aktiengesellschaften stets Meldung machen, wenn Dinge passieren, die den Kurs beeinflussen könnten. In aller Regel finden sich "Ad-hoc-Mitteilungen" auch in den Wirtschaftsnachrichten. Doch das ist nur die Pflicht der "Investor Relations"-Arbeiter, die sie ohnehin erledigen müssen.

Zum zweischneidigen Schwert werden die "Investor-Relations"-Bemühungen allerdings, wenn mit ihnen bewusst Kurspflege betrieben wird, warnt Jörg Pluta, Geschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz, "wenn Nichtigkeiten statt Informationen verbreitet werden".

Das kam nicht zuletzt bei den Ad-hoc-Mitteilungen häufig vor. Unternehmen meldeten, dass sie demnächst ihren Jahresabschluss feststellen würden, manche teilten mit, dass die Geschäfte gut laufen ­ alles Nachrichten, die den Preis der Aktien nicht beeinflussten, jedoch Aufmerksamkeit auf die Gesellschaft lenkten.

Zur Kür in Sachen Investor-Relations gehört es, ein Image des Unternehmens und der Aktie zu erzeugen, das die Anleger mit Aktie und Unternehmen zufrieden sein lässt. Denn zufriedene Aktionäre sind in aller Regel treue Aktionäre. Wie wichtig es werden kann, dass die Anteilseigner an die Zukunft ihrer Firma glauben, zeigte sich bei der Übernahme von Mannesmann durch den britischen Telefonkonzern Vodafone. Eine regelrechte Anzeigenschlacht um die Gunst der Aktionäre lieferten sich die beiden damals ­ die einen, um die Übernahme zu verhindern, die anderen, um sie zum Erfolg zu führen.

Informationsaustausch

Aktionäre und Aktieninteressierte profitieren von dem wachsenden Bewusstsein in den oberen Firmenetagen für die Bedeutung der Geldgeber. Zwar werden insbesondere institutionelle Anleger hofiert ­ doch schon allein, weil das Aktiengesetz im Grundsatz die gleiche Behandlung aller Aktionäre gebietet, kommen auch Privatpersonen heute einfacher an Unternehmensinformationen als früher. Viele Firmen haben inzwischen ganze Abteilungen für den Kontakt mit den Investoren eingerichtet. Das Internet bietet dabei eine preiswerte Möglichkeit, Informationen auszutauschen. Doch auch ein Anruf oder ein Brief an die Unternehmen sollte dem Interessierten die gesuchten Informationen verschaffen.

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