ABC für Anleger Meldung

Hybridanleihen werben mit hohen Zinsen. Wer ihrem Locken folgt, kann aber Schiffbruch erleiden.

Wer Chancen auf den Kapitalmärkten nutzen will, muss die wichtigsten Regeln kennen. Finanztest erläutert daher regelmäßig ein grundlegendes Thema.

Das Wort hybrid hat zurzeit einen guten Klang. Es suggeriert Sparen. Autos, die mit hybriden Antrieben aus Elektro- und Verbrennungsmotoren fahren, führen die Rangliste der Sparmodelle an.

Hybridanleihen dagegen werden es wohl eher nicht auf einen Spitzenplatz unter den anlegerfreundlichen Finanzprodukten schaffen: Denn die von Unternehmen herausgegebenen Wertpapiere vereinen anleihe- und aktienähnliche Eigenschaften. Sie bieten zwar überdurchschnittliche Zinsen, bergen aber auch erhebliche Risiken: Die Anleihekurse schwanken stark, die Zinszahlungen können unterschiedlich hoch sein oder ganz ausfallen. Außerdem laufen die Anleger Gefahr, die Anleihen nur schwer wieder loszuwerden.

Hybridanleihen haben anders als gewöhnliche Anleihen keine überschaubare Laufzeit. Einige von diesen Papiere laufen über 100 Jahre oder unbegrenzt.

Für die Unternehmen ist das ein Vorteil. Weil ihnen das Geld dauerhaft zur Verfügung steht, zählt es in der Bilanz zum größten Teil nicht als Fremd-, sondern als Eigenkapital. Fremdkapital ist das Geld, welches ein Anleihekäufer dem Unternehmen zur Verfügung stellt, Eigenkapital ist die Einlage eines Aktionärs.

2 Prozent mehr Zinsen

Etwa 15 Hybridanleihen, auch Nachranganleihen genannt, gibt es auf dem europäischen Markt. Sie werden von großen Unternehmen herausgegeben, darunter Bayer, Henkel, Südzucker und Tui.

Der Zins für Hybridanleihen liegt im Schnitt rund 2 Prozent über dem für normale Unternehmensanleihen. Er setzt sich zusammen aus einem Risikoaufschlag gegenüber sicheren Bundesanleihen und einem weiteren Aufschlag für die lange Laufzeit. Die Zahlungen sind oft an die Geschäftsentwicklung gekoppelt. „Jede Anleihe ist unterschiedlich ausgestaltet“, weist Georg Nitzlader von Raiffeisen Capital Management in Wien auf die oft komplizierten Bedingungen hin.

Zwei Beispiele: Zahlt ein Unternehmen in einem Jahr keine Dividende, fällt meist auch die Zinszahlung für die Hybridanleihe aus. Oder die Firma zahlt keine Zinsen, wenn der Cashflow, eine Kennzahl für die Ertragskraft eines Unternehmens, unter einen bestimmten Satz gefallen ist.

Weitere Risiken für Anleger stecken in den langen Laufzeiten der Anleihen. In der Regel zahlen die Unternehmen die Anleihen nach zehn Jahren freiwillig zum Nominalwert zurück. Sie müssen das aber nicht tun. Dann haben die Anleger einen so genannten Floater im Depot, eine Anleihe mit variabler Verzinsung.

Tui hat seine Hybridanleihe zu einem Zinssatz von 8,625 Prozent angeboten. Sie läuft unbefristet. Tui kann die Anleihe nach sieben Jahren kündigen. Macht Tui das nicht, bekommt der Anleger den jeweils gültigen Drei-Monats-Euribor plus einen Risikoaufschlag von 7,3 Prozentpunkten. Der Drei-Monats-Euribor ist ein Zinssatz für kurzfristige Geldanlagen. Im Moment steht er bei 3,25 Prozent (Stand 24. August).

Je länger die Anleihe läuft, desto höher ist zudem das Risiko, das eingesetzte Geld nicht wiederzusehen. Geht der Emittent Pleite, werden die Hybridanleihen nachrangig behandelt. Im Insolvenzverfahren steht der Anleger an vorletzter Stelle der Gläubiger. Zuerst bekommen die anderen Gläubiger Geld, zuletzt – und nur wenn noch was übrigbleibt – die Aktionäre.

Kurse schwanken

Schon kleine Veränderungen der Marktzinsen beeinflussen die Kurse der Langläufer stark. „Das sind die volatilsten Produkte auf dem Anleihemarkt“, sagt Georg Nitzlader. Ihr Preis schwankt heftig.

Auch die Kreditwürdigkeit der Firma kann sich ändern. „Diese Produkte sind interessant, wenn jemand das Kreditprofil eines Emittenten über viele Jahre in die Zukunft als sehr gut erwartet“, sagt der Anleihenspezialist. Welcher private Anleger kann das beurteilen? Wir raten Anlegern schon aus diesem Grund, solche Anleihen dem Depot höchstens beizumischen.

Ein weiterer Grund für Vorsicht ist, dass sich die Anleihen nicht ohne weiteres verkaufen lassen. In den Jahren bis zum ersten möglichen Rückzahlungstermin werden die Anleihen an der Börse meist noch regelmäßig gehandelt. Später ändert sich das. Dann kann es einige Zeit dauern, ehe der Verkauf abgewickelt wird. Zudem müssen Anleger mit einem Preisabschlag rechnen.

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